Gasthof in Grafschaft hat ein altes Recht zum Schnapsbrennen

Ein Generationenwechsel steht bevor und sichert das Fortbestehen der Tradition in Grafschaft: Hans-Georg und Gertrud Müller-Heimes und ihr Neffe Bernhard Müller.
Ein Generationenwechsel steht bevor und sichert das Fortbestehen der Tradition in Grafschaft: Hans-Georg und Gertrud Müller-Heimes und ihr Neffe Bernhard Müller.
Foto: Privat
Der Gasthof Heimes in Grafschaft lässt eine alte Tradition wieder aufleben: Hans-Georg Müller-Heimes brennt wieder Obstschnaps - wie einst seine Vorfahren. Durch altes Recht darf der Gasthof überschüssige Ernte veredeln. Auch in Zukunft wird der Hof in Familienhand bleiben, der Neffe übernimmt.

Grafschaft..  Im Gasthof Heimes in Grafschaft brennt man seit einiger Zeit wieder Obstschnaps – wie einst im Mittelalter, um alte Traditionen neu aufleben zu lassen. Inhaber Hans-Georg Müller-Heimes erklärt interessierten Gästen immer am ersten Freitag im Monat die altbewährte Art des hauseigenen Schnapsbrennens.

Die Familie Müller-Heimes ist stolz auf ihre lange Geschichte. Dass diese nun auch in Zukunft fortbestehen wird, ist nun sicher: Neffe Bernhard Müller wird den Gasthof „in einem sehr langsamen Wechsel“ übernehmen, da er sich Schritt für Schritt einarbeiten möchte.

In der 14. Generation

Die historischen Aufzeichnungen der Familie gehen zurück bis 1591. Hans-Georg Heimes-Müller Vorfahr, Peter im Spyker, zahlte in diesem Jahr einen Taler Pacht als Leibeigener des Klosters Grafschaft. Die Akten des Oberkirchener Sendgerichts von 1685 bestätigen den Bierausschank: „als früh morgens ehe der Meß, bei Schmies Johann etliche Maß Bier getrunken wurden.“ 1759 entrichtete Catharina Schmies erstmals Steuern für „Brandtewein brennen.“

Seit diesem Jahr brannten die Vorfahren der Müller-Heimes Schnaps aus eigenen Obsterträgen. „Doch 100 Jahre lang brannten meine Vorfahren nicht. Bis ich 2003 wieder eine Genehmigung bekam“, erklärt Hans-Georg Müller-Heimes. Und das sei gar nicht so einfach gewesen.

50 Liter Alkohol dürfen jährlich verbrannt werden

„Wir sind eine Abfindungsbrennerei. Nur durch unser altes Recht dürfen wir überschüssige Ernte veredeln“, sagt Müller-Heimes. Er darf 50 Liter Alkohol jährlich brennen. Auf seiner Obstwiese stehen Apfel-, Kirsch-, Pflaumen-, Zwetschgen- und Birnenbäume. Den besonderen Geschmack der Obstbrände macht seine jahrelange Erfahrung als Koch aus. Er weiß, welche seiner Obstsorten zu welchem Anteil besonders gut mit einer anderen harmoniert.

Hans-Georg Müller-Heimes führt den Hof in der 14. Generation. Ihm ist Tradition und die abwechslungsreiche Geschichte seiner Familie wichtig. Aber auch die politische Geschichte hat ihn immer interessiert. So hat er zum Beispiel gegen die Apartheid in Südafrika protestiert, wurde neun Monate von der Stasi inhaftiert und musste sich von Neonazis seinen Hof beschmutzen lassen, nachdem er eine Gedenktafel für Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkriegs, die auf dem Hof gewohnt und gearbeitet hatten, angebracht hatte. Heute unterstützt er mit den Schwestern des Klosters Grafschaft Projekte in Ägypten.

Der Neffe übernimmt

„Mit 64 Jahren ist es jetzt aber langsam an der Zeit, den Hof abzugeben“, sagt Hans-Georg Müller-Heimes und denkt dabei an die 15. Generation, Neffe Bernhard Müller (31).

Der gebürtige Schmallenberger hat BWL und VWL in Wuppertal und Düsseldorf studiert und macht nun in dem Familienbetrieb eine Ausbildung zum Hotelfachmann. „Früher war mein Traumjob Koch. Den Hang zur Gastronomie hatte ich also immer schon. Nur hatte ich gedacht, ich würde nicht vor 50 meinen eigenen Gastro-Betrieb haben. Jetzt ist es deutlich früher passiert“, freut sich Bernhard Müller.

 
 

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