Für die Firma zu wenig, für den Kunden zu viel

Einen Aushilfsfahrer für 8,50 Euro die Stunde könne sich kaum ein Unternehmen leisten, kritisieren heimische Fahrer.
Einen Aushilfsfahrer für 8,50 Euro die Stunde könne sich kaum ein Unternehmen leisten, kritisieren heimische Fahrer.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Taxiunternehmen in Meschede sehen ernste Schwierigkeiten durch die Einführung des Mindestlohns.

Meschede..  Seit Beginn des Jahres freuen sich viele Arbeitnehmer über den Mindestlohn. Von Praktikanten über Leiharbeiter bis hin zu Taxifahrern. Denn auch die bekommen jetzt 8,50 Euro Stundenlohn, egal ob sie fahren oder stehen. Doch das wiederum dürfte die Taxinutzer eher nicht freuen – denn sie werden künftig für eine Fahrt in Meschede und den anderen elf Kommunen im Hochsauerlandkreis tiefer in die Tasche greifen müssen. Auch auf Seiten der Taxiunternehmer: Alles andere als freudige Zustimmung.

Schon im vergangenen Jahr beschäftigte der bevorstehende Mindestlohn die Taxiunternehmen. Viele fürchteten, ihren Kunden höhere Preise und ihren Mitarbeitern Entlassungen zumuten zu müssen. Im Hochsauerlandkreis hatten sich die ansässigen Taxiunternehmen zusammengetan und beim Kreis einen gemeinschaftlichen Antrag auf Erhöhung des Taxitarifs ab dem 1. Januar 2015 gestellt. Der Kreistag hatte diesem Antrag zugestimmt.

Fuhrpark verkleinern unumgänglich

„Bisher hatte es im Abstand von mehreren Jahren immer mal wieder kleine Tariferhöhungen gegeben, die jedoch immer in materielle Dinge geflossen sind“, erklärt Taxifahrer Friedhelm Völmecke. Er selbst ist seit rund 42 Jahren Taxifahrer, seit etwa 40 Jahren gehört seiner Frau das Taxiunternehmen, das über die Jahre auf einen Fuhrpark mit sechs Wagen angewachsen ist.

„Für unseren Betrieb ist der Mindestlohn nur schwer umzusetzen. Natürlich soll jeder Fahrer anständig entlohnt werden. Aber da es keine Garantie für den nötigen Umsatz gibt, ist das schwierig und sehr teuer für ein Taxiunternehmen“, weiß Völmecke.

Früher hätten Aushilfs-Taxifahrer zwischen fünf und sechs Euro verdient. „Eine Familie konnte man davon nicht ernähren, aber man war hinsichtlich der Einsatzzeiten flexibler“, so Völmecke. Eine Aushilfe für 8,50 Euro pro Stunde kann sich ein Taxiunternehmen heute nicht mehr leisten. Sollten höhere Grund- und Kilometerpreise nicht eingeführt werden – und damit der Stundenumsatz de facto sinken – , überlegt Völmecke über kurz oder lang den Fuhrpark zu verkleinern. Anders gehe es nicht.

Zwischen 9 und 18 Prozent teurer

Und damit steht er nicht alleine da. Auch andere Taxiunternehmen aus der Region sehen den Mindestlohn als eine Gefahr für ihr Geschäft und die Größe des Fuhrparks.

Seit einigen Wochen nun verdienen die Taxifahrer mehr und die Unternehmen entsprechend weniger. Zwischen neun und 18 Prozent haben sich die verschiedenen Tarife einer Taxifahrt erhöht (siehe Infobox). Vielen Unternehmen ist das nicht genug und vielen Kunden schon zu viel.

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