Fracking: „Wir sehen große Risiken“

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Meschede.. Die eine Seite sieht große Chancen, um zusätzliche Gasvorkommen zu gewinnen. Die andere Seite warnt vor hohen Risiken, die mit der Förderung verbunden sind. Fracking nennt sich eine umstrittene Technik, mit der Gas aus tiefen Gesteinsschichten gewonnen werden kann. Robert Dietrich, Geschäftsführer der Hochsauerlandwasser, hat ebenfalls Bedenken.

Frage: Herr Dietrich, können Sie in einem Satz erklären, was Fracking ist?

Dietrich: Es ist eine Methode, um Gas aus tiefen Gesteinsschichten zu gewinnen, in unserer Region ist es im Schiefer gebunden.

Frage: Wie funktioniert das?

Dietrich: Ähnlich wie bei Erdöl und herkömmlichem Erdgas wird ein Loch in die Erde gebohrt, in diesem Fall aber bis zu 5000 Meter tief und dann waagerecht abgewinkelt. Anschließend wird eine Flüssigkeit mit hohem Druck in das Loch gedrückt und das Gestein praktisch auseinandergesprengt. Dann wird das frei werdende Gas abgesaugt.

Frage: Und worin besteht die Gefahr?

Dietrich: Aus Sicht der Wasserwirtschaft ist das Hauptproblem diese Flüssigkeit. Darin befinden sich teils giftige Chemikalien, und es werden bis zu 50 Tonnen pro Bohrung verwendet. Der größte Teil der Flüssigkeit wird wieder abgesaugt. Aber: Die Entsorgung ist bisher nicht geregelt. Und: Ein Teil der Chemikalien bleibt im Boden. Da besteht aus meiner Sicht die Gefahr, dass es sich mit dem Grundwasser vermischt.

Frage: Also sind Sie gegen Fracking?

Dietrich: Na ja, man muss es so sehen: Es werden enorme Vorkommen dieses Gases in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen vermutet, möglicherweise gibt es hier eines der größten Felder Europas mit 2,1 Milliarden Kubikmetern. Wenn sich hier wirklich solche Reserven befinden, wird man diese Förderung nicht grundsätzlich von vorn herein ablehnen können. Wir sehen aber große Risiken.

Frage: Benennen Sie bitte die Risiken, welche sind das?

Dietrich: Es werden wassergefährdende Stoffe verwendet und beim Absaugen der Flüssigkeit kommen Schwermetalle bzw. Kohlenwasserstoffe mit an die Oberfläche. Weiterhin werden das Grundwasser schützende Deckschichten wie ein Käse durchlöchert. Kleinere Erdbeben sind nicht ausgeschlossen. Und: Die Förderung nimmt eine relativ große Fläche in Anspruch. Man benötigt riesige Lagerplätze. Das bringt Beeinträchtigungen mit sich für Natur, Landschaft und Tourismus.

Frage: Was fordern Sie?

Dietrich: Es gibt ein Positionspapier. Wir sind Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr (AWWR). Kollegen haben sich erschreckende Beispiele in den USA angeschaut. Da können beispielsweise Wasserhähne angezündet werden, weil Methan ins Grundwasser gelangt ist. Die schlechten Erfahrungen von dort lassen uns vorsichtig werden.

Frage: Was steht in dem Positionspapier?

Dietrich: Zum Beispiel, dass die Trinkwassergewinnung Vorrang haben muss vor der Rohstoffgewinnung. Dass Umweltverträglichkeitsprüfungen für diese Vorhaben vorgeschrieben werden müssen. Und dass die Chemikalien benannt und fachgerecht entsorgt werden müssen.

Frage: Wie realistisch ist es, dass Sie diese Forderungen durchsetzen?

Dietrich: Wir können nur appellieren. Zugleich hat das Umweltministerium von Nordrhein-Westfalen ein Gutachten zum Fracking beauftragt. Bis es nicht von Experten ausgewertet ist, darf nirgendwo gebohrt werden. Mitte dieses Jahres soll das Gutachten vorliegen. Ich hoffe außerdem auf Änderungen im Bergrecht, so dass Umweltverträglichkeitsprüfungen vorgeschrieben werden.

Frage: Wie konkret sind denn die Pläne diese Technik hier im Sauerland anzuwenden?

Dietrich: Der Konzern BNK hat eine Aufsucherlaubnis beantragt, das heißt, die wollen schauen, ob hier Gas gewinnbar ist. Die Bezirksregierung prüft diesen Antrag, wir haben unsere Einwände geschildert.

Frage: Welche Gebiete sind bei uns konkret betroffen?

Dietrich: Zwei Drittel des Stadtgebiets von Meschede, nämlich der mittlere bis nördliche Bereich, dasselbe gilt für Bestwig. Eslohe ist minimal erfasst, Schmallenberg gar nicht.

Mit Robert Dietrich
sprach Oliver Eickhoff.

 
 

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