Firma Gabriel will Unternehmer infizieren

Firmeninhaber Ferdinand Gabriel an einem der Routenzüge.
Firmeninhaber Ferdinand Gabriel an einem der Routenzüge.
Foto: Frank Selter
Auch Sackkarren können schlank produziert werden. Der Transportsysteme-Hersteller Gabriel in Frielinghausen ist mit dem „Lean“-Virus infiziert. Im Interesse der heimischen Wirtschaft wünschen sich Inhaber Ferdinand Gabriel und Betriebsleiter Christian Siewers, dass sich auch andere Unternehmen der Region davon anstecken lassen.

Frielinghausen..  Das Thema „Lean“-Management füllt inzwischen dicke Bücher. Ins Deutsche übersetzt bedeutet der Begriff „lean“ ganz einfach „schlank“.

„Es geht darum, Prozesse in Betrieben zu optimieren und Verschwendung zu minimieren, um so am Ende effizienter zu werden“, erklärt Ferdinand Gabriel und macht es an einem einfachen Beispiel in seinem Betrieb deutlich.

„Wir produzieren hier unter anderem Sackkarren, die aus mehreren Teilen bestehen. Da müssen Maschinen eingerichtet werden, das Material muss zugeschnitten, gebogen, zusammengeschweißt und beschichtet werden, bevor am Ende eine versandfertig verpackte Sackkarre unsere Firma verlässt.“ Weil all diese Arbeitsschritte unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen, müssen sie aufeinander abgestimmt werden. Dafür sei es wichtig, nicht die einzelnen Abteilungen für sich zu betrachten, sondern den gesamten Produktionsablauf.

„Dass es dabei nicht zu Materialengpässen kommen sollte, dürfte ja noch jedem klar sein“, sagt Siewers. Es nützt aber auch niemandem etwas, wenn sich in einer Abteilung das Material stapelt.

Sinkende Betriebskosten

„Wenn man es schafft, diese Bestände zu verringern, sinken auch die Betriebskosten“, erklärt Ferdinand Gabriel. In seinem Unternehmen produziert der Materialzuschnitt nur so viel Material, wie die beiden folgenden Schichten am nächsten Tag verarbeiten können. Alles andere mache keinen Sinn.

Muffen-Massen

Angekommen sei dieses Denken aber noch längst nicht in allen Unternehmen, weiß Siewers, der berufsbedingt Einblicke in viele andere Firmen bekommt. „Ich war mal in einem Betrieb, in dem sich die Geschäftsleitung damit gerühmt hat, in welch wahnsinnigem Tempo sie Muffen produzieren kann. Vor lauter gelagerten Muffen konnte man sich dort kaum bewegen, weil die mit der Weiterverarbeitung gar nicht nachgekommen sind“, sagt Siewers, schmunzelt und schiebt hinterher: „Vermutlich haben die sich dort inzwischen eine neue Lagerhalle für die Dinger bauen lassen.“ Denn den „Lean“-Gedanken wollte man dort nicht weiter verfolgen.

Begriffe wie „Supply Chain Management“, „Flow Manufacturing“, „Lean-Line-Design“, Ship to Line“ und „Mixed Model Production“, kann Siewers eigentlich so gar nicht leiden, weil diese unverständlichen und kompliziert erscheinenden Begrifflichkeiten eher eine abschreckende als eine motivierende Wirkung haben. Inzwischen aber gehören sie zu seinem Alltag. Das englische Wortgeschwurbel beschreibt die Werkzeuge, die zum „Lean“-Management dazugehören. 25 sind es an der Zahl. Fünf davon wendet die Firma Gabriel inzwischen an. Weitere werden folgen. „Im Prinzip ist das ‘Lean’-Management eine Generationenaufgabe, mit der man am besten gestern beginnen sollte“, sagt Ferdinand Gabriel.

Entlassungen verhindern

Bereits seit 2009 beschäftigen sich Gabriel und Siewers mit dieser komplexen Materie. Man habe sich damals unter anderem die Kernfrage gestellt, wie man das Personal effizienter einsetzen könne, um Entlassungen zu verhindern. „Es war die Wirtschaftskrise, die uns damals zum Umdenken bewogen hat“, sagt Siewers. Jetzt hoffe er, dass auch andere Firmen den „Lean“-Virus verbreiten. „Um so unsere Region noch stärker werden zu lassen“.

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