Feuerwehren in erhöhter Alarmbereitschaft

Feuer am Vogelsang
Feuer am Vogelsang
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Meschede. Feuerwehren im heimischen Raum schwitzen nicht nur wegen der hohen Temperaturen: Die Einsatzkräfte sind nach Worten von Kreisbrandmeister Martin Rickert vielerorts in höchster Alarmbereitschaft.

Frage: Sind Sie froh, wenn es wieder regnet?

Martin Rickert: Eigentlich schon. Viele Flächen sind sehr, sehr ausgetrocknet. Der Grundwasserspiegel ist bereits gesunken und auch die Bäche haben nicht mehr überall genug Wasser. Das macht Löscharbeiten schwieriger. Und auch privat: Der Garten könnte eine Dusche von oben vertragen.

Frage: Haben wir eigentlich momentan eine besonders angespannte Situation oder ist es so wie jedes Jahr im Frühjahr oder Sommer?

Rickert: Die Situation ist schon besonders. Das hat mit dem Orkan Kyrill aus dem Jahr 2007 zu tun. Damals hat das Unwetter viele Schneisen in den Wald geschlagen. Diese Freiflächen, die oft nur von Gräsern bedeckt sind, trocknen schneller aus. Dort geht es sehr schnell und der Bereich steht in Flammen. Ansonsten sind die Flächen in den Wäldern ja erstmal durch die Bäume bedeckt und vor der Sonne geschützt.

Frage: Wodurch entstehen Waldbrände?

Rickert: Letztlich ist der Mensch in irgendeiner Form fast immer an der Entstehung von Waldbränden beteiligt. Meistens wird unbedacht ein Feuer im Wald entzündet: zum Beispiel, um zu grillen. Das Gefährliche daran: Selbst wenn jemand am Ende einen Eimer Wasser auf eine Feuerstelle gießt: Die Glut kann sich durch Hohlräume im Boden bereits weitergefressen haben, etwa durch Mäuselöcher. Nach einiger Zeit brennt es auf einmal fünf Meter weiter. Das andere große Problem: Glasscherben oder -flaschen, die in die Wälder geworfen worden sind, wirken wie ein Brennglas. Es dauert zwar unter Umständen ein paar Tage, bis ein Feuer ausbricht, aber dann passiert es. Viele Menschen handeln nicht böswillig, aber die Folgen sind fatal.

Mescheder Vogelsang in FlammenFrage: Was kann die Bevölkerung tun, um Brände zu vermeiden?

Rickert: Bitte zu keiner Zeit ein Feuer im Wald machen, auch keine Einweggrills verwenden oder sonst etwas, das Wärme abstrahlt. Bitte kein Glas in den Wald werfen und bitte dort nicht rauchen.

Frage: Wie schwierig sind Einsätze im Wald?

Rickert: Das Problem besteht darin, Wasser zum Brandort zu bekommen. Viele Stellen sind mit dem Wagen nicht erreichbar. Dann müssen wir Pumpen von Hand in die Wälder schleppen, das ist eine sehr, sehr anstrengende Arbeit. Dadurch sind Waldbrände schlecht unter Kontrolle zu bekommen. Gerade bei Fichten und Tannen sind schnell große Bestände vernichtet. Ganz wichtig geworden ist für uns die Unterstützung durch Landwirte: Sie karren bei Bränden mit ihren Güllewagen literweise Wasser heran. Ohne diese Hilfe hätten wir die Brände nicht so gut im Griff.

Frage: Wie viel Wald- und Flächenbrände gab es denn in dieser Saison schon?

Rickert: Es sind im Hochsauerlandkreis im April und Mai 35 gewesen. Bisher sind alle glimpflich verlaufen, weil sie rechtzeitig erkannt worden sind.

Frage: Und die Feuerwehr ist derzeit in erhöhter Alarmbereitschaft?

Rickert: Ja, es gibt zwei Messpunkte im Hochsauerlandkreis, an denen die Trockenheit in der Luft ermittelt wird: Eslohe ist bei Stufe vier von fünf, am Kahlen Asten stehen wir auf drei. Aufgrund der Lage rücken wir zudem mit stärkerer Besetzung aus als sonst.

 
 

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