Fahrradklau durch organisierte Banden

Anike Engels
Mit einem gezielten Kniff können Fahrrad-Diebe die meisten handelsüblichen Schlösser zerstören. Wer sein Fahrrad besser schützen möchte, sollte ein hochwertiges Schloss verwenden und eine Rahmennummer eingravieren lassen.
Mit einem gezielten Kniff können Fahrrad-Diebe die meisten handelsüblichen Schlösser zerstören. Wer sein Fahrrad besser schützen möchte, sollte ein hochwertiges Schloss verwenden und eine Rahmennummer eingravieren lassen.
Foto: dpa
Immer häufiger schlagen Fahrraddiebe auch im Hochsauerlandkreis zu. Auch professionelle Banden sind unter den Tätern.

Meschede.  Oft sind es teure Räder, die entwendet werden, und nur selten bekommen die Eigentümer sie wieder zurück. Ludger Rath, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde, erklärt im Interview, warum die Aufklärungsquote so gering ist und was Fahrradbesitzer tun können, um ihren fahrbaren Untersatz zu schützen.

Im Jahr 2014 erfasste die Polizei im Hochsauerlandkreis 365 Fahrraddiebstähle. Sind nur Privatpersonen oder auch Inhaber von Fahrradgeschäften betroffen?

Ludger Rath: Betroffen sind im HSK Privatpersonen, aber auch Händler. Leider mussten wir auch Einbrüche in Fahrradgeschäfte verzeichnen, bei denen dann neue Räder gestohlen wurden.

Ist bei der steigenden Zahl von Diebstählen von organisierter Kriminalität auszugehen?

Es handelt sich sowohl um Einzeltäter, als auch vermutlich um auswärtige, organisierte Gruppen. Immer dann, wenn in Fahrradgeschäfte eingebrochen wird und mehrere Räder entwendet werden, sind organisierte Gruppen zu vermuten. Ein gutes Beispiel hierfür ist auch das jährliche Dirt-Masters-Rennen in Winterberg. Dort nehmen hochprofessionelle Fahrer teil, die sehr hochwertige Räder mitbringen. Während dieser Veranstaltung werden leider jedes Jahr teure Spezialräder gestohlen. In einem Fall wurden mehrere Personen in einem Fahrzeug an der bayrisch-tschechischen Grenze durch die dortige Polizei angehalten und kontrolliert. Dabei wurden in Winterberg gestohlene Fahrräder gefunden und sichergestellt. Diese konnten an die Besitzer zurückgegeben werden.

Doch das ist nicht Regelfall. Die Aufklärungsquote liegt bei knapp 14 Prozent. Was macht die Aufklärung so schwierig?

Die Aufklärung wird unter anderem dadurch erschwert, dass die Fahrradbesitzer nur ungenaue Beschreibungen ihres Rades abgeben können und häufig keine Rahmennummer notiert wurde, die für die Sachfahndung wichtig ist. Zeugen gibt es in den seltensten Fällen. Es werden fast nie auswertbare Spuren hinterlassen. Bei einer Aufklärungsquote von 12 bis 14 Prozent kommt es deshalb leider selten vor, dass ein gestohlenes Rad dem Eigentümer zurückgegeben werden kann. In Brilon ist allerdings in den vergangenen Tagen ein gestohlenes E-Bike gefunden worden, das der Besitzer jetzt wieder in Empfang nehmen kann. Auch wenn Fahrräder beim Fundamt der Städte landen, ist eine Zuordnung wegen fehlender Rahmennummer bei der Anzeigenerstattung häufig nicht möglich. Deshalb empfiehlt die Polizei alle relevanten Daten des Rades (Rahmennummer, Beschreibung, Besonderheiten, usw.) inklusive eines Fotos zu Hause aufzubewahren.

Wie hoch bemisst sich der Schaden?

Die Schadenshöhe beruht regelmäßig auf Schätzungen der Geschädigten oder des aufnehmenden Polizeibeamten. Wenn Kaufbelege bei relativ neuen Rädern vorgelegt werden können, wird der Kaufpreis in die Anzeige eingetragen. Dabei spielen diese Zahlen lediglich eine statistische Rolle und haben keinen Einfluss auf eventuell bestehende Versicherungen und die dann anstehende Schadensabwicklung. Die Kriminalstatistik weist als Gesamtschaden aller Fahrraddiebstähle im Jahr 2014 für den Hochsauerlandkreis eine Summe von 227 000 Euro aus. Die Schadenssummen werden in der Statistik nur jährlich ausgewiesen.

Was geschieht mit den gestohlenen Rädern?

Einzeltäter nutzen die Räder entweder selbst, schlachten sie aus oder verkaufen sie weiter, um an Bargeld, zum Beispiel für den Erwerb von Drogen, zu kommen. Wenn die Räder durch organisierte Gruppen ins Ausland verbracht werden, werden sie dort zum Kauf angeboten, in der Regel auf Trödelmärkten.

Sind manche Räder stärker im Fokus als andere?

Nein. Gelegenheitstäter nutzen jede sich bietende Möglichkeit. Da kann das Fahrrad auch schon mal älter sein. Organisierte Gruppen stehlen da schon gezielter, insbesondere bei Einbrüchen mit Zielrichtung Fahrrad. Hier verschwinden in der Regel nur neuwertige, hochwertige Räder. Ich kann auch keinen Schwerpunkt zwischen herkömmlichen Rädern und E-Bikes erkennen. Da letztere noch nicht so weit verbreitet sind wie normale Räder, sind die Fallzahlen zwar deutlich geringer, Täter entwenden aber beide Bauarten. Alle Räder sollte man gleichermaßen vor Diebstahl zu schützen versuchen.