Eltern-Entscheidung naht

Schulfachleute, Vertreter der Bezirksregierung sowie der Stadt Meschede - hier Fachbereichsleiterin Gisela Bartsch - stellten sich in einer Diskussion über die Sekundarschule den Fragen der Elternvertreter.
Schulfachleute, Vertreter der Bezirksregierung sowie der Stadt Meschede - hier Fachbereichsleiterin Gisela Bartsch - stellten sich in einer Diskussion über die Sekundarschule den Fragen der Elternvertreter.
Foto: Privat
Die Entscheidung der Eltern naht: Fachleute warben noch einmal um Zustimmung für eine Sekundarschule in Meschede. Sie sagen, selbst die Vereine würden von der neuen Schulform profitieren - immerhin werden an drei Tagen keine Hausaufgaben aufgegeben. Dann bleibt Zeit für sie.

Meschede..  „Ist es besser, der Erste in einer neuen Schulform zu sein als der Letzte, der in einer alten Schulform das Licht ausdreht?“ - Die Frage eines Elternvertreters brachte es auf den Punkt, vor welcher Entscheidung die Eltern der Mescheder Viertklässler in den kommenden Wochen stehen: Dann werden sie ihr Kind auf eine weiterführende Schule anmelden. Die Stadt Meschede hatte deshalb die Elternvertreter eingeladen, um über die Pläne zur Einrichtung einer Sekundarschule zu informieren.

Maria Büse-Dallmann von der Bezirksregierung, Schulberater Dr. Michael Gerhardts, Fachbereichsleiterin Gisela Bartsch und Bürgermeister Uli Hess standen den Eltern dabei Rede und Antwort. Schulberater Gerhardts machte klar, dass eine Sekundarschule eigentlich nichts mehr mit den bisherigen Haupt- und Realschulen gemein hat, sondern in ihrer Pädagogik weit darüber hinaus geht: „Das Zahlenverhältnis von Lehrern zu Schülern ist ein ungleich Besseres, persönliche Förderung ist in viel größerem Umfang möglich und auch der Fortgang der Schullaufbahn in der Sekundarstufe II ist garantiert.“

Trotz sicherlich sehr guter Haupt- und Realschulen in der Stadt seien dies Vorteile, die die bisherigen Schulformen nicht bieten könnten, meinte Michael Gerhardts. Ohnehin bestehe bei der Schulorganisation dringender Handlungsbedarf, so Gisela Bartsch, Leiterin des Fachbereichs Generationen, Bildung, Freizeit: „Schon jetzt besteht die Gefahr, dass Hauptschulen in den nächsten Jahren geschlossen werden müssen.“ Wenn die Kinder und Jugendlichen dann die Realschule besuchen müssten, bedeute das auch hier eine Qualitätsänderung: „Wir können nicht einfach eine Zielgruppe verschieben.“ Damit wäre auch eine Fortsetzung der bisherigen sehr guten Arbeit von Haupt- und Realschule in Meschede nicht mehr gegeben.

Förderung der Schwächeren

Das pädagogische Konzept der Sekundarschule habe auf diese Herausforderungen die richtigen Antworten: Längeres gemeinsames Lernen, Förderung - je nach persönlichen Talenten - auf einer Grund- und einer Erweiterungsebene: „Die starken Kinder bleiben stark - und die schwächeren profitieren“, so Maria Büse-Dallmann. Und auch die Feststellung, dass es sich um eine neue Schulform handele, sei so nicht richtig: „Es gibt bereits hervorragende Erfahrungen.“

Der Befürchtung, dass Kinder durch den Ganztagsunterricht über Gebühr belastet werden, trat die Expertin entgegen. Zum einen sei es eine Frage des Stundenplans, eine sinnvolle Abfolge der Fächer an einem Unterrichtstag zu ermöglichen. Zum anderen sei der Ganztag eine echte Chance zur Förderung von schulischem Wissen und Persönlichkeit gerade für schwächere Kinder. Maria Büse-Dallmann: „Hier bekommen sie etwas, was sie zu Hause möglicherweise nicht in dieser Weise erfahren.“ Freizeit- oder Vereinsaktivitäten würden nicht unter dem Ganztagsunterricht leiden, unterstrich Michael Gerhardts - im Gegenteil würde diese Form sogar neue Freiheiten schaffen, da es an den drei „Langtagen“ keine Hausaufgaben gebe: „Das Thema Hausaufgaben sowie Vor- und Nachbereitung des Unterrichts ist dann erledigt - für die Vereine ist die Sekundarschule damit sogar eine Chance.“

Eine langfristige Perspektive

Bürgermeister Uli Hess skizzierte die Verpflichtung der Stadt, eine langfristige Perspektive für gute Bildungschancen sicherzustellen. Es sei richtig, schon jetzt auf die Vorteile einer Sekundarschule zu setzen: „Es ist vernünftig, dann zu handeln, wenn man es kann, und nicht erst, wenn man es muss.“ Die Entscheidung komme jetzt den Eltern eines einzigen Schülerjahrgangs zu: „Wir sind deshalb auf die Mithilfe dieser Eltern angewiesen.“

 
 

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