„Dieses Naturdenkmal wurde einfach vergessen“

Jochen Senge und die alte Eiche an der Ecke Trebnitzer Straße, Liegnitzer Straße
Jochen Senge und die alte Eiche an der Ecke Trebnitzer Straße, Liegnitzer Straße
Foto: WP

Meschede..  Für die einen sind alte, große Bäume ein Blickfang, für andere ein bloßes Ärgernis, das Grundstücke verschattet und Dachrinnen mit Laub füllt. An der Ecke Trebnitzer Weg/Liegnitzer Straße haben Anwohner nun Sorge, dass eine prächtige Eiche bei Nacht und Nebel gefällt wird.

Eigentlich war es als harmlose Information gedacht: Wenn hier demnächst die große Eiche gefällt werde, dann könne er sich gern am Holz bedienen, hatte der Bauunternehmer und Eigentümer eines Grundstücks an der Liegnitzer Straße/Trebnitzer Weg freundlich den Nachbarn mitgeteilt. Doch diese waren aufgeschreckt. Auch wenn sie sich schon mal über Teile des Baumes ärgerten, die Blätter die Dachrinnen verstopften und einzelne Äste sicher mal entfernt werden müssten - insgesamt hielten sie den Baum für erhaltenswert.

Das sieht auch Ratsmitglied und Nachbar Jochen Senge so. Bei ihm hatten sich die Angesprochenen Unterstützung geholt. „Die Eiche steht hier schon bestimmt 150 Jahre“, schätzt er. „Sie ist etwas Besonderes, vor allem weil wir ähnliche Bäume in der Bauernsiedlung kaum noch haben.“ Auch er ist der Meinung, dass einzelne Äste entfernt werden könnten, doch der Baum als Ganzes müsse bleiben. Er sei im Bebauungsplan als „Baum zur Erhaltung“ aufgeführt. In einem Brief an den Bürgermeister bittet er deshalb darum, diesen „Unsinn“ zu verhindern.

Bei der Stadt Meschede wollte man sich jetzt noch nicht zu der Eiche äußern. Der Vorfall werde geprüft, sagte Pressesprecher Jörg Fröhling. Er sicherte jedoch zu, dass - solange geprüft werde - der Baum auch nicht einfach verschwinde.

Die Eiche steht auf einem Baugrundstück, dass vor rund zehn Jahren erschlossen wurde. Die Besonderheit: Der Grund auf dem der Stamm steht, gehört der Stadt Meschede, die umliegenden Baugrundstücke dem Olsberger Bauunternehmen.

Auch Hans-Theo Körner, Diplom-Landschafts-Ökologe und Mitarbeiter des Kreises, kennt den Baum. Dass dieser noch kein Naturdenkmal sei, ist in seinen Augen eher „als Versehen“ zu werten. „Der ist wahrscheinlich einfach vergessen worden.“ Er hält die Eiche für schutzwürdig. „Sie ist aber eben kein Naturdenkmal“, erläutert er. Deshalb habe der Kreis auch keinen Zugriff. Allerdings hält er auch nicht viel davon, einzelne Äste rauszuschneiden. „Der Baum ist in seiner ganzen Wuchsform etwas Besonderes. Und: Jeder Schnitt ist eine Wunde, die dazu führen kann, dass der Baum fault.“

 
 

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