Dialog ist immer noch nicht selbstverständlich

Reinhard Schmidt (Zweiter von links) überreichte den Stiftungspreis an Vertreter der Organisation Givat Haviva. In der Bildmitte der SPD-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese.
Reinhard Schmidt (Zweiter von links) überreichte den Stiftungspreis an Vertreter der Organisation Givat Haviva. In der Bildmitte der SPD-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese.
Foto: WP

Meschede..  Das ist eine der Institutionen in Meschede, die über den Tellerrand hinaus schauen: Die Dagmar-Schmidt-Stiftung, benannt nach der 2005 plötzlich verstorbenen Mescheder SPD-Bundestagsabgeordneten. Als Entwicklungspolitikerin hatte sie sich bereits um die Förderung des jüdisch-arabischen Dialogs bemüht. Heute leistet das ihre Stiftung. Mit 3600 Euro, dem diesjährigen Stiftungspreis, unterstützt sie den Friedensprozess weiter. Denn zu Recht wies der SPD-Kreisvorsitzende Dirk Wiese darauf hin: „Wir dürfen die Außenpolitik nicht vergessen. Die Welt ist so vernetzt, dass auch ferne Konflikte uns betreffen.“

Begegnung von Jugendlichen

Der Preis wurde jetzt von Reinhard Schmidt, Ehemann von Dagmar Schmidt und heute Vorsitzender der Stiftung, bei einer Feierstunde in der Alten Synagoge überreicht. Der Palästinenser Riad Kabha nahm ihn entgegen. Er ist Direktor des jüdisch-arabischen Zentrums für den Frieden in Givat Haviva in Israel. Dort ist der Sitz einer der ältesten Friedensorganisationen, die sich um den Dialog bemühen. Denn noch immer ist dieser nicht selbstverständlich, schilderte Kabha in Meschede – wie auch, in einem Land, in dem Juden und Araber auf getrennte Schulen gehen. Man lernt die andere Seite nicht kennen. Kabha war auch Bürgermeister einer 12.000 Einwohner zählenden palästinensischen Stadt – erst er initiierte das Gespräch mit der benachbarten jüdischen Stadt, so dass man ein gemeinsam Abwasserrohrsystem plante. So mühsam ist das Zusammenkommen.

Givat Haviva bringt die Menschen zusammen: „Wir wollen teilen lehren in einem Land, in dem nicht geteilt wird.“ Nach Givat Haviva werden sowohl jüdische als auch palästinensische Jugendliche zu mehrtägigen Begegnungen eingeladen, um eben die andere Seite kennenzulernen. Und durch diesen Alltag, wenn sie nebenbei auch Musik hören, Fußball spielen oder sich über den gleichen Unterrichtsstoff austauschen, merken sie: „Es gibt keine wirklichen Unterschiede.“

Angeleitet werden die Jugendliche von Mediatoren. Diese wiederum tauschen sich in Workshops jetzt auch aus mit deutschen Fachleuten. Das ist eine Idee der Jugendorganisation „Die Falken“ aus Berlin/Brandenburg, die dieses Projekt „Face to Face“ nennen – und dafür den diesjährigen Stiftungspreis erhielten, der wiederum an Givat Haviva übergeht.

Deutsche Mediatoren haben vielfältige Erfahrung darin, wie man in einer multikulturellen Gesellschaft aufeinander eingeht. Dies geben sie an Israelis und Araber weiter.

Um Rückhalt für Frieden werben

Wie wichtig das Miteinander ist, verdeutlichte Riad Kabha: „Wir erleben eine heikle Periode“ – nämlich die Sorge, dass die Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinenser durch neue Attentate gestört werden. Vor der Zustimmung zu einem Friedensvertrag soll es eine Volksbefragung geben – in einer Gesellschaft, die einander so misstraut. Friedensorganisationen wie Givat Haviva werben für diesen nötigen Rückhalt.

 
 

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