Der größte nordrhein-westfälische Literaturverein wird 20

Praktische Nachwuchsförderung: Kinder der St. Michael Grundschule in Schmallenberg-Oberkirchen besuchen den Waldskulpturenweg. Die Ergebnisse der Literatur-Aktion sind in das Buch-Projekt „Poesie am Rothaarsteig“ eingeflossen.
Praktische Nachwuchsförderung: Kinder der St. Michael Grundschule in Schmallenberg-Oberkirchen besuchen den Waldskulpturenweg. Die Ergebnisse der Literatur-Aktion sind in das Buch-Projekt „Poesie am Rothaarsteig“ eingeflossen.
Foto: Klaus-Peter Kappest
Die Christine-Koch-Gesellschaft ist mit knapp 300 Mitgliedern der größte Literaturverein in ganz Nordrhein-Westfalen. Am 14. September feiert sie ihr 20-Jahr-Jubiläum in Schmallenberg. Das Zukunftsziel heißt Professionalisierung. Auf der Wunschliste steht ein eigenes Literaturhaus ganz oben.

Schmallenberg.. Mit dem Sauerland als Literaturregion verbindet der Außenstehende in erster Linie den Schmallenberger Dichterstreit von 1956, jenes westfälische Dichtertreffen, das den Einzug der ­Moderne in die westfälische Literatur markiert. Doch das ist Vergangenheit. In der Gegenwart existiert in der Region eine lebendige Autoren-Szene. Die findet seit 20 Jahren ihre Heimat in der Christine-Koch-Gesellschaft zur Förderung der Literatur im Sauerland (CKG). Im Jubiläumsjahr verzeichnet die Vereinigung knapp 300 Mitglieder – und ist damit der größte Literaturverein in ganz Nordrhein-Westfalen. Das Zukunftsziel heißt Professionalisierung: Ein Literaturhaus für Südwestfalen soll die Literaturförderung in der Region ­institutionell begleiten und vernetzen.

„Schreiben aus regionaler Erfahrung“, so beschreibt der Vorsitzende Hans Claßen das Ziel der Christine-Koch-Gesellschaft. Dabei verstehen die Mitglieder den Begriff Region nicht als geographisch abgeschotteten Raum. Es geht vielmehr darum, dem südlichen Westfalen eine literarische Präsenz zu verleihen. „Die Gegenwartsbezogenheit der Christine-Koch-Gesellschaft ist uns außerordentlich wichtig“, unterstreicht Bernhard Halbe, Bürgermeister von Schmallenberg sowie Gründungsmitglied und Geschäftsführer der CKG. „Wir sind immer bereit, mit anderen Veranstaltern gemeinsame Projekte durchzuführen, da sind die Grenzen offen, und Vielfalt ist gewollt“, betont Halbe.

Jeder kann aus seinem Werk lesen

Die Mitglieder kommen längst nicht mehr nur aus dem Bereich des kurkölnischen Sauerlandes. „Wir kooperieren mit Bad Berleburg und dem Kreis Soest und ein wenig auch mit der Universität Siegen“, verdeutlicht Hans Claßen. „Aber der Bezug zum Sauerland ist bei den meisten Autoren vorhanden.“

Schreiben ist zu einer Art Volkshobby geworden. Das spiegelt die Christine-Koch Gesellschaft wider – zum Beispiel mit neuen Veranstaltungsformaten wie der Lese-Bühne: Treffen in Kneipen, zu denen jeder eingeladen ist und fünf Minuten lang seine Texte vortragen kann. Doch Schreiben ist auch eine Sache reiferer Semester. Damit die Christine-Koch-Gesellschaft nicht das Schicksal anderer Vereine erleidet, die vom Aussterben bedroht sind, gibt es seit sechs Jahren das „Forum junge Poesie“. „Das Projekt will literarisches Schreiben fördern, da suchen wir nach talentierten jungen Autoren“, so Claßen. Interessante Talente wie Cornelia Keller oder Rebecca Mell sind hier bisher entdeckt worden. „Die Generation der 25- bis 45-Jährigen fehlt uns allerdings“, bilanziert Claßen.

Förderung junger Autoren

Die Christine-Koch-Gesellschaft ermöglicht ihren Mitgliedern Begegnungen, Qualifizierung und Austausch, etwa durch Literaturfahrten ins Ausland, durch die Literaturpartnerschaft Masuren-Sauerland, durch Schreibwerkstätten und durch die regelmäßige Publikation von Anthologien. „Zur Jubiläums-Feier am 14. September erscheint jetzt Band 19“, erläutert Bernhard Halbe. „In den Anthologien haben wir inzwischen bestimmt gut 120 sauerländische Autoren vorgestellt.“

Die Vereinigung organisiert aber auch Kontakte zwischen Autoren und Literaturfreunden, zum Beispiel mit Lesungen, der Literaturschifffahrt Möhnesee oder Aktionen, bei denen Literatur andere Künste trifft.

Im kommenden Monat, am 14. September, wird dann in ­Schmallenberg das Jubiläum mit einer Literatur-Meile gefeiert. Schauplatz ist unter anderem Schmalen Haus am Rathaus, wo das sauerländische Literaturarchiv seinen Sitz hat mit einer relativ kompletten Sammlung der sauerländischen Literatur.

Angesichts derart vieler ehrenamtlicher Aktivitäten kommt eine Literatur-Gesellschaft an ihre Grenzen. Hans Claßen: „Mit der Christine-Koch-Gesellschaft hat sich im Sauerland eine Literatur-Region entwickelt. Wir wollen diese Literaturlandschaft in die Zukunft hineingeleiten, aber das können wir auf Dauer nicht ehrenamtlich. Daher streben wir für 2015 die Eröffnung eines Literaturhauses für das Sauerland in Schmallenberg an.“ www.christine-koch-gesellschaft.eu

 
 

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