Das Ziel ist wichtiger als der Weg

Am Aschermittwoch beginnt in den Kirchen die Fasten- oder Passionszeit. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Hört zu! Wir gehen nach Jerusalem. Dort wird alles in Erfüllung gehen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben.“ Was soll dieser Weg?


Jesus muss es selbst seinen engsten Mitarbeitern erklären - mehrmals! Zu unsinnig erscheint es, die gewohnte Umgebung zu verlassen. Denn was soll das? Der Weg nach Jerusalem ist doch unbequem, noch dazu zu Fuß! Warum sollen sie das Vertraute zurücklassen und die Strapazen auf sich nehmen? Muss sich dieser Weg nicht als eine Sackgasse erweisen? Die Jünger schütteln die Köpfe. Ihnen erschließt sich der Sinn nicht. Hätten sie zumindest eine Ahnung davon haben können, worum es ihm geht?


Das Unverständnis der Jünger kann ich auch für mein Leben nachvollziehen! Wie häufig verstehe ich manche Wendungen des Lebens nicht. Ich kenne das, den Wunsch, schnell und effektiv ans Ziel zu gelangen und eben keinen Umweg machen zu müssen. Vielleicht ist das in Ihrem Leben der Gedanke: Kinder sollen möglichst schnell groß werden, denn erwachsen zu sein - das ist das Ziel. Kranke sollen schnell gesund werden, denn Leistungsfähigkeit ist ein hohes Gut. Trauernde sollen schnell wieder fröhlich sein, denn reibungslos zu funktionieren - ist das nicht das eigentliche? Bis heute gilt: Nicht der Weg ist das Ziel, sondern das Ziel ist wichtiger als der Weg. Lästig sind zusätzliche Wege, insbesondere solche, die wir nicht verstehen.


Die Wochen vor Ostern können dazu verhelfen, dem eigenen Weg vor Gott nachzuspüren. Mit dem, was unverständlich ist und bleibt. Mit den Umwegen und Sackgassen. Denn immer - auf dem Weg wie am Ziel bin ich vor Gott.
Pfarrer Burkhard Krieger

EURE FAVORITEN