Christine-Koch-Schule wird nicht umbenannt

Die Christine-Koch-Schule in Schmallenberg wird ihren Namen beibehalten.
Die Christine-Koch-Schule in Schmallenberg wird ihren Namen beibehalten.
Foto: WP

Schmallenberg..  Die Christine-Koch-Schule in Schmallenberg und die Christine-Koch-Straße in Bracht sollen nicht umbenannt werden. Das hat der Ausschuss für Bildung, Sport, Soziales und Kultur jetzt entschieden. Der Stadtrat entscheidet über die Empfehlung des Ausschusses am kommenden Donnerstag.

In einem offenen Brief an den Bürgermeister hatte Roland Klose aus Bad Fredeburg beantragt, die Christine-Koch-Schule in Schmallenberg und die Christine-Koch-Straße in Bracht umzubenennen.

Zur Begründung erklärte Klose: „Christine Koch war ein enge NS-Weggefährtin von Georg Nellius, Josefa Berens-Totenohl und Maria Kahle. Sie gehörte der völkischen Literaturszene an, und ihre Gedichte weisen daher patriotisch bis völkisch-nationalsozialistische Tendenzen auf.“ Darin demonstriere sie u.a. eine offene Parteinahme für Adolf Hitler und seine NSDAP.

Klose macht in seinem Brief auch direkt einen Vorschlag wie die Schule und die Straße dann heißen sollten: nämlich Hans-Frankenthal-Schule und Hans-Frankenthal-Straße. „Im krassen Gegensatz zu der Heimatdichterin, Hitler-Verehrerin und NS-Mitläuferin Christine Koch hat Hans Frankenthal auch in schwierigen nationalsozialistischen Zeiten Flagge gezeigt. Er hat sich nicht unterkriegen lassen und ist nach dem Überleben im KZ Auschwitz-Monowitz, im KZ Dora-Mittelbau, des Todesmarsches und des Transports in das KZ Theresienstadt, wo er kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges von der Roten Armee befreit wurde, in seine Heimatstadt Schmallenberg zurückgekehrt“, begründet Roland Klose seinen Vorschlag. Das prädestiniere Hans Frankenthal als Vorbild für die Jugend. Die Enkelin von Hans Frankenthal, Tanja Teutenberg aus Meschede, habe den Vorschlag Kloses ausdrücklich begrüßt.

„Zeitweilige Mitläuferin“

Für seine Entscheidung gegen die Umbenennung beruft sich der Ausschuss für Bildung, Sport, Soziales und Kultur vor allem auf die Ausführungen des Experten Peter Bürger, Theologe aus Eslohe. In der Zeitschrift „Sauerland“ greift er das Thema auf: Als Mitarbeiter des Esloher Christine-Koch-Mundartarchivs habe er von Anfang an „großen Wert darauf gelegt, alle unbequemen Textfunde zu veröffentlichen.“

Peter Bürger betont aber auch, dass man differenzieren müsse: „Die zeitweilige Mitläuferin Christine Koch gehört nicht zu den widerständigen Vorbildern, doch sie war weder Nationalsozialistin noch Antisemitin.“ Es gehe nicht an, „Christine Koch via Sippenhaft einzureihen in den Kreis der überzeugten NSDAP-Mitglieder und Rassisten Georg Nellius, Josefa Berens oder Maria Kahle.“ Während CDU, UWG und SPD betonten, dass sie den Antrag von Roland Klose ablehnen, befürworteten die Grünen eine Umbenennung. „Für uns ist Christine Koch nicht als Vorbild für die Jugend herausstellbar“, sagte Christa Wolter. Allerdings müssten die Anwohner der Straße und die Schule bei der Suche nach einem neuen Namen einbezogen werden.

 
 

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