„Braune“ Straßennamen endlich beseitigen

In Eslohe wird bereits auf die Erkenntnisse aus der neuen Forschung reagiert: Der Gemeinderat hat die Umbenennung des jetzigen Josefa-Berens-Weges beschlossen.
In Eslohe wird bereits auf die Erkenntnisse aus der neuen Forschung reagiert: Der Gemeinderat hat die Umbenennung des jetzigen Josefa-Berens-Weges beschlossen.
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Noch wird in Südwestfalen an prominenter Stelle an Hitler-Verehrer erinnert. Das Christine-Koch-Archiv am Museum Eslohe, das sich um die Erforschung heimischer Mundart-Dichter verdient gemacht hat, macht darauf jetzt die politisch Verantwortlichen in 13 Orten aufmerksam: In einem Schreiben werden sie gebeten, Straßen umzubenennen.

Eslohe.  Noch wird in Südwestfalen an prominenter Stelle an Hitler-Verehrer erinnert. Das Christine-Koch-Archiv am Museum Eslohe, das sich um die Erforschung heimischer Mundart-Dichter verdient gemacht hat, macht darauf jetzt die politisch Verantwortlichen in 13 Orten aufmerksam: In einem Schreiben werden sie gebeten, Straßen umzubenennen.

Grundlage dafür sind neue Erkenntnisse der Regionalforschung. Der Esloher Autor Peter Bürger will diese einer breiten Öffentlichkeit in Südwestfalen vermitteln: „Man kann diese Rechtsaußen nicht als unsere Sauerländer Vorbilder sehen.“ So gibt es zum Beispiel in Olsberg immer noch eine Maria-Kahle-Straße, drei Straßen nach Karl Wagenfeld, Georg Nellius und Maria Kahle jeweils in Arnsberg und Sundern, zwei Josefa Berens-Totenohl-Straßen im Kreis Olpe.

Bürger zeigt auf, dass sie alle Gegenspieler zu republiktreuen sauerländischen Zentrumsvertretern waren und nach der Machtübernahme durch die Nazis kulturpolitisch in den Vordergrund gerückt wurden.

Nach 1945 glaubten dann viele, es handele sich bei ihnen um vorbildliche Vertreter einer Sauerland-Kultur – tatsächlich aber seien sie nachweisbar bedingungslose Hitler-Getreue gewesen.

Bürger fordert dazu auf, den aktuellen historischen Forschungsstand überall aufzugreifen: „Wer heute noch eine Straße nach diesen Leuten benennt, der gibt ein politisches Statement ab. Und das ist kein demokratisches Statement.“ Es sei ein „falscher Heimatstolz“, an Kahle und Co. festzuhalten und zu erinnern. Der Theologe und Publizist empfiehlt, deswegen vor Ort unter Beteiligung der Heimatvereine runde Tische zu bilden: „Ich rate davon ab, dieses Thema für eine Parteiprofilierung zu nutzen. Dann sind sofort die Köpfe dicht.“

 
 

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