Bei 400 Postboten ist immer etwas zu tun

Vom Zustellstützpunkt in Meschede aus ist Tim Erdmann für über 400 Mitarbeiter zuständig.
Vom Zustellstützpunkt in Meschede aus ist Tim Erdmann für über 400 Mitarbeiter zuständig.
Foto: WP
Tim Erdmann (32) leitet den Zustellstützpunkt Meschede. Damit ist er Briefe und Pakete in einem riesigen Bereich zwischen Soest und Winterberg zuständig.

Meschede..  Er hat in der Bonner Zentrale, in London und Brüssel für die Post gearbeitet. Unter anderem. Jetzt ist er zuständig für Meschede, Winterberg, Neheim und Soest. Unter anderem. Tim Erdmann ist neuer Leiter des Zustellstützpunkts Meschede. Im Post-Sprech: ZSPL. Das L steht für Leitung. Sein Büro ist in Meschede, weil die Stadt mittendrin in seinen Bereich liegt. Der 32-Jährige und sein Team sind verantwortlich für Briefe und Pakete in halb Südwestfalen.

Der ZSPL

Flächenmäßig gehört der Standort zu den größten in ganz Deutschland. Insgesamt arbeiten etwa 400 Brief- und Paketzusteller im ZSPL, außerdem gibt es 15 Verwaltungsangestellte. 31 Bezirke hat allein die Stadt Meschede; ein Bezirk ist hierbei, vereinfacht gesagt, gleichzusetzen mit einem Postboten. Oder, genauer, im Post-Sprech: Briefzusteller. Beziehungsweise, Sonderfall Meschede, eben manchmal auch Paketzusteller.

Die Post

Der ehemalige Staatsbetrieb ist kein einfaches Konstrukt. Der ZSPL Meschede gehört zur Niederlassung Dortmund, einer von 49 in Deutschland. Zur Niederlassung gehören wiederum verschiedene Abteilungen: Briefzentren etwa, das Transportwesen oder eben die Auslieferung. Zu Letzterem gehört der ZSPL.

Die Karriere

Erdmann hat für einen vergleichsweise jungen Mann schon viel erlebt in seiner beruflichen Laufbahn. BWL-Studium in Münster, parallel Briefzusteller im heimischen Ruhrgebiet. Nach dem Studium Einstieg bei der posteigenen Unternehmensberatung. Nach zwei Jahren Entwicklung zum Projektmanager im internationalen Geschäft der Post. „Ich hatte Spaß und einen guten Job in der Zentrale, aber auf Sicht keine Personalverantwortung“, sagt Erdmann.

Genau das wollte er: Mit Menschen arbeiten, Verantwortung übernehmen. Ziel: Raus in die Flächenorganisation, in die Auslieferung. „Meschede hatte ich hier am Anfang ehrlich gesagt überhaupt nicht auf dem Schirm“, sagt Erdmann.

Die Aufgabe

Grundsätzlich: „Wie kriege ich es hin, dass jeder Mitarbeiter nach 7,7 Stunden wieder da ist und seine Post und Pakete an zufriedene Kunden ausgeliefert hat?“, erklärt Erdmann. Die Route eines Zustellers wird dabei bis ins Letzte berechnet: Wie genau läuft oder fährt der Zusteller, Eingang vorn am Haus oder Rückseite, Briefkasten draußen oder drinnen, wie viel muss durchschnittlich zugestellt oder an Treppen gestiegen werden? Manche bestellen drei Pakete pro Woche, andere so gut wie nie. „Das alles wird selbstverständlich berücksichtigt“, sagt Erdmann. „Der Kuchen muss für alle Mitarbeiter möglichst fair und gleich aufgeteilt werden“. Nicht zuletzt: Mitarbeiterführung. „Mein Team ist klasse“, sagt Erdmann. „Wir haben sofort eine gute Basis gefunden.“ Der neue Chef will nicht alles anders machen, sondern gezielt Verbesserungen anstoßen. Zentral für ihn: Ein gutes Betriebsklima schaffen, Mescheder Interessen in Dortmund, bei seinen Chefs vertreten. Tagesgeschäft? Fehlanzeige, irgendwas ist immer bei 400 Mitarbeitern.

Die Herausforderungen

Die Paketzustellung geht durch die Decke. Der Platz wird zum Problem, die Autos sind mittlerweile nicht mehr groß genug. Können zierliche Damen über 50 genauso 100 Pakete wuchten wie bärenstarke 20-Jährige? „Personal ist nicht einfach zu bekommen“, sagt Erdmann, das ist eine weitere große Herausforderung. „Im Sauerland herrscht fast Vollbeschäftigung, hier gibt es einfach wenig gute Leute, die Arbeit suchen.“

Das Sauerland

Erdmann lebt am Wochenende in Köln, unter der Woche hat er eine Wohnung in Meschede. Das findet er wichtig. „Wenn ich hier arbeite, sollte ich mich ein Stück weit mit dem Sauerland identifizieren. Wissen, was passiert, wie die Leute ticken.“ Außerdem schafft das Sauerland Ausgleich: Am Wochenende Freundin, Freunde, Ausgehen in der Rheinmetropole. „Das brauche ich auch“, sagt Erdmann. Genauso wie Ruhe und Natur. „Das Beste aus zwei Welten“.

Außerdem hat er die Region und ihre Möglichkeiten schätzen gelernt. „Tolle Städte und Freizeitangebote. Anfangs dachte ich, hier liegt der Hund begraben. Aber das habe ich unterschätzt.“ Kino, Fußball, ein gutes Fitnessstudio, klasse Restaurants – alles da. „Selbst meine Oma war total begeistert, als sie mich besuchte“, sagt Erdmann. „Ich fühle mich hier sehr wohl. Aber nicht 365 Tage im Jahr.“ Insbesondere nicht, wenn der FC spielt oder Karneval ist.

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