„Attraktivität sinkt dramatisch“

In Bödefeld hat sich eine Bürgerinitiative gegründet.
In Bödefeld hat sich eine Bürgerinitiative gegründet.
Foto: WP

Bödefeld..  Gegenwind weht jetzt auch aus Bödefeld – dort hat sich die Bürgerinitiative „Kritische Bürger Bödefeld Freiheit und Land“ gebildet. Ziel ist es, die Planungen der Stadt zum Thema Windkraft kritisch zu hinterfragen.

Die Bürger in Bödefeld, Oberrarbach und den umliegenden Orten machen sich große Sorgen – um den Tourismus, um die eng damit verbundenen Arbeitsplätze vor Ort und um die Attraktivität ihrer Dörfer. Grund dafür sind die zwei Potentialflächen, die die Stadt Schmallenberg für die Nutzung von Windenergie untersucht. Im Westen Bödefelds geht es um die Fläche Bracht/Knüppelhagen (Rimberg) und im Osten um den Habichtsscheid (an der Stadtgrenze zu Winterberg).

Gerade nach Osten blicken die Bürger mit Sorge. Im Grenzgebiet sind die Planungen der Stadt Winterberg bereits weit vorangeschritten. Es bliebe also höchst wahrscheinlich nicht bei den fünf bis sechs Anlagen, die auf der Schmallenberger Fläche Platz hätten. „Wir befürchten, dass wir umzingelt werden“, sagt Stefan Schröder. Aus Meschede, Bestwig und Olsberg könnten noch weitere Anlagen hinzukommen – zumal laut der Bürgerinitiative Windkraftanlagen gern an die Grenzen des eigenen Stadtgebiets verbannt würden.

Gesundheit

„Wir sind nicht gegen Windkraft“, sagt Franz-Josef Klauke. „Uns ist es wichtig, dass der Bürger ausreichend geschützt wird.“ Zum Beispiel die Folgen des Infraschalls seien noch gar nicht abschätzbar.

„Laut Umweltminister Remmel sind für das Stadtgebiet Schmallenberg 2395 Hektar für Windenergienutzung ausgewiesen“, fügt Stefan Schröder an. „Warum also sollen dann nur in Bödefeld Windkraftanlagen aufgestellt werden?“

Immobilien und Tourismus

Die Folge des Wertverlustes von Immobilien und Grund sprach Martin Peters in der Versammlung der Bürgerinitiative an: „Die Lage ist für eine Bank der entscheidende Punkt bei der Bewertung einer Immobilie“, so Peters. „Schlagschatten, Lichtreflexionen, Schall und Infraschall sowie ein stark beeinträchtigtes Landschaftsbild sind Störfaktoren und auf diese reagieren Banken.“ Zum Beispiel auch auf Anschlussfinanzierungen könnte sich das negativ auswirken. „Und wer würde ein Haus kaufen in einer von Windkraftanlagen umzingelten Landschaft?“, stellte Martin Peters eine Frage, auf die er selbst auch direkt eine Antwort gab: „Niemand.“

Dunkle Zukunftsaussichten zeigte Peters für Bödefeld, Oberrarbach und die umliegenden Orte auf: „Der demographische Wandel wirkt sich dann noch verstärkt aus, Tourismuszahlen sinken, Arbeitsplätze fallen weg, die Infrastruktur blutet aus – insgesamt sinkt die Attraktivität dramatisch.“

Natur und Tierwelt

Herbert Volkmer, ehemaliger Förster in Bödefeld, machte deutlich, dass die Anlagen auf Höhenzügen stehen werden, die von überall zu sehen sind. „Und es geht ja auch nicht nur um eine Anlage (ähnlich einem Fernsehturm), es geht um 5, 10, 15 Anlagen“, so Volkmer ärgerlich. „Unser besonderes Landschaftsbild wird zerschnitten durch Zufahrtsstraßen, Fundamente usw.“ An sehr steilen Hängen müssten zudem Plateaus errichtet werden. Weiterhin machte Volkmer auf den Kranichzug aufmerksam und auf den Schwarzstorch, der an mindestens zwei Stellen brütet. „Die Vogelwelt wird sehr leiden“, betonte er.

Unfrieden im Dorf

Eine andere Gefahr, die die Bürgerinitiative sieht: der Dorffrieden ist in Gefahr. Auch dieser Verantwortung müsse sich die Politik bewusst sein. Auf der einen Seite gebe es Grundeigentümer, die nur die finanziellen Vorteile sehen. Auf der anderen Seite gebe es die, die nicht mit den negativen Folgen leben wollen. Die in Aussicht gestellten Erlöse, die für gemeinnützige Zwecke in die betroffenen Orte zurückfließen und vertraglich gesichert werden sollen, sieht die Bürgerinitiative nicht als angemessene Entschädigung für die Verluste.

Hintergrund:

- Die Bürgerinitiative plant eine Bürgerversammlung in der Schützenhalle Bödefeld für Donnerstag, 23. Mai, um 19.30 Uhr.

- Bei der Versammlung soll ein Votum der Bürger abgefragt werden. Das Ergebnis soll dann Bürgermeister Bernhard Halbe überreicht werden.

Informationen: www.windkraftregion-boedefeld.de

 
 

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