Asylbewerber lehnen Unterkunft in Meschede ab

Polizeieinsatz bei der Rückkehr in Bad Berleburg: Die Beamten nehmen den Bus auf dem Gelände in Empfang. Auf eigene Kosten waren sie von Meschede zurück ins Wittgensteiner Land gereist. Ihnen gefiel die Unterkunft nicht.
Polizeieinsatz bei der Rückkehr in Bad Berleburg: Die Beamten nehmen den Bus auf dem Gelände in Empfang. Auf eigene Kosten waren sie von Meschede zurück ins Wittgensteiner Land gereist. Ihnen gefiel die Unterkunft nicht.
Foto: Matthias Böhl
  • Flüchtlinge bezeichnen umgebaute Schule als „menschenunwürdig“
  • Bezirksregierung überprüft Unterkunft und kann Vorwürfe nicht nachvollziehen
  • Tumult bei Rückkehr in Erstaufnahmeeinrichtung in Bad Berleburg

Meschede/Bad Berleburg.. Mehrere Asylbewerber haben sich gegen eine Unterbringung in der ehemaligen Franz-Stahlmecke-Schule gewehrt. Die Gruppe war am Montag von der Erstaufnahmeeinrichtung in Bad Berleburg in die Zentrale Unterbringungseinrichtung nach Meschede gebracht worden. Nach ihrer Ankunft protestierten die Flüchtlinge, weil die Unterkunft nach ihren Angaben nicht ihren Vorstellungen entsprach. Die Polizei musste am Abend alarmiert werden.

Zwei Streifenwagen rückten an, um die Situation zu klären. Unterdessen hatte die Gruppe aus eigener Initiative spontan einen Bus bestellt, der sie aus dem Sauerland zurück nach Bad Berleburg brachte. 36 Personen aus der 40-köpfigen Gruppe reisten wieder ab. Der Busfahrer bestätigte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Asylbewerber die Fahrt auf eigene Kosten beglichen haben. Sie zahlten auch für eine zweistündige Wartezeit in Bad Berleburg - dort kam es zu einem groß angelegten Polizeieinsatz mit Tumulten, weil die Gruppe eigentlich nicht wieder in die dortige Unterkunft gedurft hätte.

Klage über sanitäre Einrichtungen

Die Asylbewerber klagten im Gespräch mit unserer Zeitung, in Meschede hätten „menschenunwürdige Zustände geherrscht“. So sei ihrer Meinung nach die Unterkunft völlig überfüllt gewesen und es habe sehr intensiv gestunken. „Die Badezimmer und Toiletten sind teilweise geschlossen und gar nicht immer geöffnet“, erklärten die Männer aus Syrien, dem Irak und aus weiteren Ländern.

Zwei Tage vorher habe man erfahren, dass man nach Meschede verlegt werden solle, aber die Zustände dort seien „vielleicht für Tiere geeignet, aber nicht für Menschen“, sagten die Asylbewerber. „Wir gehen nicht wieder zurück nach Meschede“, erklärte die Gruppe teilweise lautstark nach ihrer Rückkehr nach Bad Berleburg. „Einige wären bereit, auf der Straße zu bleiben, oder auch wieder in unsere Länder zu gehen und dem Krieg ausgesetzt zu sein, aber nicht wieder nach Meschede“, machten die Asylbewerber deutlich. „Wir haben in Meschede unser Geld zusammengeworfen und diesen Bus für die Rückfahrt bestellt.“ Etwa 400 Euro hat der Transport nach Recherchen unserer Zeitung gekostet.

Ein starkes Polizeiaufgebot, die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes und die Betreuer aus der Bad Berleburger Einrichtung verhandelten lange Zeit, bis die Asylbewerber zumindest die Nacht noch einmal in Bad Berleburg verbringen durften. Gestern wurden sie daraufhin in andere Landeseinrichtungen verteilt, wie die Bezirksregierung in Arnsberg mitteilte. Die Behörde ist für die Verteilung der Asylbewerber in Nordrhein-Westfalen zuständig.

Man habe die Gruppe deshalb nicht nach Meschede zurückschicken wollen, um dort erst die Vorwürfe zu prüfen, sagte Pressesprecher Benjamin Hahn. Die Bezirksregierung entsandte ein Prüfungsteam in die Unterkunft. Es konnte die Vorwürfe nicht bestätigen. Zwar sei die Einrichtung als ehemalige Schule an einigen Stellen „etwas abgewohnt“, aber es sei „nichts Dramatisches“ festzustellen gewesen, sagte Hahn. Die Reaktionen der Gruppe seien daher nicht nachvollziehbar.

Nicht über Sanktionen entschieden

Offen ist nach seinen Angaben, ob die Bezirksregierung das Verhalten sanktionieren wird: „Flüchtlinge, die die Einrichtung auf eigene Verantwortung dauerhaft verlassen, verstoßen gegen ihre Wohnsitzverpflichtung und gefährden damit den schnellen und sicheren Ablauf ihres Asylverfahrens“, teilte die Behörde mit. Klar sei, dass eine menschenwürdige Unterbringung jederzeit gewährleistet sein müsse. Klar sei jedoch auch, dass eine vorübergehende Unterbringung in einer Landeseinrichtung mit gewissen Einschränkungen verbunden sei. Zugleich kündigte die Bezirksregierung angesichts des Vorfalls an, die Standards ihrer Einrichtungen zu prüfen und zu bewerten.

Der Malteser-Hilfsdienst als Betreiber der Zentralen Unterbringungseinrichtung wollte sich gestern auf Anfrage nicht äußern und kündigte für den heutigen Mittwoch eine Stellungnahme an. Die ehemalige Franz-Stahlmecke-Schule war erst im November 2015 zu einer Unterkunft für Asylbewerber umgewandelt worden. Zuvor war sie umfassend renoviert worden. Allein für 400 000 Euro war ein Sanitärhaus mit Toiletten und Duschen als Anbau neu gebaut worden. Ausgelegt ist die Einrichtung für die Unterbringung von 450 Flüchtlingen. Derzeit seien aber nur 157 Personen dort untergebracht, teilte die Bezirksregierung mit.

 
 

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