„Angebot der Arbeitgeber ist eine Provokation“

Mit Trillerpfeifen, Tröten und Transparenten sind die heimischen Metaller gestern in Bestwig auf die Straße gegangen. Gestartet sind sie an der Firma Tital. Über die Bundesstraße ging es dann zur Kundgebung auf dem Rathausplatz.
Mit Trillerpfeifen, Tröten und Transparenten sind die heimischen Metaller gestern in Bestwig auf die Straße gegangen. Gestartet sind sie an der Firma Tital. Über die Bundesstraße ging es dann zur Kundgebung auf dem Rathausplatz.
Foto: WP
300 Metaller sind gestern in Bestwig auf die Straße gegangen, um klarzustellen, was sie vom Angebot der Arbeitgeber im aktuellen Tarifstreit halten.

Bestwig.  Der Erste Bevollmächtige der IG Metall in Arnsberg, Wolfgang Werth, sprach bei der Kundgebung auf dem Rathausplatz ebenso wie der DGB-Kreisvorsitzende Wolfgang Zeh von einer „Provokation“. Fabian Leuschner, Jugendvertreter bei der IG Metall, nannte es „eine Verarschung“.

Die Arbeitgeber hätten gezeigt, dass sie Argumenten gegenüber schwerhörig seien. „Wenn es sein muss, können wir noch eine Schüppe drauflegen“, gab sich Wolfgang Werth kämpferisch. Die Gewerkschaft sei auf 24-Stunden-Streiks nach Pfingsten vorbereitet.

Werth machte unmissverständlich deutlich: „Wir fordern die Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütung von 5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.“ Das derzeit im Raum stehende Angebot von 2,1 Prozent für 24 Monate sei eine Missachtung der Arbeitsleistung. „Wir sind der Motor der Konjunktur“, schwor Werth die Arbeitnehmer ein. Wer jetzt den Konsum mit falscher Lohnpolitik bremse, der würge die Konjunktur ab. Die Auslastung in der Metall- und Elektroindustrie sei seit 2014 konstant hoch. Zu Beginn dieses Jahres habe sie mit 86 Prozent zum achten Mal in Folge über dem Normalwert gelegen. „Und auch die Gewinne lagen mit einer Netto-Umsatzrendite von zuletzt 3,6 Prozent weiter auf einem überdurchschnittlichen Niveau“, so Werth. Insofern sei die Forderung der Arbeitnehmer wirtschaftlich gerechtfertigt. „Es ist an der Zeit, dass wir unseren angemessenen Anteil am Erfolg bekommen.“

DGB-Kreisvorsitzender Zeh machte den versammelten Arbeitnehmern deutlich: „Ihr streikt für mehr als nur für höhere Löhne. Ihr streikt für eure Zukunft, ihr streikt für eine gute Rente.“ Nur durch höhere Löhne und Gehälter könne Altersarmut verhindert werden. Das „dumme Geschwätz“ von der Rente mit 70 werde der DGB als unseriös und überflüssig entlarven. Wer freiwillig länger arbeiten wolle, könne das ja tun. „Wir wollen nicht eine Lösung für alle, sondern für alle eine Lösung“, so Zeh.

Auch Fabian Leuschner gab sich als Jugendvertreter der IG Metall in seiner ersten Rede kämpferisch: „Auf die Mogelpackung der Arbeitgeber fallen wir jungen Metaller nicht rein. Wir sind die Fachkräfte von morgen und wir sind bereit.“ Falls nötig werde man es machen, wie morgens beim Zähneputzen: „Wenn oben aus der Tube nichts mehr rauskommt, drückt man unten eben ein bisschen fester.“

Unterstützung bekamen die Metaller vom SPD-Bundestagsabgeordneten Dirk Wiese: „Es sind die Arbeitnehmer, die Südwestfalen zu einer erfolgreichen Industrieregion machen.“ Das werde von den Arbeitgebern in ihren Sonntagsreden gern vergessen, müsse sich aber auf dem Lohnzettel wiederfinden. Er stellte in Bestwig ebenfalls klar: Die SPD werde nicht am Mindestlohn rütteln - auch wenn der Kampf nicht einfach und bis zur Bundestagswahl im kommenden Jahr andauern werde.

Zum den gestrigen Warnstreiks hatte die IG Metall die Belegschaften der Firmen Martinrea-Honsel in Meschede, Tital und Busch in Bestwig sowie Brökelmann in Ense aufgerufen.

Auf einen Aufruf beim Honsel-Formenbau in Nuttlar hatte die IG Metall bewusst verzichtet, weil dort wegen des Schützenfestes große Teile der Belegschaft im Urlaub sind.

 
 

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