60 Flüchtlinge sind aus Unterkunft in Meschede verschwunden

In der Notunterkunft Franz-Stahlmecke-Schule in Meschede wird jetzt wie geplant der erste Wechsel der Bewohner stattfinden. 60 sind bereits spurlos verschwunden.

Meschede. In der Notunterkunft Franz-Stahlmecke-Schule wird jetzt wie geplant der erste Wechsel der Bewohner stattfinden: Die Asylbewerber werden dann in die Zentrale Unterbringungseinrichtung nach Herford gebracht, danach werden in Meschede aus Bayern die nächsten Flüchtlinge erwartet. Wie viele hier ankommen, ist allerdings offen. Tatsächlich sind von den ersten 140 Menschen, auf die sich der Malteser-Hilfsdienst vorbereitet hatte, nur 80 geblieben. Die übrigen sind spurlos verschwunden.

Skandinavien wird genannt

Einrichtungsleiter Stephan Wesche hat die erste Erfahrung gemacht: „Ein beträchtlicher Teil der Menschen möchte nicht hier bleiben“, sagte er bei der Vorstellung eines WLAN-Netzes in der Unterkunft. Nur einzelne geben Auskunft darüber, wo es sie eigentlich hinzieht – da werde dann meistens Skandinavien genannt.

Das deckt sich mit der Erfahrung, die der Hochsauerlandkreis als Notunterkunft-Betreiber in Brilon gemacht hat: Ein Drittel der 1000 Menschen dort verschwanden – „die waren einfach weg“, so Kreissprecher Martin Reuther. Landrat Dr. Karl Schneider hat das Problem direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben: Wie berichtet, hatte sie nach einem Telefonat Schneider aufgefordert, ihr Probleme im Zusammenhang mit der Asylbewerberfrage direkt mitzuteilen.

Auch die Bezirksregierung Arnsberg kennt dieses Problem. Wie viele Asylbewerber verschwinden, ist unbekannt. „Es gibt keine verlässlichen Zahlen“, sagt Pressesprecher Ralf Ciekanowski. Genauso unbekannt ist, wo es sie hinzieht: Von Schweden sei die Rede, viele ziehe es in andere Bundesländer, weil dort schon Bekannte oder Verwandte seien, wieder andere suchten andere Notunterkünfte auf, weil es ihnen in der ihnen zugewiesenen nicht gefalle – „aber letztlich sind das alles Vermutungen“.

Das Beispiel Meschede verdeutlicht ein anderes Problem: Wenn für 140 Plätze reserviert werden, aber nur 80 bleiben, „macht das die Bereithaltung von freien Plätzen nicht planbar“.

Untergetauchte Flüchtlinge leben illegal in Deutschland

Wer als Flüchtling untertaucht, hält sich rechtlich gesehen illegal in Deutschland auf. Denn der Asylantrag beginnt formal erst mit der Registrierung. Die Registrierung aber warten viele eben nicht ab. Das Land hat zusätzlich drei Registrierungsstellen eingerichtet, um die Verfahren zu beschleunigen: Pro Tag würden aktuell 700 bis 800 Menschen registriert, so Ciekanowski; das Ziel seien 1000 am Tag.

Überall aber stößt man an Grenzen: 500 bis 600 Bustransfers finden täglich zwischen NRW und Bayern statt, allein im letzten Monat sind 59 000 Menschen neu in NRW angekommen – „Das ist, als lassen Sie eine mittlere Stadt im Monat umziehen.“

 
 

EURE FAVORITEN