Zweigstelle „macht keinen Sinn“

Ottmar Ricken ist Geschäftsführer der Franziskus GmbH, dem Träger des Fachseminars für Altenpflege in Kleve.
Ottmar Ricken ist Geschäftsführer der Franziskus GmbH, dem Träger des Fachseminars für Altenpflege in Kleve.
Foto: WAZ FotoPool
Sollte man im Pfalzdorfer Hauptschulgebäude Altenpfleger ausbilden? Für das Klever Fachseminar ist die Alternative uninteressant

Goch..  In der Debatte um das Auslaufen der Pfalzdorfer Hauptschule warf SPD-Fraktionschef Klaus-Dieter Nikutowski früh die Idee ein, am Standort eine Ausbildungsstätte für die Altenpflege anzusiedeln. Der Bedarf nach mehr ausgebildeten Kräften in der Region sei da. Aus Nikutowskis Sicht eine Investition in die Zukunft, weil man zugleich so gelernte Altenpfleger in der Stadt hat.

Eine Ausbildungsstätte wie in Kleve oder Xanten müsse man für Goch gewinnen (in Kleve sitzt das Caritas Fachseminar für Altenpflege, in Xanten das Evangelische Fachseminar für Altenpflege der Diakonie, Rheinische Gesellschaft für Innere Mission und Hilfswerk) und könnte dabei das Pfalzdorfer Gebäude gut gebrauchen. So argumentierte Nikutowskis. Dabei ist das Gocher Stadtgebiet im Grunde bereits versorgt – eben mit dem Angebot der Franziskus GmbH. Diese ist Träger des Fachseminars für Altenpflege in Kleve. Auf NRZ-Anfrage kann dessen Geschäftsführer Ottmar Ricken auf ein „großes Einzugsgebiet“ verweisen: mit Auszubildenden aus Kleve, Goch, Xanten, Rees, Emmerich, Kevelaer, Kalkar, Bedburg-Hau, Weeze, Uedem und Sonsbeck. Die Azubis kommen von 29 „Kooperationspartnern“, also Altenpflegeeinrichtung, wovon vier ambulante Pflegedienste sind. Seit 2013 starten pro Jahr zwei Kurse (zuvor nur ein Kurs jährlich), aus je 28 Teilnehmern. Wer besteht, findet einen Arbeitsplatz – meist in der Region, weiß Ricken.

Bei Engpass Komplettumzug

Ab April werden so sechs Kurse unterrichtet, mit insgesamt fast 170 Teilnehmern. „Damit haben wir die Zahl der Auszubildenden seit 2013 verdoppelt“, freut sich Ricken. „Grundsätzlich könnten wir mehr Altenpfleger ausbilden, denn die Nachfrage am Arbeitsmarkt ist da. Die Ausbildungskapazität stößt allerdings auch an natürliche Grenzen: Die praktische Ausbildung erfolgt ja vor Ort in den Pflegeeinrichtungen, dort gibt es keine unbegrenzten Ausbildungskapazitäten.“ Somit fällt die Antwort auf eine Gocher Erweiterung auch eindeutig aus. Bedarf für ein weiteres Fachseminar im Kreis Kleve – beziehungsweise eine Zweigstelle, beispielsweise in Goch – gibt es aus Rickens Sicht nicht. „Wir haben bereits viele Auszubildende aus Goch und arbeiten mit den ambulanten und stationären Einrichtungen in Goch gut zusammen“, sagt Ricken. Wenn es allerdings einen enormen Anstieg an Auszubildenden gäbe, selbst dann ist für das Klever Fachseminar eine Erweiterung auf dem Pfalzdorfer Hauptschulgelände unwahrscheinlich.

„Die Errichtung einer Zweigstelle macht für uns keinen Sinn“, schätzt der Geschäftsführer ein, „Sollten wir an Kapazitätsgrenzen stoßen, würden wir uns mit dem gesamten Fachseminar für Altenpflege nach einem geeigneten alternativen Standort umsehen.“ So bald wird das aber wohl nicht geschehen. Denn erst im November ist das Fachseminar wegen des gestiegenen Platzbedarfes umgezogen – innerhalb Kleves.

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