Zu Besuch im Klimahaus der Hochschule in Kleve

Studentin Anastasia Feldt mit Bananenstauden im Klimahaus.
Studentin Anastasia Feldt mit Bananenstauden im Klimahaus.
Foto: NRZ
Hochschule Rhein-Waal beherbergt eine Vielzahl von Exoten der Pflanzenwelt. Tolles Lernmedium für die Studenten

Kleve..  Nur eine Tür trennt den Besucher in Kleve von den Tropen. Ein Schritt und man wechselt vom niederrheinischen kalt-nassen Weihnachtswetter hinein ins subtropische Klima des Glashauses auf dem Gelände der Hochschule Rhein-Waal (HRW). Nachdem der erste Temperaturschock in tropischer Schwüle überstanden und die erste Kleidungsschicht abgelegt ist, beeindruckt ein kleiner Garten Eden den aufmerksamen Beobachter.

Bananen, teils noch klein und grün, teils aber auch schon prall und gelb, reifen hier zu Weihnachten und Silvester an großen Stauden heran. Viele konnten schon geerntet werden, hunderte folgen noch rechtzeitig zum Jahreswechsel. Bananen statt Böller eben.

Prof. Dr. habil. Jens Gebauer, Leiter des Klimahauses und Professor für Nachhaltige Agrarproduktionssysteme insbesondere im Gartenbau an der Hochschule Rhein-Waal, führte die NRZ durch „sein“ kleines Paradies . Er erlaubte die ein und andere (köstliche) Verkostung von tropischen Früchten im niederrheinischen Winter und hielt Rückschau auf das erst zwei Jahre alte Projekt „Klimahaus“.

Ein Projekt, das sich mehr als nur gelohnt hat. Das Glashaus zwischen Wissensspeicher und Mensa auf dem HRW-Gelände ist eine Art botanischer Garten auf dem Campus Kleve.

„Mit der Flora der gemäßigten Breiten, Tropen und Subtropen, bietet das Klimahaus einen direkten Zugang zu den praktischen Lehrinhalten für die unterschiedlichen Studiengänge der Fakultät Life Sciences“, erklärte Gebauer. Kakao, Kaffee, Bananen, Zuckerrohr oder der Baobab/Affenbrotbaum – die Exoten fühlen sich wohl unter dem Glasdach.

Und die Studierenden auch, denn hier bietet sich ihnen ein einzigartiges Lernmedium. Studieren ganz praxisnah. Pflanzen zum Anfassen. Sie wachsen und gedeihen sehen, pflegen, hegen und letztendlich wie die Bananen auch essen. Und messen. So wie die 29-jährige Anastasia Feld aus dem Saarland. Sie studiert hier nachhaltige Landwirtschaft und schätzt an der HRW die „Praxisnähe“. Das Klimahaus ist so ihres – hier ist sie gerade mit Messungen im Rahmen ihrer Bachelorarbeit zur Fotosynthese beschäftigt.

Aber auch Nicht-Studenten, sprich Klever Bürger und andere Interessierte, profitieren vom Klimahaus. „Es ist wie eine grüne Begegnungsstätte. Seit Januar 2013 waren schon rund 2500 Besucher hier“, freut sich der Professor und sein engagiertes Team. „Wir haben schon mehrmals Tag der offenen Tür im Klimahaus gefeiert.“ Zum Thema Tomaten , Kartoffeln und Co....

Das Glashaus mit einer Größe von 25 mal 25 Metern besteht unter anderem aus einem Seminarraum, einem Pflanzraum und einem Glashaus. Die Glas-Klima-Einheit besteht aus Forschungskabinen und einer Großkulturfläche. Zum Gesamtkonzept von Forschung und Lehre gehören am Klimahaus auch bald die „Lehr- und Schaugärten“, die „Lebendige Tafel“ und der „Obstlehrpfads“. Die hierzu benötigten 1500 Quadratmeter großen Außenflächen wurden bereits entsprechend mit Aushub und Mutterboden entsprechend vorbereitet. In einem Teil fühlt sich schon Grünkohl recht wohl. Aus Berlin, wohl gemerkt.

Da, wo die Wiege des Professors stand, der in der deutschen Hauptstadt vor 38 Jahren das Licht der Welt erblickte. Und bevor er nach Kleve kam viel von derselben gesehen hat. Forschungsaufenthalte in Afrika (jeweils mehrfach Sudan, Kamerun, Kenia, Südafrika, Niger, Tansania, Mali, Burkina Faso, Äthiopien), in Asien (Oman, Indonesien, Bangladesch) und in den USA schmücken seine kurzweilige Karriere. Den Forschungsreisen ins Ausland bleibt der Fachmann auch 2015 treu. Seit 2011 ist Gebauer an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve zu Hause und seit 2013 dort auch Leiter des Klimahauses und der Lehr- und Schaugärten.

Wie er sich in der Schwanenstadt fühlt? „Sehr viel besser, als ich es je gedacht hätte“, verrät er der NRZ und strahlt dabei. Kleve gefällt ihm, hier verbringt der Professor auch gerne das vor der Tür stehende neue Jahr.

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