Windkraft in Kalkar – Eine historische Aufgabe

Frank Sundermann Stadtoberbaurat in der Verwaltung Kalkar
Frank Sundermann Stadtoberbaurat in der Verwaltung Kalkar
Foto: NRZ
30 Jahre nach der Fertigstellung des Schnellen Brüters macht die Stadt Kalkar den Weg frei für die vollständige Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien

Kalkar..  Für Kalkar ist es eine historische Chance. Genau 30 Jahre nach der Fertigstellung des Schnellen Brüters schafft die niederrheinische Kleinstadt die planerischen Voraussetzungen für eine energieautarke Gemeinde. Versteckt hinter der Bezeichnung „57. Änderung des Flächennutzungsplanes“ verbirgt sich die Energiewende für Kalkar: Die vollständige Abdeckung des eigenen Strombedarfs mit erneuerbaren Energien. 15 neue Windkraftanlagen könnten künftig zwischen Hönnepel, Neulouisendorf und Appeldorn errichtet werden, wenn die Ausweisung der vier Konzentrationsflächen denn genehmigt werden. Für Kalkar heißt das 30 Jahre nach dem Ende des Atomkraftwerks, dass allein die Windkraft zu 150 Prozent den Energieaushalt der Stadt deckt.

Vier Flächen ausweisen

Im Büro von Frank Sundermann stapeln sich die Bauzeichnungen und Aktenordner. Der Stadtoberbaurat von Kalkar hat in den vergangenen Monaten die Ausweisung der Windenergiezonen intensiv begleitet. Unterstützt vom Fachbüro „WoltersPartner“ aus Coesfeld hat Sundermann die vier Flächen in Hönnepel, Niedermörmter, Neulouisendorf und Appeldorn festgelegt, wo künftig noch Windräder aufgestellt werden dürfen. „Im Juni wird der Stadtrat abschließend darüber entscheiden“, sagt Sundermann. Bis zum Ende des Jahres sollten die Vorrangflächen unter Dach und Fach sein.

Mit der Konzentration auf vier Flächen möchte Kalkar einen Wildwuchs an Windrädern vermeiden. „Der Gesetzgeber sieht so eine Planung ausdrücklich vor. Hätten wir das nicht gemacht, könnten auf dem Stadtgebiet 30 Windräder errichtet werden“, erklärt Sundermann. Und bei aller Freude über eine saubere Energieproduktion wolle man auch eine „Verspargelung“ der Landschaft verhindern.

Der neue Flächennutzungsplan sieht daher eine Reduzierung der Windkraftstandorte von zehn auf vier Flächen vor.

Die Pläne wurden bis Mitte März offen gelegt. Die Einsprüche und Bedenken seien „relativ zurückhaltend“, sagt Sundermann. Er geht sogar davon aus, dass auch bereits vor der Genehmigung der Flächennutzungsplanänderung durch die Bezirksregierung Windanlagen in Angriff genommen werden können. „Es gibt Anträge für drei Anlagen in Neulouisendorf. Zwei davon entsprechen den Vorgaben, eine Anlage nicht“, so Sundermann.

In Kalkar gibt es bereits acht Windräder in Wissel, Hönnepel, Niedermörmter und Appeldorn. Die bestehenden Anlagen können weiter betrieben werden, allerdings werden diese „Altzonen“ im neuen Flächennutzungsplan zurückgenommen. Das heißt: „Die Windkraftanlagen, die nicht innerhalb einer neuen Konzentrationszone liegen, haben künftig einen einfachen Bestandsschutz, d.h., dass eine Neuerrichtung einer Anlage an diesem Standort nicht möglich ist“, so steht es im Fachbericht von „WoltersPartner“.

Wind deckt Strombedarf zu 150 %

Bereits heute erfüllt Kalkar die Vorgaben des Landes NRW, bis zum Jahr 2025 mindestens 30 Prozent der Stromversorgung durch erneuerbare Energien zu decken. Der aktuelle Stromverbrauch in Kalkar beträgt zirka 75 000 Megawattstunden im Jahr. Davon werden 23 900 Megawattstunden (31,7 Prozent) mit regenerativen Energien erzeugt. Die bestehenden acht Windkraftanlagen erzeugen 9000 Megawattstunden. Sollten in Kalkar 15 weitere Windräder der neueren Bauart entstehen, könnten weitere 105 000 Megawattstunden Strom produziert werden. Damit würde die Windkraft den Strombedarf Kalkars zu 152 Prozent abdecken.

Soweit ist es allerdings noch nicht. Frank Sundermann achtet penibel darauf, dass die Stadt neu-tral und offen die Vorrangflächen bewertet: „Es ist wichtig, dass wir den Investoren nicht hinterher laufen. Wir benötigen eine neutrale Bewertung der Standorte, sonst wird unser Flächennutzungsplan juristisch angreifbar“, so Sundermann. Denn mit der Festlegung der Konzentrationszonen entscheidet die Stadt auch darüber, wer in Zukunft mit Windkraft Geld verdienen wird – und wer nicht.

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