Wind und Gegenwind

15 oder 20 Anlagen im Kranenburger Reichswald? „Warum fangen wir nicht erst einmal mit drei an?“
15 oder 20 Anlagen im Kranenburger Reichswald? „Warum fangen wir nicht erst einmal mit drei an?“
Foto: WAZ FotoPool
Im Bürgerhaus diskutierten Befürworter und Gegner der Errichtung eines Windparks am Kartenspielerweg: Bürger finanziell beteiligen

Kranenburg.  „Wenn der Wind der Erneuerung weht, bauen die einen Menschen Mauern und die anderen Windmühlen“. Stefan Blome, Windenergieberater der Landwirtschaftskammer NRW und Kranenburger, zitierte ein chinesisches Sprichwort, was deutlich machen soll, wie sich sowohl Kranenburger als auch niederländische Bürger zurzeit fühlen. Konkret geht es um die Errichtung eines Standortes für Windenergieanlagen – mal war von drei, mal 15, mal 20 die Rede, und zwar am Kartenspielerweg in Kranenburg. Auf niederländischer und auf deutscher Seite herrschen gleichermaßen Zustimmung und Ablehnung.

Am Dienstag luden Die Grünen ein zur Podiumsdiskussion „Windenergie grenzenlos in Bürgerhand“. Die Idee ist, an einer Energiegenossenschaft deutsche und niederländische Bürger zu beteiligen – mit jeweils „500 Euro oder einem Mehrfachen davon. Damit werden aus Betroffenen Beteiligte“, erklärt Stefan Blome.

Konzentrationszone

„Obwohl bis zu 15 Einzelstandorte außerhalb von Wald und Naturschutz mit 450 Meter Abstand zur Wohnbebauung gefunden wurden, hatte der Rat am 11. März 2010 die Planung einer gemeinschaftlichen Windkraft-Konzentrationszone im Stadtgebiet Kleve beschlossen. Damit sollte der Windenergienutzung in Kranenburg kein Raum gegeben werden“, erinnerte Blome. Das habe sich nun geändert: „Im Haushaltsplan 2013 sind 200 000 Euro für das Flächennutzungsplanverfahren Windkraft im Reichswald vorgesehen“, so der Energieberater. Aber der Rat wisse nicht, wer das bezahlen soll.

Bürgermeister Günter Steins: „Nach wie vor gilt, dass ein Windpark im Reichswald die Landschaft verändert.“ Dennoch wünsche er sich und erwarte für die Ratssitzung im November den Grundsatzbeschluss für die Flächenplannutzungsänderung. Können Niederländer das verhindern? „Man kann natürlich Einfluss auf den politischen Prozess nehmen“, so Steins.

Hubert Zillig wohnt am Kartenspielerweg. „Ich würde dann 730 Meter von den Dingern weg wohnen.“ Deswegen, und weil er mit einem Straßenausbau rechnet, hat er die Initiative „Gegenwind im Reichswald“ gegründet. „Man hat das Gefühl, es ist schon alles genehmigt. Das finde ich ein bisschen irreführend.“ Auch Paul Wessels, Gemeinderatsmitglied in Gennep, will nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Argumente der Gegner: Der Wald in Groesbeek und der Reichswald dienten als Durchzugsgebiet für die Vögel, der Tourismus leide. Und: „Warum erschreckt man die Menschen gleich mit 20 Windmühlen und fängt nicht mit drei an?“

 
 

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