Wie Paul Theissen die Region sah

Eines der vielen Landschaftsbilder Paul Theissens, das den Niederrhein zeigt.
Eines der vielen Landschaftsbilder Paul Theissens, das den Niederrhein zeigt.
Foto: NRZ
Am Dienstag wäre der Klever Maler, Zeichner, Illustrator und Grafiker 100 Jahre alt geworden. Im Herbst zeigt Haus Koekkoek seine Werke

Kleve..  Vielleicht hätte ihn am frühen Morgen ein Blick aus dem Fenster seines alten Hauses in Materborn auf die Wiesen und hinüber zum nahen Reichswald zu Stift oder Pinsel greifen lassen. Schließlich war die niederrheinische Landschaft sein lebenslanges Thema. Zu ihr entwickelte er eine Nähe, die ihn zeit seines Lebens nicht mehr loslassen sollte. Unzählige Gemälde, Zeichnungen und Skizzen zeugen von seinem wichtigsten Sujet. Am Dienstag, 10. März, wäre der 1994 verstorbene Klever Maler, Illustrator, Zeichner und Grafiker Paul Theissen 100 Jahre alt geworden.

Sein Haus, Ende der 60er Jahre erworben und aus einer ehemaligen Schusterwerkstatt zu einem Zuhause umgebaut, wird heute von seinem Sohn und seiner Schwiegertochter, Arion und Christiane Theissen, bewohnt. An nahezu allen Wänden hängen die Werke des Malers. Auch seine Staffelei ist noch dort. Viel von der Einrichtung des Hauses atmet noch heute den Stil des Künstlers, der nicht nur Leinwand, sondern auch Schränke und Türen bemalte.

Als kehre er zurück ins Haus

Arion und Christiane Theissen haben es behutsam renoviert, einiges aber einfach so gelassen, als kehre der Maler jeden Moment zurück. „Die Bilder sind so selbstverständlich für uns“, erklärt Christiane Theissen. „Eigentlich fehlt nur der Geruch der frischen Farbe.“

Der Besucher bestaunt (Familien-)Porträts, wenige Stillleben und historische Szenerien. Die meisten Bilder aber zeigen den Niederrhein, wie Paul Theissen ihn sah. Weites Grün und tief hängende Himmel, Wasser und immer wieder Kühe, Pferde oder in die Landschaft geduckte Katen und Bauernhäuser. Mit seinem kleinen Sohn auf dem Gepäckträger seines Fahrrades brach er in den 50er Jahren auf, um Skizzen anzufertigen. Zuhause an der Staffelei fertigte er dann die Gemälde, die noch heute in vielen niederrheinischen Häusern zu finden sind. Mit seiner genauen Beobachtung der Landschaft konnte er im Atelier aus einer leichten Sommerlandschaft eine graue Winterszenerie entstehen lassen.

Er hat am liebsten Aquarelle gemalt“, erinnert sich Christiane Theissen. Licht und Tiefe seien ihm wichtig gewesen. Der gebürtige Essener Paul Theissen hat allerdings auch politische, kritische Bilder gemalt und in ihnen die Kriegsjahre verarbeitet. So schuf er Ende der 30er Jahre eine Zeichnung, auf der ein monströser Hitler auf einem Leichenberg steht. Das Bild überstand den Krieg in einem Versteck.

Der Maler hat lange Zeit nicht von seiner Kunst leben können. „Nach dem Krieg wollte keiner Kunst kaufen“, sagt sein Sohn. Später dann bekam er Aufträge und arbeitete als Grafiker und Illustrator für verschiedene Verlage, fertigte aber auch Porträts an oder verkaufte seine Landschaften. 45 Jahre lang gestaltete er den Kalender für das Klever Land. Das Kalendarium der aktuellen Ausgabe zeigt Details aus seinen Landschaftsaquarellen. Paul Theissen ist der gegenständlichen, realistischen Malerei stets treu geblieben. Die modernen Kunstformen bauten für ihn nicht auf künstlerischem Können auf.

 
 

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