Wie gefährlich ist das Insektengift?

Andreas Gebbink
Viele Wiesenvögel, wie hier die Feldlerche, sind auch im Kreis Kleve starkt im Bestand gefährdet.
Viele Wiesenvögel, wie hier die Feldlerche, sind auch im Kreis Kleve starkt im Bestand gefährdet.
Foto: WAZ FotoPool
Zwei Forscher der Radboud-Universität in Nimwegen machen ein in der Landwirtschaft benutztes Pflanzenschutzmittel für das Vogelsterben verantwortlich

Nimwegen. Für Professor Hans de Kroon lässt sich da nichts wegdiskutieren. Der Biologe der Radboud-Universität in Nimwegen ist sich ziemlich sicher, dass der Einsatz des Pflanzenschutzmittels Imidacloprid für das Sterben vieler Wiesenvogelarten in der Region ist. Gemeinsam mit seinem Doktoranden Caspar Hallmann publizierte er vor zwei Wochen zu diesem Thema einen Aufsatz in der wissenschaftliche Zeitschrift „Nature“. De Kroon und Hallmann können anhand der Auswertung zahlreicher Daten zu Wasseranalysen und Vogelbeständen eine Verbindung erkennen.

„Wir haben nach vielen Faktoren geschaut, die einen Rückgang der Wiesenvögel auf regionaler Ebene erklären können. Wir können aber anhand unserer Ergebnisse zeigen, dass eine erhöhte Konzentration von Imidacloprid im Oberflächenwasser die mit Abstand wichtigste Ursache für das Sterben von Wiesenvogelarten ist“, so de Kroon. Seine Arbeit sei die erste Studie, die einen Zusammenhang zwischen dem Pflanzenschutzmittel in Gewässern und dem Vogelsterben erkennen lasse. Auch lasse sich jetzt zeigen, dass die Gruppe der so genannten Neonicotinoide (dazu gehört auch Imidacloprid) nicht nur ein selektives Gift ist, sondern „sich auch auf das gesamte Ökosystem auswirkt“, so de Haan.

Im Rübenanbau verwendet

Der Nimweger Forscher zeigt, dass bei einer Überschreitung der Menge Imidacloprid im Oberflächenwasser von 20 Nanogramm je Liter zu einer deutlichen Abnahme der Wiesenvögel führt, die auf Insekten als Nahrung angewiesen sind. Um dies herauszufinden haben die Forscher die Wasser- und Vogeldaten für die Jahre 2003 bis 2009 in den Niederlanden analysiert. In vielen Gewässern, auch an der Grenze zum Kreis Kleve, wird die Menge von 20 Nanogramm im Wasser deutlich überschritten.

Das Pflanzenschutzmittel Imidacloprid ist eines der weltweit am meisten eingesetzten Mittel. Auch in NRW ist es zugelassen. Nach Angaben des Landwirtschaftsminsteriums wird es vor allem als Beizmittel für Saatgut verwendet. Das heißt, dass der Samen des Pflazengutes mit dem Mittel behandelt wird, um nicht später auf dem Feld spritzen zu müssen. Auch im Rübenanbau sei die Beizung mit Imidacloprid Standard, so das Ministerium. Ansonsten werde das Mittel nicht zum Spritzen eingesetzt. Genaue Mengen über den Einsatz des Mittels gebe es nicht, da es zulassungsfrei zu erhalten ist.

Volkhard Wille, Vorsitzender des Naturschutzbundes im Kreis Kleve, hat die Studie von de Kroon und Hallmann auf seinem Schreibtisch liegen. „Allerdings noch nicht gelesen.“ Er sagt, dass es schwierig sei, einen Faktor für die Abnahme der Wiesenvögel verantwortlich zu machen: „Wir wissen jedoch, dass wir mit den bisherigen Erklärungsmustern das schnelle Sterben bestimmter Wiesenvogelarten – etwa der Feldlerche – nicht erklären können. Vielleicht ist das der fehlende Baustein“, so Wille.