„WG mal anders!“ sucht noch Mitbewohner

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Goch..  Eine eigene Wohnung haben. Das wollten Nina (25) und Eva (24). Das Besondere: Die beiden haben das Down-Syndrom (NRZ berichtete mehrfach). Jetzt wird der Traum wahr: Die beiden ziehen am 1. Mai in ihr Haus an der Heinrichstraße. Mit Feuer und Flamme haben sie Möbel gekauft, richten die noch leeren Zimmer ein, planen, wie ihr Zuhause aussehen soll...

Die beiden haben sich durch das private Projekt „WG mal anders“ kennengelernt. Und sie sollen durch ihren Umzug zur Selbstständigkeit erzogen werden, vielleicht Fähigkeiten entwickeln, von denen sie bislang nichts wussten, Fähigkeiten, bei denen die Erziehungsberechtigten bislang im Weg gestanden haben. „Nina wollte nicht in ein Wohnheim oder eine Wohnstätte, sondern wollte eine eigene Wohnung haben“, sagt Mutter Michaela Spitz. Willi Weber, ihr Lebensgefährte, erklärt, dass die Bewohner mit einem erhöhten Betreuungsbedarf „eigenständig und selbstbestimmt“ leben können sollen – und das in einem familiären, inklusiven Umfeld. Ein Problem bei Wohnheimen sei z.B. die Bettruhe ab 22 Uhr. „Das geht einfach nicht, wenn Nina nicht ihre ‘Topmodels’ zu Ende gucken kann“, findet Spitz. Und Nina schiebt lachend ein: „Ja, das gucke ich ja auch gerne.“ Mutter Michaela betont: „Sie ist ein erwachsener Mensch. Dann kommt sie vielleicht freitags müde aus dem Bett. Aber das ist ihre Entscheidung.“ Und ein Wohnheimplatz passt einfach nicht zum Lebensstil der Familie. Oftmals besuchen sie Veranstaltungen und Konzerte. „Man geht doch lieber zu jemandem nach Hause als ins Krankenhaus“, so Weber. Beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) heißt das „ambulant vor stationär“. Für die WG-Bewohner in der Heinrichstraße gibt es eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Weil die Idee der Familie so neu ist, sind viele noch skeptisch. Von Hirngespinsten sei da die Rede, von fixen Ideen. Aber: „Wir machen es jetzt einfach, weil wir an die Sache glauben“, so Spitz. Es werden noch zwei weitere Mitbewohner für die private WG gesucht, die in dieser Form die einzige im Kreis Kleve ist. Deswegen hoffen die Beteiligten, am Tag der offenen Tür am Sonntag, 13. April, von 11-17 Uhr, weitere Bewohner ab 18 Jahren überzeugen zu können. Wenn es vier Bewohner gebe, könnte man mit dem Personal besser haushalten, es würden mehr Betreuer zur Verfügung stehen, so Björn Klomp vom Selbstbestimmten Wohnen (SeWo), der die Dienste rund um die WG übernimmt. Gemeinsam wurde die Mitarbeiterin ausgesucht, die in das Appartement im Haus zieht: Sie ist Heilerziehungspflegerin und Kunsttherapeutin. Infos: www.wg-mal-anders.de

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