Wenn Kirchenraum zum Kunstraum wird

Caroline Koenders und Bart Elfrink in Ubbergen.
Caroline Koenders und Bart Elfrink in Ubbergen.
Foto: Andreas Daams
Die Klosterkirche in Ubbergen dient seit Jahren als Ausstellungsraum. Jetzt sind hier Werke von Künstlern des Bensdorp-Ateliergebäudes zu sehen

Kleve/Ubbergen..  Die Niederlande sind nah. Und doch sind sie fern. Bei aller gemeinsamen Geschichte und bei allen gemeinsamen Projekten. Man fährt über die Grenze, an den herrschaftlichen Villen Beeks vorbei bis nach Ubbergen. Dort steht ein altes Kloster, eine ehemalige Klosterschule, ein typisches Objekt vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Neugotik, Backstein: letzter baulicher Aufschrei einer Tradition, die auf den Schlachtfeldern der Weltkriege ihr Ende fand. Erst zogen die Nonnen fort, dann starben sie aus, schließlich bekam die Schule ein modernes Gebäude.

Sieben Künstler zeigen ihre Werke

Was bleibt? Die bauliche Hülle, die Architektur. Abreißen wollte die Gemeinde das Objekt, berichtet der Künstler und Galerist Bart Elfrink. Doch ein Wohnprojekt widersetzte sich. Der Kirchenraum, so beschloss es, solle ein Kunstraum werden. Das ist er nun schon seit Jahren, im Klever Land immer noch weithin unbekannt. Jetzt stellen hier sieben Künstler aus, die ihre Werkstätten im alten Klever Bensdorp-Gebäude haben. Die Verbindung liegt nahe, da Elfrik selber dort sein Atelier hat, bis vor kurzem eine Galerie in Beek-Ubbergen besaß und außerdem in der Kunstkommission der Galerie Note Dame des Arts sitzt. Note Dame des Arts, das ist der Name der Kloster-Kunst-Kirche.

Man betritt sie – und sofort ist klar, wie sehr die Kunst vom Raum abhängt, in dem man sie zeigt. Man kann die Bilder von Gerd Borkelmann, Willy Oster oder Gunter Jäckle leicht erkennen. Aber hier umgibt sie die sakrale Aula des hohen Gewölbes, sie korrespondieren mit den anderen ebenso wie mit Geschichte und zeitloser Stille. Als Mittelachse fungieren Arbeiten von Günther Zins. Sie scheinen aus dem Boden zu wachsen wie namenlose Versprechen, gleichzeitig erden sie den Blick. Es ist eine schöne Referenz, dass Caroline Koenders auf einem Bild die Zins-Würfel zitiert. Weiße Rillen auf weißem Papier, darüber halbrunde Konstruktionen aus tiefem Schwarz. Ausschnitte von Wirklichkeiten, die gerade zu entstehen scheinen.

„Wichtig war uns, eine gemeinsame Ausstellung zu schaffen“, sagt Bart Elfrink. Dass nicht nur einfach etwas nebeneinander hängt und steht. Sondern dass sich eines auf das andere bezieht. Beginnt man dort, wo einst die Internatsschülerinnen mit gesenktem Blick die Kirche betraten, fallen einem die wundervollen Glasarbeiten von Wilfried Grootens auf, schillernde Objekte voller Farben, Formen und Erscheinungen. Schon allein die könnte man stundenlang anschauen. Gleichzeitig schulen sie den Blick, machen ihn frei für Linien und Linienführung, für Geometrien, Figuren und Abstraktionen.

Gelungenes Unterfangen

Insgesamt ist die Ausstellung also in mehrfacher Hinsicht ein gelungenes Unterfangen. Die ausgewählten Objekte laden zu sorgfältiger Betrachtung ein, gleichzeitig schaffen sie gemeinsam mit dem Raum ein ganz besonderes Gefühl. Ein Besuch kann sich also auch für Kunstinteressierte lohnen, die die Klever Künstler schon sehr gut zu kennen glauben.

 
 

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