Was tun mit dem Kriegerdenkmal?

Das umstrittene Kriegerdenkmal in Kalkar löst Diskussionen aus.
Das umstrittene Kriegerdenkmal in Kalkar löst Diskussionen aus.
Foto: privat
Brisante Inschrift auf der Rückseite. Diskussion im Kulturausschuss Kalkar: Zusätzliche Info-Tafel soll abhelfen.

Kalkar..  Denkmale sind Zeugen der Geschichte, auch jene aus Zeiten der Nationalsozialisten. Nach einer intensiven Diskussion kam der Kulturausschuss in Kalkar zu einer Empfehlung an den Rat, wie man mit dem Kriegerdenkmal im Stadtpark Altkalkarer Straße „umgehen sollte“.

Wie Fachbereichsleiter Harald Münzner umriss, entspricht der Adler mit Schwert in den Klauen auf marmornem Sarkophag der Formensprache der NS-Zeit. „Es ist nicht Käthe Kollwitz“. 80 Jahre steht er, 60 Jahre lang habe man da nun Kränze niedergelegt – und wie mehrere Parlamentarier betonten, stets an die Gestorbenen gedacht, nicht an Nazis. Kurios: Unter den gemeißelten Namen der Gefallen finden sich auch die der jüdischen Gefallenen Albert Cohen, Julius Vyth, Emanuel Vyth und Josef Cahn. Zunächst sei offenbar der Soldaten des ersten Weltkriegs gedacht worden: Inschrift auf der Front des Marmorblocks „Unseren Helden 1914-1918“. Später wurden weitere Jahreszahlen ergänzt. Doch „unsere Erinnerungskultur hat sich verändert“, sagt Münzner zwei Generationen später.

Das Thema erhalte Brisanz, seit der Kölner Historiker Dr. Hans Hesse bei der Auseinandersetzung mit dem Bildhauer Willy Meller den Nachweis führte, dass die Inschrift auf der Rückseite ums Heldentum der Soldaten „Mögen Jahrtausende vergehen...“ fast wörtlich aus Hitlers „Mein Kampf“ übernommen wurde. (erschienen als E-Book, ISBN 9783734790843.)

Münzner gab im Kulturausschuss mehrere Anregungen: Abreißen oder umsetzen des Denkmals, Inschrift belassen oder verstecken. Oder fast künstlerisch könne man davor milchige Glastafeln aufstellen, auf denen die umfassende Geschichte des Kriegerdenkmals geschildert werde, damit „kein ungetrübter Blick“ mehr auf den Stein falle, skizzierte Münzner in einer Fotomontage.

Die Politiker hatten es offenbar nach der jüngsten Erfahrungen mit einem abgelehnten jüdischen Denkmal (wie berichtet) nicht mehr so mit künstlerischem Ausdruck. Eine Hinweistafel daneben reiche doch auch, meinten Vertreter verschiedener Fraktionen.

Einig waren sich alle, dass der frühere Aufmarschplatz bald als Boule-Bahn sowieso eine andere Bedeutung bekomme: parkähnlich, bürgerschaftlich akzeptierte Grünanlage. Ein „Platz der Begegnung“, so Günter Pageler (FBK). Den Vorschlag von Hans-Wilfried Görden (CDU), das Denkmal auf den Soldatenfriedhof zu versetzen zusammen mit der jüdischen Thora-Rolle aus Beton, gefiel Bürgermeisterin Dr. Jutta Schulz nicht: etwas zynisch komme es ihr vor. Es sei ja „kein Mahnmal, sondern Glorifizierung des Krieges.“ Der Ausschuss empfahl eine „Foto-Text-Dokumentation der Geschichte des Denkmals (NS, Wettbewerb, Nachkriegsgedenken u. a.) in unmittelbarer Nähe des Denkmals ohne Verdeckung der Inschrift“. Die Ausführung ist noch offen. Kosten 2000 bis 3000 Euro.

Diverse Künstler-Entwürfe

Die Planung des Kriegerdenkmals beschäftigte seit den 20er Jahren mehrere Kalkarer Polit-Gremien, Bürgermeister und Kommissionen aus Vereinen, Kirchengruppen, Lehrern. Eine Sonderakte „Kriegerehrenmal 1936“ (Stadtarchiv) bekundet Künstler-Entwürfe, u. a. von Jupp Brüx aus Kleve und Hermann Paul Simon aus Köln. Beschluss 1934, errichtet 1936, finanziert auch durch Spenden aus der Bevölkerung. Es gibt keinen Beleg, wann die Inschrift auf der Rückseite eingemeißelt wurde.

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