Vor 80 Jahren: Bücherverbrennung in Kleve

Vor 80 Jahren wurden auch in Kleve Bücher verbrannt. Alte Aufnahmen dazu gibt es nicht mehr. Hier ein Symbolbild.
Vor 80 Jahren wurden auch in Kleve Bücher verbrannt. Alte Aufnahmen dazu gibt es nicht mehr. Hier ein Symbolbild.
Foto: WAZ
Im Hof des Staatlichen Gymnasiums verbrannten am 19. Mai Werke jüdischer und anderer Schriftsteller. Am 24. Mai, 12 bis 13 Uhr, enthüllen Lehrer und Schüler der Klasse 9 eine Bronzetafel zur Erinnerung daran

Kleve.  An einem der schändlichsten Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte beteiligten sich im Mai 1933 auch die Schüler und Lehrer des Staatlichen Gymnasiums an der Römerstraße, dem heutigen Freiherr vom Stein-Gymnasium. Initiiert durch die Deutsche Studentenschaft und mit einer Großaktion in Berlin am 10. Mai sowie an 22 weiteren Orten eingeleitet, brannten am 19. Mai 1933 auf dem Schulhof die „Machwerke aller jüdisch-marxistischen Literaten“ aus der Schülerbücherei, wie das „Clever Kreisblatt“ am 19. Mai berichtete.

„Zu diesem Zwecke,“ hieß es weiter, „wird heute Mittag zwischen 12 und 1 Uhr auf dem Schulhof des Gymnasiums ein Scheiterhaufen errichtet, dem zur Vernichtung diese Bücher und Schriften übergeben werden.“ Die Literatur, die nicht den Nationalsozialismus unterstützte oder seine Ideologie kritisch anzweifelte, also „wider den deutschen Geist“ gerichtet war, sollte ein Opfer der Flammen werden. Die Verherrlichung der Volksgemeinschaft und des Bauerntums und die Ideologie von Blut und Boden fanden die Nazis eben nicht in den Werken von Erich Kästner, Heinrich Mann, Joachim Ringelnatz oder Kurt Tucholsky. Das symbolische Bekenntnis des Klever Gymnasiums, „bei der Säuberung des deutschen Schrifttums von fremdartigen Geistesprodukten“ (Clever Kreisblatt) mitzuarbeiten, begleitete Rudolf Held, Scharführer der Hitlerjugend, mit einem markigen Aufruf: „So wie diese Bücher aus unserer Schule ausgemerzt werden, so soll das ganze deutsche Schrifttum gesäubert werden.“ (Clever Kreisblatt vom 20. Mai 1933)

Joseph Beuys war damals Schüler

Es sei die Aufgabe der Hitlerjugend, den neuen Geist dem Volke einzuhämmern, fügte er hinzu und rief die Schüler auf, „als Mitkämpfer“ einzutreten. Der alltägliche Faschismus blieb auch in Kleve nicht vor den Toren der Stadt stecken. Ein später weltberühmter Künstler war damals Schüler des Gymnasiums: Joseph Beuys, 1933 zwölf Jahre alt und mit Sicherheit auf dem Schulhof dabei. In einem Gespräch mit Georg Jappe 1976 erwähnte Josef Beuys die Bücherverbrennung. Beuys war selbst Mitglied der Hitlerjugend. Ron Manheim, ehemaliger stellvertretender künstlerischer Direktor des Museums Schloss Moyland, schrieb in einem Aufsatz, dass Beuys erzählte, er habe „ein paar Bücher dadurch gerettet, dass er sie vorher unbeobachtet entfernt habe.“ In einer Biografie wird Beuys so zitiert: „Natürlich habe ich mir aus diesem großen brennenden Haufen einiges, was mich interessierte, beiseite geschafft.“ Damals trat das Klever Gymnasium offensiv für Deutschtum, für Volks- und Wehrbereitschaft ein und unterstützte nationale Großmannssucht. Heute fühlt sich Claus Hösen, Direktor des Freiherr vom Stein-Gymnasiums, in der Tradition dieser Schule zu anderen Werten verpflichtet: „Natürlich gehört die Bücherverbrennung zur Schul- und Stadtgeschichte in Kleve. Damals wurde alles verbrannt, was in der Schulbibliothek an ‘undeutscher Literatur’ vorhanden war. Als Schule müssen wir uns dieser Geschichte stellen und damit auseinander setzen. Wer sonst, wenn nicht wir. Das Gedenken an diesen barbarischen Akt soll uns wappnen für die Zukunft, in unseren und den Köpfen der Schüler müssen wir dafür sorgen, dass so etwas morgen nicht wieder passiert.“

 
 

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