Von verspielter Nüchternheit

Kleve..  Johannes Wald macht es dem Betrachter nicht eben leicht. Es ist kaum möglich sich seinen Werken zu nähern, sie zu sehen und sie zu verstehen. Das ist es auch nicht, was den Künstler interessiert. Er zeigt keine fertige Skulptur, sondern den Weg dorthin, er beschreibt dezidiert ein Werk, das dann nur in seiner Vorstellungskraft und der des Lesers tatsächlich zu existieren beginnt.

Die Geschichte hinter dem Werk

Was kompliziert und unzugänglich klingt, ist beim Rundgang durch die Ausstellung „Geste und Gefühl/attempts at forming appropriate finds“ ein faszinierender Blick in das Denken und Arbeiten des Konzeptkünstlers Johannes Wald. Seine Arbeiten sind noch bis zum 9. Juni im Museum Kurhaus Kleve und dort im Friedrich Wilhelms-Bad zu sehen.

„Kunst kann nicht nur bequem und zugänglich sein“, findet die Kuratorin der Schau, Valentina Vlasic. Kunst müsse vor allem facettenreich sein. Die „verspielte Nüchternheit“, mit der Johannes Wald sich mit Fragen der Plastik, des Raums und der Dreidimensionalität auseinandersetze, mache ihn zu „einer Perle unter den jungen Künstlern“. Ihn interessiere es nicht dekorativ zu sein, ihm gehe es um die Geschichte hinter dem Werk, um den Prozess des Entstehens.

So setzt er sich in seiner Arbeit „Kontrapost“ mit der Schaffung einer stehenden Figur auseinander – einziger Hinweis auf diese Skulptur sind vier Fußabdrücke in Gips vom Stand- bzw. Spielbein der imaginären Gestalt – vollendet nur im Kopf des Künstlers. Podest wie Farbgebung sind im übrigen exakt auf die Räume abgestimmt. Die Diaprojektion eines Faltenwurfs auf eine Marmorplatte bekommt durch Licht den Eindruck von Dreidimensionalität. Für diese Arbeit wählte Wald den historischen Hochzeitssaal.

„Johannes Wald hat für seine Ausstellung das Kurhaus am Computer nachgebaut, unser Haus mehrfach besucht und immer wieder Fotos angefordert, um seine Werkauswahl abstimmen zu können“, erinnert sich Vlasic an die Vorbereitung der Ausstellung.

Wie eine Sehhilfe

Der 34-Jährige nimmt den Betrachter seiner Werke durchaus auf seinem Denkprozess mit. Wie eine Art Sehhilfe funktioniert etwa Walds Beschäftigung mit Bronze als klassisches Material des Bildhauers. Wie ein Kopf aus Bronze geschaffen wird, „zeigt“ er, indem er die Gusskanäle nicht entfernt, durch die die flüssige Bronze fließt.

Johannes Wald gilt schon jetzt als herausragender Künstler seiner Generation und ist in vielen Häusern und Privatsammlungen vertreten. „Ich bin froh“, sagt Valentina Vlasic, „ihn so früh zeigen zu können.“

 
 

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