Vom Zelt zum Wohnwagen

Geschaefsfuehrerin Daniela Dellemann am Strand der Freizeitstaette Wisseler See.
Geschaefsfuehrerin Daniela Dellemann am Strand der Freizeitstaette Wisseler See.
Foto: WAZ FotoPool
Der Freizeitpark Wisseler See wird 50 Jahre alt. Ein Rückblick in die gute alte Zeit, als Kinder noch 50 Pfennig Eintritt zahlten

Kalkar-Wissel..  Angefangen hat alles eigentlich schon vor Jahrtausenden. Da floss der Rhein mal hierhin, mal dorthin. Und an den Stellen, an denen er früher mal entlanggerauscht ist, hat er Sand, Kies und Lehm hinterlassen. 1932 begann man in Wissel mit den ersten Kies-Abgrabungen. Am solchermaßen neu entstandenen See badeten schon bald die ersten Anwohner, auch Zelten war rasch beliebt. Auch wenn beides verboten war.

Im November 1963 begann man mit der Kultivierung des Seegeländes. Die Idee: Man schafft ein Erholungsgebiet mit Badestrand und Campingplatz. Ganz einfach ist das nicht. Denn um den leicht abfallenden Sandstrand hinzubekommen, muss man das vier Meter hohe Steilufer abtragen. Zudem errichtet man ein Gebäude mit sanitären Anlagen und teilt das Campinggelände in 126 Zeltplätze auf. Die Kosten betragen fast 400 000 DM. Am 15. Juni 1965 nimmt der neue Freizeitpark den Betrieb auf. Badegäste zahlen 1 DM Eintritt, Kinder 50 Pfennig.

Die Begehrlichkeiten der Camper

An Wohnwagen denkt 1965 noch niemand. Zelten heißt die Devise der Stunde. Aber schon fünf Jahre später rücken die ersten Wohnwagen an. Die erregen Aufsehen und wecken Begehrlichkeiten. „Als ich gesehen habe, dass die anderen sich Wohnwagen gekauft haben, habe ich mein neues Zelt eingepackt und mir auch einen Wohnwagen gekauft“, erinnert sich Frau Eumann, Camperin der ersten Stunde. Und Frau Leson stellte ihrem Gatten gar ein Ultimatum: „Ab dem dritten Kind geh ich nicht mehr auf den Boden“, sagte sie.

In den 70er Jahren konnte man an Wochenenden im Sommer schon mal 10 000 Badegäste zählen. Konkurrenz gab es ja kaum. Im Winter mussten die Camper den Platz räumen.

Bauern aus der Umgebung stellten für kleines Entgelt Abstellmöglichkeiten Platz in ihren Scheunen zur Verfügung. Aber auch um Ostern herum konnte es noch bitter kalt sein. „Da waren schon mal die Pullover im Schrank festgefroren“, sagt Frau Leson.

Doch den Stammgästen machte die Witterung nichts aus. Ihr Erregungspotential wurde vielmehr Mitte der 90er Jahre geweckt.

Da bekamen die Dauercamper nämlich Post. Sie müssten auf dem Gelände umziehen, weil das Gelände umgestaltet werden solle. Fast 130 Camper treffen sich daraufhin im Januar 1995 in Wissel und beauftragen einen Rechtsanwalt mit der Wahrung ihrer Interessen.

Heute sind die meisten Stellplätze längst umwachsen von Hecken, manche Familien haben ihre Campingleidenschaft bis in die vierte Generation vererbt. Die älteste Camperin, die 93-jährige Frau Steffen, hat neben ihrem Sohn und seiner Frau auch den Enkelsohn und dessen Frau zum Campen in Wissel animiert. Ihr Urenkelsohn wächst nun auch an den Wochenenden in der Wisseler Idylle auf.

Die DLRG war immer dabei

Wenn nun der Freizeitpark Wisseler See Geburtstag feiert, darf ein anderer Jubilar nicht unerwähnt bleiben: die DLRG Goch. Drei Gocher Rettungsschwimmer nahmen am 6. Juni 1965 ihren Dienst in Wissel auf. Sie sicherten die Privatstrände und den Segelbetrieb auf dem See ab. Damals wohnten sie in einem Zelt. 1978 schaffte sich die DLRG einen Wohnwagen und ein gebrauchtes Sportboot als Rettungsboot an. Mittlerweile wachen sommertags zehn Rettungsschwimmer über die Badegäste. 1998 bekam die DLRG eine feste Unterkunft. Die Bilanz seit 1965: Sieben Rettungen aus Lebensgefahr und ungezählte Erste-Hilfe-Einsätze. Alles selbstredend ehrenamtlich.

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