Vier Wochen Geheimsache

So könnte für zwei Jahre das Klever Rathaus aussehen: 150 Container (hier als Beispiel von der Firma Fagsi) miteinander verbunden. Foto: Thorsten Lindekamp
So könnte für zwei Jahre das Klever Rathaus aussehen: 150 Container (hier als Beispiel von der Firma Fagsi) miteinander verbunden. Foto: Thorsten Lindekamp
Foto: privat

Kleve. Es wird hinter geschlossenen Türen gesprochen und es wird noch gut vier Wochen lang geheim gehalten. Dann aber wird den Klever Bürgern alles verraten: Ab wann das Rathaus nun saniert wird, wohin die Beamten für zwei Jahre umziehen während der Umbauzeit. An wen die Flächen vom Minoritenplatz verkauft werden, welche Geschäfte oder Hotels dort wohl entstehen sollen. Der Rat tagt heute Abend nicht öffentlich. Denn es geht um Millionen. Es geht um Investoren, die wieder abspringen könnten, wenn man ihnen ein Geschäft durch Indiskretion vermasselt.

Dicker Packen
Informationen

Der dicke Packen Informationen, den die Politiker heute Abend mitnehmen, wird in den jeweiligen Fraktionen durchgesprochen: Was wollen wir? Am 2. Februar wird erneut nicht öffentlich über Namen und Vergaben gesprochen: Gibt es für jede Bauaufgabe auch die passende Firma, die Zeit und genug Leute hätte – man darf nicht vergessen, dass viele Handwerker derzeit sehr gut mit Aufträgen ausgelastet sind. Und dann bleiben 14 Tage Widerspruchsrecht der Firmen, bevor die Öffentlichkeit informiert wird.

So viel aber ist sicher: Die Unterstadt, an der mittlerweile seit zehn Jahren geplant wird – im September 2000 gab es die ersten Bürger-Workshops – , ändert sich innerhalb der nächsten zwei Jahre so sehr, dass Alt-Klever sie nicht wiedererkennen werden. Nach Kreisverkehren und Opschlag-Umgestaltung wird jetzt der große Wurf in der Unterstadt Schlag auf Schlag abfolgen.

In vier „Bau-Lose“ werden die Bauaufträge aufgeteilt.

Los 1 ist das Rathaus. Es wird so saniert, wie es die Bürger als „Variante C“ mit Abstimmungs-Mehrheit wünschten: Der Baukörper des ehemaligen Krankenhauses wird renoviert, der angebaute Ratssaal bleibt an seinem Platz, wird allerdings zum gläsernen Kubus.

Tiefgarage statt
Minoritenplatz

Wohin mit den Mitarbeitern in der Zeit? Da gibt es drei Möglichkeiten: leerstehendes Union-Gebäude, leerstehendes XOX-Gebäude oder Bürocontainer am Bahnhof errichten. So verlockend billig die Nutzung der „Union“ auf den ersten Blick erscheint, so kompliziert könnte die Umsetzung werden. Denn Altbauten wie diese haben keine modernen, unterbrecherfreien Datenleitungen für Computernutzung, keine PC-gerechte Beleuchtung, keine angemessene Stromversorgung. Bürocontainer könnten sich auszahlen, denn sie bringen die Technik fertig installiert mit, man würde die „Legosteine“ nur noch – im Klever Falle vermutlich dreigeschossig – zusammensetzen. Die Politiker müssen entscheiden, was günstiger ist.

Die Lose 2 und 3 (siehe Abbildung) stehen beide auf einer Tiefgarage, denn sie besiedeln ja den Minoritenplatz. Also werden sie entweder zeitgleich gebaut, oder ein Investor ist bereit, schon mal die Einfahrt allein zu buddeln.

Ein Jahr Zeit
für Umsetzung

Beide viel-winkligen Gebäudetrakte zu je 5000 bis 7000 Quadratmetern sollen Einzelhandel im Erdgeschoss und Geschäftsetagen oder Dienstleistungsbüros im Obergeschoss beherbergen. Das wird ein Investor nur dann beginnen, wenn Vorverträge gelten, wer hier eröffnen will: Anbieter für Bekleidung, Drogerie, Elektro, Lebensmittel? Alles denkbar. Die Stadt als Grundstücksverkäufer wird sicher festschreiben, dass in einer gewissen Frist – vermutlich etwa einem Jahr – auch Taten folgen. Die Logistik an dieser engen Baustelle wird noch ein Kunststück für sich werden, aber soll schon in zwei Jahren über die Bühne sein.

Los 4 schließlich wird ein „Beherbergungsbetrieb“ sein. Hier brodelt Kleves Gerüchteküche eifrig, wer denn wohl ein Hotel bauen will und wie das Hafenbecken aussieht.

In diesem Frühjahr ist Baustart zum Schließen der Baulücke am Opschlag, ehemals Motorrad Walraven, mit dem Ärztehaus (die NRZ berichtete ausführlich). Auch das bekommt eine Tiefgarage.

Die Gebäude an der Hafenstraße werden abgerissen, dortige Mieter anderwärtig ein Zuhause finden (so sucht Second-Hand-Shop „FlicFlac“ eine neue Bleibe). Im Laufe der nächsten zwei Jahre zu klären ist noch, wie sich die Ludwig-Jahn-Straße als Studentenwohnungs-Meile entwickelt, was aus den Kleingewerbeflächen wird, wenn der Hagebaumarkt an den Klever Ring (gegenüber dem jetzigen Hotel Cleve) umzieht. Und: Die Hochschule baut bis Mitte 2012. Also: Mitte 2013 hat Kleve ein neues Gesicht.

 
 

EURE FAVORITEN