„Verlässlichkeit ist das Wichtigste“

Artur Leenders hört nach acht Jahren Kommunalpolitik auf. Nach einer Zeit des politischen Stillstandes haben die Grünen wieder lösungsorientierte Politik gemacht

Kleve.  „Alles hat seine Zeit“. Das ist Wahlspruch und Lebensspiegel von Artur Leenders. Als er mit ein paar Leuten mit dem ersten nicht-konfessionellen und ersten Elterninitiativ-Kindergarten „komplettes Neuland“ betrat (Montessori-Kinderhaus), „da habe ich nie an politische Arbeit gedacht“. Jetzt ist er Kleves stellvertretender Bürgermeister, hat in seiner Rückschau in zwei Legislaturperioden viel erreicht und findet es an der Zeit, aufzuhören. Mit der NRZ blickt er zurück.

Bis um drei Uhr gefetzt

„Historische Fenster“ nennt er bestimmte Zeiträume und verknüpft sie mit Namen, positiv wie negativ. Schwung in die Elterninitiativarbeit hätten einst die „Liberalen Demokraten“ gebracht. „Zeitverschwendung“ seien dagegen die Sitzungen gewesen, wenn sich „Stadtdirektor Manni Palmen und Josef Merges gefetzt haben bis drei Uhr morgens. Das haben sicher noch viele Ehefrauen von Abgeordneten in Erinnerung. Da war politischer Stillstand“. Artur Leenders, erst sachkundiger Bürger bei der SPD, dann von Michael Bay zu den Grünen geholt, schrieb im Trio mit Siegbert Garisch dann an Lösungs-Konzepten für Klever Probleme: 1. veraltete Struktur der Schullandschaft. 2. Renovierungsstau an Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden, 3. zum Stillstand gekommene Verkehrsplanung, 4. verbesserungswürdige Vermarktung von Kleve mit Ziel der Privatisierung von Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing, 5. den „Skandal“ zu beenden, dass Asylbewerber zwangsweise überteuerte Lebensmittel am bayerischen Lieferwagen kaufen mussten, 6. das „Lex Palmen“ zu beenden, dass Investoren die Planung von Wohnbebauung komplett überlassen wurde.

Das schwarz-grüne Projekt

„Pikanterweise sind wir mit dem Thema Minoritenplatz in den Wahlkampf gezogen“, erinnert er sich. Multi Development hieß der Investor, der fast den Zuschlag erhielt über die vollen 25 000 Quadratmeter. „Dann wäre die Innenstadt ausgestorben“, so Leendes. Zumal der Niederländer auch niederländische Architekten, Handwerkern und Banken beauftragt hätte und „der Wirtschaftsimpuls an Kleve vorbei gegangen wäre“.

Die CDU schwenkte auf Grüne Ablehnung ein, „schon da hatten wir einen guten Draht,“ erinnert Leenders. „Am besten kann man Leute auf den Fluren überzeugen“, sagt er. Wer einen Vorschlag vorbrachte, war ihm stets egal, sagt er uneitel. Es ging ihm um die Sache.

Als die CDU bei der Wahl ihre absolute Mehrheit verlor und die Grünen einen starken Partner suchten, fand man sich. „Ein glücklicher Zufall. Eine Personalkonstellation, die funktioniert. Erst wurde Theo Brauer zusammen geprügelt von den Konservativen in seinen Reihen, ich wurde zusammen geprügelt von der Grünen Basis. ‘Lass uns arbeiten, die werden sich beruhigen’, haben wir uns gesagt“, erinnert sich Artur Leenders. „Gegenseitige Verlässlichkeit ist uns das Wichtigste“.

In der Zeit der Schwarz-Grünen-Koalition „wurden die wichtigsten Beschlüsse im Rat alle einstimmig gefasst“, auch mit den anderen Fraktionen, freut er sich.

Leenders will nun gar nicht mehr in der Politik mitmischen, auch nicht im Wahlkampf. „Alles hat seine Zeit. Neue Leute, neue Ziele.“ Das gelte auch für den Minoritenplatz. „Ich glaube, dass sich da jetzt 20 Jahre lang nichts tun wird“. Er befürworte eine Bebauung. „Da ist Innenstadt. Das heißt vier- bis fünfgeschossige Bebauung. Auch wenn man dann die Schwanenburg nicht mehr von Kellen aus sieht“, so Artur Leenders. Kleves City brauche weder Park noch einen See, der die historische Stadtmauer überflute.

Ende als Leitender Notarzt

Eine weitere Position hat der Unfallchirurg Dr. Artur Leenders jetzt ebenfalls beendet: 20 Jahre lang war er Leitender Notarzt im Kreis Kleve. Seine Praxis in Kalkar betreibt er weiter, als Akut-Mediziner ohne Termine, da muss jeder, auch Privatpatienten, in die Warteschlange. „Ich gucke seit 30 Jahren ohnmächtig zu, wie ein funktionierendes Gesundheitssystem zu Klump gehauen wird“, klagt er, dass Assistenten-Berufe so schlecht bezahlt werden, dass 50 Prozent der Studenten „aus dem Hörsaal direkt ins Ausland abwandern“. Hier gebe es für sie nur Zwei-Jahres-Verträge, obwohl eine folgende Facharztausbildung fünf Jahre dauert. „Da kann man keine Familie gründen, kein Haus bauen.“ Und „wenn einer für seine geschiedene Frau zahlen muss, kann er die Praxis dicht machen, so simpel ist es“, weiß er von Kollegen.

 
 

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