Tödliche Schüsse aus Polizeiwaffe in Goch waren wohl Notwehr

Mit seiner Dienstwaffe hatte der Polizist einen 37-jährigen Mann im Park erschossen.
Mit seiner Dienstwaffe hatte der Polizist einen 37-jährigen Mann im Park erschossen.
Foto: Kerstin Kokoska, WAZ FotoPool
Der Polizist, der einen Mann im Gocher Park mit seiner Dienstwaffe getötet hat, handelte wohl in Notwehr. Das haben die vorläufigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kleve ergeben. Bisher sehe man keine Handlungsalternative für den Beamten. Dieser ist seit dem Vorfall dienstunfähig.

Goch.. Gut sechs Wochen nach den tödlichen Schüssen aus einer Polizeiwaffe auf einen Mann in Goch liegt das vorläufige Untersuchungsergebnis der Ermittler vor: "Nach derzeitigem Erkenntnistand ist davon auszugehen, dass der Beamte in Notwehr gehandelt hat", sagt Stefan Müller von der Staatsanwaltschaft Kleve am Freitag auf Nachfrage.

Demnach hatte der Polizist am 11. August drei Schüsse aus seiner Dienstwaffe abgefeuert, nachdem ein 37-Jähriger ihn im Stadtpark mit einem Taschenmesser und den Worten "Ich stech' dich ab, ich stech' dich ab!" bedroht hatte. Das Todesopfer soll langjährig Drogen konsumiert und wegen psychischer Auffälligkeiten unter Betreuung gestanden haben.

Pfefferspray und Warnschuss

Vor den tödlichen Schüssen habe der Beamte Pfefferspray eingesetzt und einen Warnschuss in die Luft abgegeben, schildert Staatsanwalt Müller die letzten dramatischen Minuten des Polizeieinsatzes. Doch davon habe sich der Angreifer unbeeindruckt gezeigt.

Als er noch etwa zwei Meter entfernt war, habe der Polizist einen ersten Schuss auf den Mann abgegeben. Der Getroffene habe noch immer keine Reaktion gezeigt. Daraufhin seien zwei weitere Schüsse gefallen, sie trafen den 37-Jährigen in die Brust. Er sackte in sich zusammen. Der sofort alarmierte Notarzt konnte trotz Reanimation nur noch den Tod feststellen.

Abschlussbericht steht noch aus

Bisher sehen die Ermittler keine Handlungsalternative für den Beamten. Seine Schilderungen und die seines Kollegen seien stimmig und würden zu dem pathologischen Befund der Rechtsmedizin passen. Wenn es bei diesem Sachstand bleibe, werde das Ermittlungsverfahren eingestellt und kein Gerichtsverfahren eröffnet, so Müller. Der Abschlussbericht steht aber noch aus, er wird für die kommenden Wochen erwartet.

Der Polizeibeamte ist seit dem Vorfall in einer Trauma-Therapie, seinen Dienst konnte er bislang nicht wieder antreten.

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