Tiefer Griff in die Trickkiste

Ausstellung: "20 Jahre Schengener Abkommen" im Haus zu den fünf ringen in Goch
Ausstellung: "20 Jahre Schengener Abkommen" im Haus zu den fünf ringen in Goch
Foto: NRZ
Eine Ausstellung im Gocher Haus der fünf Ringe am Markt zeigt eindrucksvoll, welchen Einfallsreichtum Schmuggler früher am Niederrhein an den Tag legten

Goch.  Schmunzelnd wiegt Jürgen Hoymann einen Behälter in den Händen, der auf den ersten Blick wie eine ganz normale Bierdose anmutet. Doch weit gefehlt: Die Dose ist auf raffinierte Weise präpariert und am Boden mit einem Schraubverschluss versehen. „In so einer Konstruktion konnten Schmuggler problemlos ein paar Gramm Heroin über die Grenze schaffen“, sagt einer, der es wissen muss, denn Hoymann war seit den frühen 80er Jahren als Zöllner im Grenzdienst in Goch und Elten tätig und arbeitet heute im Bereich Finanzkontrolle und Schwarzarbeit in Emmerich.

Die Geschichte des Zolls hat ihn auch privat nicht losgelassen – so sammelte Hoymann stets skurrile Objekte aus jener Zeit, als eine deutsche Familie bei einem Ausflug in die Niederlande noch zittern musste, ob die Obrigkeit sie problemlos ins Nachbarland lassen wird. An der Grenzabfertigung bildeten sich damals regelmäßig lange Staus, da die Zöllner die Pässe der Einreisenden strengstens kontrollierten. Eine Ausstellung mit dem Titel „20 Jahre Schengener Abkommen – Auf Schmuggelpfaden zur Reisefreiheit“, organisiert vom Heimatverein Goch, widmet sich ab dem 17. Oktober im Haus zu den fünf Ringen diesem Kapitel deutscher Geschichte.

Die Exponate lassen ahnen, wie viel Raffinesse und Einfallsreichtum die Schmuggler oft an den Tag legten, um unbehelligt mit ihren Waren die Grenze passieren zu können. Da wären etwa ausgehöhlte Holzleisten, in deren Inneren sich stangenweise Zigaretten verbargen. Zusammengesteckt sahen die Bretter aus wie eine gewöhnliche Holzpalette. Vieles ist hier nicht , wie es scheint: Ein Paar holländische Klumpen ist an der Sohle so manipuliert, dass der Fußabdruck in die entgegengesetzte Richtung zeigte. Die falschen Spuren sollte die Grenzer verwirren, wenn sie die Verfolgung aufnahmen. So nimmt die Ausstellung die Besucher mit auf eine amüsante und lehrreiche Zeitreise in ein Europa der überwachten Grenzen.

Denn jahrzehntelang war der Schmuggel auch in Goch ein lukrativer Erwerbszweig, der gesellschaftlich von vielen akzeptiert und mithin romantisch verklärt wurde. Doch die Gefahren wuchsen mit der Zeit, da Zollbeamte und Schmuggler sich zunehmend bewaffneten und sich teils heftige Feuergefechte lieferten – so forderten die Zollkontrollen durchaus auch Tote. Die Situation änderte sich rasant, als 1993 – drei Jahre nach der deutschen Einheit – der Europäische Binnenmarkt geöffnet wurde und

1995 schließlich das Schengener Abkommen in Kraft trat. Galt dies erst nur für wenige Länder, gehören heute nunmehr 22 EU- und vier Nicht-EU-Länder dem Schengen-Raum an. Europa ist so gut wie grenzenlos und Kontrollen gibt es nur noch im Verdachtsfall bei illegalen Waren wie gefälschten Marken-Artikeln oder Drogen.

 
 

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