Staatsanwaltin fordert sechs Jahre Haft

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Kleve..  Das Ende des Prozesses vor dem Landgericht Kleve wegen sexuellen Missbrauchs – angeblich vom Vater an der Tochter begangen – ist in Sichtweite (die NRZ berichtete). Gestern hatten Staatsanwaltschaft und Verteidigung das Wort.

Während für die Staatsanwaltschaft die Täterschaft des Angeklagten Siegfried T. (Namen geändert) aufgrund der von der Zeugin und Nebenklägerin Sandra T. gemachten Aussagen – deren Glaubhaftigkeit durch das Gutachten von zwei Sachverständigen bestätigt seien – bewiesen ist, kam der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Pichler, zu einer völlig anderen Wertung. Wo für die Staatsanwaltschaft die Widersprüche in der Zeugenaussage von Sandra T. nichts an deren Glaubhaftigkeit ändern, stellt für die Verteidigung die Beweisführung in Missbrauchsprozessen besonders hohe Ansprüche.

Die sind nach Auffassung Dr. Pichlers in keiner Weise erfüllt, die Konstanz in der Erinnerung der Zeugin an das Kerngeschehen der Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorfälle sei wegen widersprüchlicher Angaben in ihren ersten Schilderungen und den Aussagen in der Hauptverhandlung nicht gegeben: „Die Gesamtaussage der Nebenklägerin kann keine Glaubhaftigkeit ihrerseits begründen.“ Die Zeugin sei wesentlich von ihren Aussagen in der Hauptverhandlung abgewichen.

Gutachten mit „eklatanten Mängeln“

Ausführlich nahm Rechtsanwalt Dr. Pichler zu den seiner Meinung nach mit „eklatanten Mängeln“ behafteten Gutachten – insbesondere des Sachverständigen Professor Dr. Uwe Jopt – Stellung. Da dieses erste, von der Sachverständigen Dr. Katharina Behrend (übrigens die Lebensgefährtin des Professors) ergänzte Gutachten wegen dieser Mängel unbrauchbar sei und ein weiteres Gutachten durch Prof. Hilde Trapmann wegen mangelnder Datenlage nicht abgegeben werden konnte, sei die Strafkammer auf die eigene psychologisch-psychiatrische Sachkunde angewiesen.

„Doch woher soll die kommen, wenn die Kammer sich bisher auf die Gutachter verlassen hat?“, fragte der Verteidiger angesichts dreier Aufträge an die Sachverständigen. Die Staatsanwaltschaft beantragte wegen sexuellen und schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und wegen Vergewaltigung eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren, die Verteidigung forderte einen Freispruch.

Aufgrund der teilweise sehr lange zurückliegenden Straftaten, dem wegen interner Probleme bei der Staatsanwaltschaft zeitaufwändigen Ermittlungsverfahren und angesichts von bisher sieben Verhandlungstagen ist es nicht nachvollziehbar, warum das Gericht bis zur Urteilsverkündung am 28. Juni eine weitere Woche verstreichen lässt. (Fortsetzung folgt)

 
 

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