St.-Markus-Kirche ist Graf Arnolds großes Denkmal

Wuchtig und erdverbunden, magisch in die Höhe gereckt, so gibt sich die St.-Markus-Kirche.
Wuchtig und erdverbunden, magisch in die Höhe gereckt, so gibt sich die St.-Markus-Kirche.
Foto: Kleve
St. Markus Bedburg-Hau ist ein romanischer Zentralbau und damit einzigartig am Niederrhein.

Bedburg-Hau..  Es gab Zeiten, in denen die Mächtigen um ihr Seelenheil besorgter waren als um das Wohlergehen ihrer Untertanen. Sie stifteten Klöster, in denen Mönche oder Nonnen für sie beten sollten. Meist ließen sie sich auch noch auf einem Kunstwerk in der Klosterkirche abbilden, damit zukünftige Generationen sich auch ja gut an sie erinnern würden. Dass man sich dafür feiern lässt, etwas vermeintlich Gutes zu tun, das gibt es auch heute noch: beispielsweise bei allerlei Charity-Veranstaltungen, Stiftungen oder Spendengalas.

Doppelkloster aus 12. Jahrhundert

Nur klappt das mit der Wertschätzung der Nachwelt für die eigene Lebensleistung nicht immer so ganz. So hat angeblich irgendein Ludolf im 8. Jahrhundert im heutigen Schneppenbaum ein Bethaus errichtet. Mehr weiß man darüber nicht. Dass man sich in Kleve oder Bedburg-Hau dem Grafen Arnold und seiner Gemahlin Ida heute noch in irgendeiner Weise verbunden fühlen würde, ist ebenfalls kaum anzunehmen. Jedenfalls ließen diese beiden in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts an der Stelle des Bethauses ein Kloster für die Prämonstratenser errichten. Und zwar ein Doppelstift, also gleichzeitig ein Kloster für Frauen und Männer. Gegründet hatte diesen mächtigen Orden übrigens Norbert von Xanten, einer der zahlreichen Wanderprediger.

In Schneppenbaum hatte das Doppel-Kloster bald keine Zukunft mehr. Von Männern schweigen die Akten schon 1272. Im Jahre 1379 verzeichnet man noch 34 adelige Jungfrauen. 1604 siedelte der inzwischen freiweltliche Damenkonvent nach Kleve über. Die Klostergebäude verfielen oder wurden abgerissen, da man die Steine anderswo besser brauchen konnte. Zurück blieb die Kirche: ein kreuzförmiger romanischer Zentralbau, eine Bauform, die nicht nur am Niederrhein sehr selten anzutreffen ist. Aber selbst vor der Kirche machten die Steinräuber nicht Halt. Drei der vier Kreuzarme riss man ab. Der Rest des Gebäudes wurde 1804 zur Pfarrkirche.

Der erste Pfarrer war zuvor Mönch im Kalkarer Dominikanerkloster gewesen, das die französischen Revolutionstruppen gerade aufgelöst hatten. Er brachte einige Einrichtungsstücke mit nach Schneppenbaum, darunter ein großartiges Vesperbild, das möglicherweise Meister Arnt von Kalkar gestaltet hat: Die klagende Maria hält den Leichnam ihres Sohnes in Händen. Ihre Mimik ist so intensiv, dass man beim Betrachten unweigerlich noch immer gerührt ist.

Ende des 19. Jahrhunderts dämmerte den Menschen, dass da ein einzigartiges architektonisches Denkmal unter ihren Augen zusehends verfiel. Niemanden interessierte mehr der Stifter oder gar sein Seelenheil, es ging nun einzig und allein um das Gebäude. So hatte Graf Arnold sich das bestimmt nicht gedacht.

43 Fenster von Joachim Klos

Bis 1902 stellte man den alten Zustand weitgehend wieder her. Aber auch in der Folgezeit gab es jede Menge bauliche Veränderungen, darunter Ende der 1960er Jahre den Einbau der 43 wunderbaren Fenster von Joachim Klos. Neben den Kunstwerken, darunter 30 Linolschnitte von Franz Joseph van der Grinten, lohnt sich ein Besuch schon wegen des ganz besonderen Raumgefühls. Wuchtig und erdverbunden, magisch in die Höhe gereckt, so gibt sich die Kirche. Die Architekten vor 900 Jahren haben Großartiges vollbracht. Das muss ihnen erst mal wer nachmachen.

 
 

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