Senioren experimentieren mit dem Tablet

Karolina Warkentin
Senior Kulturreporter
Senior Kulturreporter
Foto: NRZ
Das Projekt „Senior-Kulturreporter“ verbindet Kunst mit Technik. Senioren lernen spielerisch den Umgang mit neuen Medien

Kleve.  Im Aufenthaltsraum des Seniorenzentrums Herz-Jesu-Kloster bietet sich ein ungewöhnliches Bild: An vier Tischen sitzen die Bewohner der Einrichtung und hantieren mit Tablets. Sie recherchieren mit Google, machen Fotos und drehen Videos. Studenten sitzen mit am Tisch, geben Hilfestellung im Umgang mit den Geräten. Neben ihnen sind Kopien der Bilder aus der Ausstellung „Around the World. Farbfotografien vor 1914 – eine Entdeckungsreise“, die aktuell im Museum Schloss Moyland zu sehen ist, ausgelegt.

Es ist eines von acht Treffen des Projekts „Senior-Kulturreporter: Mit Tablets auf den Spuren der Kunst“. Die Kunsthistorikerin Nicole Brögmann initiierte das Projekt und holte die Katholische Karl-Leisner-Trägergesellschaft, die das Seniorenzentrum betreibt, Schloss Moyland und die Hochschule Rhein-Waal als Partner ins Boot.

„Die Senioren lernen spielerisch den Umgang mit neuen Medien. Im Kern geht es darum, die Offenheit dafür zu fördern und die Hürden im Umgang zu erkennen“, sagt Brögmann. Zu Beginn stand ein Besuch in der Ausstellung. Die Teilnehmer suchten sich Fotografien, die ihnen besonders gut gefielen und recherchierten dazu. Tablets und Smartphones sind für die meisten bereits zum festen Bestandteil des Alltags geworden. Bei der Generation 65 Plus ist das nicht immer der Fall. „Bei vielen gibt es noch Berührungsängste. Oft ist es auch einfach die Angst, etwas an dem Gerät kaputt zu machen“, berichtet die Kunsthistorikerin. Ido Iurgel von der Fakultät für Kommunikation und Umwelt der Hochschule Rhein Waal spricht von „e-Inklusion“. Ihm gibt das Projekt Aufschluss darüber, wie Hardware und Software entwickelt werden muss, damit diese den Ansprüchen von Senioren gerecht wird.

Die ersten Reaktionen auf das neue Projekt waren eher verhalten und viele der Bewohner skeptisch. Erst nach und nach sind sie damit warm geworden. Maria Boßmann, eine der Teilnehmerinnen, ist Feuer und Flamme. Die 86-Jährige hat sich nun sogar selbst ein Tablet angeschafft. „Ich bin noch etwas verspielt, sagen meine Kinder immer“, lacht die ältere Dame. Sie hat sich Fotografien aus Ländern ausgesucht, in denen sie selbst oder ihre Kinder waren. „So habe ich einen Bezug dazu“, erklärt sie. Das Projekt mache ihr viel Spaß und wecke Erinnerung, beispielsweise zu den ersten Farbfotos, die sie selbst machte. Auch den Besuch im Museum hat sie sehr genossen. „Ich möchte, Perspektiven eröffnen. Auch ältere Menschen haben ein Recht auf den Zugang zu neuen Entwicklungen“, sagt Brögmann. Sie plant bereits weitere Projekte.