Sekundarschule kämpft ums Überleben

Die Sekundarschule wird von vielen Eltern als Fortführung der Hauptschule gesehen.
Die Sekundarschule wird von vielen Eltern als Fortführung der Hauptschule gesehen.
Foto: NRZ
Nur mit einer Sondergenehmigung lässt sich der Betrieb in Bedburg-Hau noch aufrecht erhalten. Lediglich 25 Anmeldungen sind dauerhaft nicht genug.

Bedurg-Hau..  Gabriele Pieper hat keine dankbare Aufgabe: Die Leiterin der Sekundarschule Kleve kämpft seit Gründung der neuen Schulform gegen Vorurteile. Ein Großteil der Eltern sieht die Sekundarschule als direkte Nachfolgerin der einstigen Hauptschule. Die Erfahrung zeigt: Nur wer eine explizite Hauptschulempfehlung bekommt, der meldet sein Kind bei der Sekundarschule an. „Wir müssen feststellen, dass das integrierte Lernen eine Form ist, die in Bedburg-Hau nicht gewünscht wird“, sagte Gabriele Pieper im Schulausschuss der Gemeinde Bedburg-Hau. Und klang dabei ziemlich resigniert. „Das ist schade, denn wir haben viel Energie reingesteckt. Ich hoffe, dass wir von der Bezirksregierung eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Ansonsten sehe ich keine Chance.“

„Die Situation ist ernst“

Die Anmeldezahlen sprechen in Bedburg-Hau eine klare Sprache. Nur acht Kinder der Bedburg-Hauer Grundschulen wollen das Angebot vor Ort nutzen. Das sind nur 6,6 Prozent der tatsächlich abgehenden 120 Viertklässler. Die Eltern schicken ihre Kinder lieber zu den Gymnasien, Realschulen und Gesamtschulen der umliegenden Kommunen – die Sekundarschule wird als letzte Möglichkeit wahrgenommen. Für den Fortbestand des Standortes Bedburg-Hau reichen die Anmeldezahlen nicht. Denn die Sekundarschule ist in Bedburg-Hau immer zweizügig zu führen – so sieht es die Genehmigung vor.

„Die Situation ist ernst“, schlussfolgerte der Ausschussvorsitzende Manfred Opgenorth (CDU). Das Ergebnis zeige, dass die Eltern die Sekundarschule nicht akzeptieren. „Wir müssen für den Standort kämpfen“, sagt Opgenorth. Es müssen die Vorteile der Schule noch stärker betont werden.

Die Möglichkeiten der Aufklärung sieht Grundschulleiterin Barbara Schmidt-Neubauer (GGS St. Markus) begrenzt: „Die Sekundarschule wird mit der Hauptschule gleichgesetzt. Da kann man so viel beraten wie man will“. Auch Andrea Meurs-Gulan (Grundschule Hau) erkennt ein massives Imageproblem. „Wer eine Empfehlung fürs Gymnasium oder die Realschule hat, der schickt sein Kind nicht zur Sekundarschule“. Mit der Folge, dass am Ende in der Tat fast nur noch die Schüler mit Hauptschulniveau in der Sekundarschule landen.

Für Gabriele Pieper gibt es viele Ursachen. Auch die räumliche Situation im ehemaligen Johanna-Sebus-Gymnasium sei so schlecht, dass sie viele Eltern abschrecke. „Die Eltern glauben nicht, dass man gemeinsam lernen kann. Uns wird das einfach nicht zugetraut.“ Erst wenn in zwei Jahren die ersten Schüler in die Oberstufe gingen, könne es einen Wechsel in der Wahrnehmung geben, so Pieper.

Ende April gibt es ein Gespräch mit der Bezirksregierung über eine Ausnahmeregelung für den Standort Bedburg-Hau. Diese wird allerdings nur für ein Jahr ausgesprochen. Sollten die Zahlen für das Schuljahr 2017/2018 auch nicht für eine Zweizügigkeit reichen, droht die Schließung des Standortes. Die Folgen seien problematisch: Denn die Kinder müssen auf die Schulen im Umkreis aufgeteilt werden. Am Schulstandort Kleve gebe es keinen Platz für die Kinder, so Pieper. Notfalls müsse man hier Container errichten. Die Schulpflegschaftsvorsitzende Meike Robertz (Hau) sagte, dass sich die Sekundarschule in der Außendarstellung zu sehr als Schule für Kinder mit einem Förderbedarf präsentiert habe. Die gymnasiale Ausrichtung habe man nicht vermitteln können.

Gespräch bei der Bezirksregierung

Bürgermeister Peter Driessen blickt mit Spannung auf den 28. April Dann wird er gemeinsam mit Vertretern der Stadt Kleve in Düsseldorf über die Situation reden. Driessen steht hinter dem Konzept der Sekundarschule, er erkennt aber auch das Imageproblem: „Die Schule ist in den Köpfen der Eltern überhaupt nicht angekommen. Als die Hauptschule geschlossen wurde, haben wir zwei neue Schultypen, die Gemeinschaftsschule und die Sekundarschule aus dem Hut gezaubert. Die Schulformen habe keine Zeit bekommen, sich zu etablieren. Da Frage ich mich: Was machen wir da eigentlich?“

 
 

EURE FAVORITEN