Seeadler im deutsch-niederländischen Grenzgebiet gesichtet

Zum ersten Mal hat sich ein Seeadler im deutsch-niederländischen Grenzgebiet dauerhaft niedergelassen. Ornithologen sprechen von einem großen Erfolg. Das Tier ist zwei Jahre alt und hat eine Flügelspannweite von 2,40 Metern. Im kommenden Jahr könnte der Adler am Niederrhein brüten.

Am Niederrhein. Es ist ein majestätischer Vogel. Mit einer Flügelspannweite bis 2,40 Meter gleitet der Seeadler fast geräuschlos am Himmel, elegant und immer aufmerksam auf der Suche nach Nahrung. Der Seeadler gehört zu den größten Raubvögel in Mitteleuropa und in diesem Jahr ist er zum ersten Mal auch ein Sommergast in der deutsch-niederländischen Grenzregion. Ornithologe Bert Beekers beobachtet den Vogel seit ein paar Monaten am Kaliwaal bei Kekerdom in der Millinger Waard, im Ooijpolder, entlang der Altrheinarme in Lobith und in der deutschen Düffel: „Das ist für uns ein wahnsinniger Erfolg“, freut sich Beekers, der für die niederländische Umweltorganisation ARK arbeitet.

Vogel könnte nächstes Jahr brüten

Es handele sich um einen zweijährigen Vogel, der im kommenden Jahr geschlechtsreif sei. „Wenn die Tiere im Sommer bei uns bleiben, ist das ein sehr gutes Zeichen“, sagt Beekers. Denn dann steige die Chance, dass der große Raubvogel auch im kommenden Jahr hier brütet.

Normalerweise überwintert der Seeadler nur gelegentlich am Niederrhein, wenn es in Osteuropa zu kalt für ihn wird. Offenbar kann er sich jetzt vorstellen, auch die grenzüberschreitende Region Gelderse Poort als sein Heimatrevier zu akzeptieren.

Adler macht Jagd auf Sommergänse

Die langjährige Entwicklung der niederländischen Naturschutzgebiete Millinger Waard und Ooijpolder machen sich langsam bezahlt: Die wasserreiche Landschaft, die Entwicklung des Auwaldes und vor allem das gestiegene Nahrungsangebot seien für den Seeadler günstig: „Die Wasserqualität hat sich im Vergleich zu den 70er-Jahren deutlich verbessert“, so Beekers. Dadurch sei das Fischangebot reichhaltiger geworden. Der Seeadler sei aber auch auf die vielen Sommergänse aus: „Er scheut sich nicht, die Gänse anzugreifen. Die sind für ihn eine leichte Beute.“

Der in der Grenzregion ansässige Seeadler ist beringt, erzählt Frank Majoor von der Vogelschutzorganisation Sovon in Nimwegen. Allerdings habe man noch nicht feststellen können, woher der Vogel stammt und ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt. „Wir haben aber beobachtet, dass der Vogel bereits versucht hat, ein Nest zu bauen. Das ist ein gutes Zeichen“, so Majoor. Der Seeadler würde zurzeit den Auwald der Millinger Waard als Schlafstätte nutzen. Die hohen Bäume seien auch ein guter Brutplatz.

Immer mehr Seeadler

Der Ornithologe habe beobachtet, dass die Zahl der Seeadler in den vergangenen Jahr kontinuierlich gestiegen sei. In den Niederlanden gibt es jetzt fünf Seeadler-Pärchen, die u.a. in den Naturschutzgebieten Biesbosch (bei Rotterdam) und Oostvaardersplassen (Ijsselmeer) beheimatet sind. Majoor vermutet, dass der Seeadler in der Gelderse Poort ein Jungtier vom Ijsselmeer ist. Sicher belegen kann er dies allerdings nicht.

In den Oostvaardsplassen wurde 2006 zum ersten Mal seit Menschengedenken wieder ein Seeadler gesichtet. Auch auf der Bislicher Insel bei Wesel hat sich ein Seeadler niedergelassen.

 
 

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