Schwerverletzter bei Messerattacke in Klever Flüchtlingsheim

Kristin Dowe
Die Flüchtlingsunterkunft an der Stadionstraße wurde am Dienstag Schauplatz eines blutigen Verbrechens. Der mutmaßliche Täter wurde bereits gefasst.
Die Flüchtlingsunterkunft an der Stadionstraße wurde am Dienstag Schauplatz eines blutigen Verbrechens. Der mutmaßliche Täter wurde bereits gefasst.
Foto: dpa
31-jähriger Russe wurde in Klever Asylheim mit Messer attackiert. Der vermeintliche Täter ist bereits festgenommen. Beide waren in dem Haus zu Besuch.

Kleve. Mit dem Leben davongekommen ist am Dienstagabend gegen 23.35 Uhr ein 31-jähriger Russe, der in der Flüchtlingsunterkunft an der Stadionstraße Opfer einer Messerattacke wurde. Der Täter, ein 19-jähriger Mann georgischer Herkunft, hatte den 31-Jährigen unvermittelt mit dem Messer angegriffen und ihn mit mehreren Stichen in den Oberkörper, unter anderem an der Lunge, schwer verletzt.

Wie die Polizei mitteilte, waren sowohl Täter als auch Opfer in der Unterkunft zu Besuch. Den jungen Mann nahm die Polizei gestern Nachmittag gegen 14.35 Uhr widerstandslos fest. Nach umfangreichen Ermittlungen konnten die Beamten seinen Aufenthaltsort recht schnell in Erfahrung bringen.

Hintergründe der Tat sind der Polizei noch nicht bekannt

Nähere Hintergründe zu der Tat und zum Motiv sind derzeit noch nicht bekannt – die Mordkommission Krefeld hat federführend die Ermittlungen übernommen und arbeitet eng mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft Kleve zusammen.

„Die Mordkommission ist immer dann zuständig, wenn ein Anfangsverdacht für ein Kapitalverbrechen vorliegt“, erläutert Staatsanwalt Hendrik Timmer – ob der Angreifer den 31-Jährigen tatsächlich planmäßig töten wollte, wird die weitere Aufarbeitung des Falls zeigen.

Messerattacke bei Krankenbesuch - Täter war wohl alkoholisiert

Fest steht nur, dass sich die Tat im Rahmen eines Krankenbesuchs bei einem bettlägerigen Bewohner der Unterkunft ereignete, doch in welchem Verhältnis Täter und Opfer zueinander stehen, ist zurzeit noch unklar. Zeugen gaben an, dass der 19-Jährige bei der Tat alkoholisiert war.

Der Verletzte wurde nach dem Vorfall später von einem Bekannten zunächst mit dem Auto ins Klever Krankenhaus gebracht, anschließend transportierte ihn ein Rettungswagen zur Radboud-Klinik nach Nimwegen. Inzwischen ist der Mann außer Lebensgefahr und sein Zustand stabil.

Einige Männer aus der Gruppe hatten nach dem Vorfall vergeblich versucht, den Täter festzuhalten – zunächst ließ sich der 19-Jährige überwältigen, konnte sich aber später befreien und fliehen. „Der Tatverdächtige ist bereits einmal polizeilich in Erscheinung getreten – wir wissen, dass wohl sein Visum im vergangenen Jahr abgelaufen ist und er sich zurzeit illegal in Deutschland aufhält“, sagte Staatsanwalt Hendrik Timmer auf NRZ-Anfrage. Der junge Mann wird voraussichtlich morgen dem Haftrichter vorgeführt.

Bürgermeisterin Sonja Northing zeigte sich betroffen von dem Vorfall, sieht darin aber keinen Anlass, die Sicherheitsvorkehrungen in den Klever Übergangswohnheimen generell zu verschärfen. „Es ist sehr schade, wenn Besucher die Gastfreundschaft der Bewohner ausnutzen, aber wir tun bereits einiges, um die Sicherheit dort zu gewährleisten. Was hinter den Türen der Bewohner passiert, darauf können wir auch keinen Einfluss nehmen.“

So beschäftigt die Stadt in der Unterkunft über das Klever Unternehmen „Perspektive Personal“ zwei Hausmeister, die zusätzlich auch in bestimmten Bereichen der Sozialarbeit geschult sind. Diese sind tagsüber acht Stunden in dem Wohnheim präsent – an sieben Tagen in der Woche.

Soziale Kontrolle wichtig

Darüber hinaus sind die Hausmeister an drei Tagen in der Woche auch nachts vor Ort, wobei die Präsenzzeiten bewusst nicht bekanntgegeben werden. Um ein möglichst friedliches Miteinander in den Unterkünften zu erhalten, arbeiten Ausländerbehörde, Stadtspitze und Polizei eng zusammen.

Jemand, der die Strukturen in den Klever Flüchtlingsunterkünften gut kennt, ist Ron Manheim – der Vorsitzende des Vereins Beth HaMifgash engagiert sich seit Langem aktiv in der Flüchtlingshilfe: „In so großen Sammelunterkünften kommt es immer wieder zu kriminellen Vorfällen wie Diebstählen oder Drogenhandel. Eine Tag- und Nacht-Überwachung wäre dort sicherlich sinnvoll.“ Allerdings handle es sich nur um eine kleine Minderheit der Bewohner, die in den Unterkünften Probleme bereite, „demgegenüber steht eine breite Mehrheit, die sich regelkonform verhält.“