„Schule passt wie ein Strumpf“

Freudig wurde der Vertrag unterzeichnet.
Freudig wurde der Vertrag unterzeichnet.
Foto: NRZ
Ein Fachanwalt beriet jetzt die Elterninitiative „Euregio-Realschule Kranenburg“.Sein Fazit: „Wenn ihr es nicht tut, macht ihr was verkehrt.“

Kranenburg.  Die Elterninitiative beauftragt nicht einfach ein Anwaltsbüro. Nein, sie macht eine offizielle Vertragsunterzeichnung daraus, mit allem Drum und Dran. Rechtsanwalt Janbernd Wolfering aus Düsseldorf wurde per Vertrag vom Verein „Euregio-Realschule Kranenburg“ beauftragt, das Antragsverfahren zur Genehmigung der Kranenburger Schule als staatlich anerkannte „Ersatzschule“ nach Paragraph 100 ff Schulgesetz NRW durchzuführen. Seit gestern wird es eingeleitet. Die frühere Hauptschule am Galgensteeg soll Ganztags-Privat-Realschule werden.

Man merkt den Vereinsmitgliedern die Spannung an und die Überzeugung: Diesmal klappt es mit einer weiterführenden Schule für Kranenburg und Umgebung. Zweimal war der Versuch schief gegangen, eine Dependance der Sekundarschule Kleve zu gründen. Jetzt aber will man mehr. „Privatschule“ und „Realschule“, das klingt, als ob sich diesmal mehr Eltern dafür entscheiden könnten.

Eine schimmelfreie Schule

Janbernd Wolfering ist Fachmann für Schulrecht und Privatschulrecht. Er wurde durch die „schimmelfreie Schule“ geführt, wie Bürgermeister Günther Steins betonte: neue Mensa, renovierte Dreifach-Turnhalle, 16 gleich große Unterrichtsräume, Ganztagsbereich, zwei Fachräume für Chemie und Physik, die mit den hoch gestellten Stühlen so aussehen, als könnten sie morgen benutzt werden. Ein leeres Haus, das auch im Winter auf 16 Grad beheizt, dessen Wasserleitungen keimfrei und die Heizung intakt gehalten werden – und zwar bis 2016, bis man hofft, mit neuem Leben an den Start zu gehen. So kündigt Steins Starthilfe seitens der stolzen Gemeinde an. Den Schriftzug „Hanna Heiber Schule“ hat er schon vor Tagen abmontieren lassen: Platz für Neues.

Wolfering wird vor Begeisterung lyrisch. „Mein Fazit ist eine Plattitüde: Die Schule passt wie ein Strumpf zu den neuen Plänen.“ Vielen habe er andernorts abraten müssen. „Bei euch kann ich nur sagen: Wenn ihr es nicht tut, macht ihr was verkehrt. Ihr könnt nichts falsch machen, wenn ihr das Ziel weiter verfolgt“. Es gehe ja nicht darum, unbedingt eine Schule vor Ort haben zu wollen, sondern es stecke eine Idee dahinter, so Wolfering.

An der Nahtstelle in der Euregio-Region blicke Kranenburg über den Tellerrand hinaus, wolle an der Privat-Realschule besonders die berufliche Bildung im Blick haben. Die Bilingualität (Deutsch-Niederländisch) gebe ein eigenes Schulprofil, „das setzt einfach gut auf in der Schullandschaft“. Man wolle eine Ergänzung sein zu den neuen Klever Schulformen, keine Konkurrenz, sagt Vereinssprecher Martin Nienhaus.

Es gebe die ideale Kombination gemeindliches Einvernehmen und Elterninitiative als Träger. Janbernd Wolfering: „Ich stecke mein Herzblut da rein. In diesem Schulprojekt sind Herz und Verstand beieinander.“

Eltern müssen Beiträge zahlen

Eltern beteiligen sich finanziell an einer Privatschule. Das fördere die Identifikation. Jeder Euro werde ins Profil investiert, also in die Zweisprachigkeit und eine frühe berufliche Orientierung. Oder ins Haus. Denn der Trägerverein wird die Schule von der Gemeinde offiziell mieten (Erbbaurecht o.ä.) und die Verantwortung für die Gebäudeunterhaltung übernehmen müssen. Der Elternbeitrag solle „im Bereich bis 100 Euro“ liegen, sozial gestaffelt. „Eltern können sich da mehr einbringen als an staatlichen Schulen“, erwartet Joachim Jansen (CDU).

Ein pädagogisches Konzept entwerfen einige Lehrer im Ruhestand (z.B. Gertrud Kersten, CDU), aktive Lehrer (wie Manfred Maas, SPD, Realschule Karl-Kisters in Kleve) und ein in Kleve lebender stellv. Direktor aus Düsseldorf. Ausdrücklich solle „angemessenes Sozialverhalten“ zum Profil gehören. Inklusion werde dann gemacht, wenn Inklusionskinder anmeldet sind, sagte Wolfering. Behindertengerecht ist die Schule allemal, von Toiletten bis zum Treppenlift.