Rugbyspieler und Feingeist

Dr. Karl Haas, Rechtsanwalt
Dr. Karl Haas, Rechtsanwalt
Foto: privat
Der Klever Rechtsanwalt Dr. Karl Haas hat eine Schwäche für Kunst und lässt sich bei seiner Arbeit von den Erfahrungen in einer Randsportart inspirieren. Von Beuys fürs Leben gelernt

Kleve..  Wenn Dr. Karl Haas auf seinem Smartphone angerufen wird, zeigt der Startbildschirm seines Geräts das Schwarz-Weiß-Foto einer Sportmannschaft. Es handelt sich um den BSC Bonn, eine Rugbymannschaft, und einer der jungen Männer auf dem Bild ist der heute 54 Jahre alte Rechtsanwalt aus Kleve. Damals studierte er noch Jura in Bonn, und in seiner Freizeit schloss er sich dem Team an, das damals in der Bundesliga spielte. „Damals habe ich gelernt“, sagt Haas, „wenn man 150 Prozent gibt, gewinnt man. Daran halte ich mich bis heute.“

Das Spielfeld des Klevers ist heute allerdings der Gerichtssaal, und da ist das mit den Gewinnen und dem Verlieren nicht immer so eindeutig wie auf dem Rasen. Unmittelbar vor dem Gespräch war Haas noch im Landgericht Kleve aktiv; er hatte als Nebenkläger den Witwer vertreten, dessen Ehefrau von einem psychisch kranken Nachbarn erstochen worden war (Bericht Umlandseite). Haas: „Schwere Schicksale gehen nicht einfach so an einem vorbei. Wenn die Menschen sich an uns wenden, sind sie häufig in einer Extremsituation ihres Lebens.“

Das kann im Zusammenhang mit Kapitaldelikten sein, aber auch mit wirtschaftlichen oder auch privaten Nöten. Worauf kommt es dann an? „Zunächst einmal ist gutes Zuhören wichtig“, so der Jurist. Dann gehe es darum, den richtigen Rat zu geben und die richtige Entscheidung zu treffen.

Manchmal führt dies dann zu richtig schönen Ergebnissen. Gerne erinnert sich Dr. Haas an den Fall einer Frau, der in einem Werbebrief ein Gewinn versprochen worden war. Das Übliche halt, ein Fall für den Papierkorb sollte man meinen. Doch der Anwalt stieg für seine Mandantin in den Ring, kämpfte bis zum Oberlandesgericht für die Sache und erstritt schließlich 20.000 Euro. Von dem Geld kaufte sich die Frau eine neue Küche – und ist dem Anwalt bis heute dankbar.

Das Gespräch mit dem Anwalt findet im Café Lust in der Klever Unterstadt statt, auf halbem Wege zwischen dem Gericht an der Schwanenburg und seiner Kanzlei Schloesser, Dr. Haas & Partner an der Tiergartenstraße. Dort macht er gerne Mittagspause, in der Regel bei einem Thunfischsalat, und vertieft sich in die Zeitungslektüre (NRZ, FAZ). Auch das ein oder andere Mandantengespräch wird bei einer Tasse Kaffee dort abgehalten.

Als das Smartphone klingelt und Haas das Gespräch entgegennimmt, wechselt er übergangslos vom Deutschen ins Niederländische – der Anwalt spricht die Sprache des Nachbarlandes fließend, er hat ein Jahr in Nimwegen studiert und einen Teil seines Referendariats in einer renommierten Kanzlei in Den Haag verbracht. Da auf der Schwanenburg auch viele Fälle mit niederländischer Beteiligung verhandelt werden, ist dies ein Vorteil für den Klever, der sich problemlos mit seinen Mandanten verständigen kann.

Seine restliche Studienzeit verbrachte Haas in Bonn, wo er auch seine Frau Andrea Westermann-Haas kennenlernte, die heute Anwaltskollegin in seiner Kanzlei ist. Das Ehepaar hat zwei Kinder, Sohn Stephan (18) wird Gebirgsjäger, Tochter Anna (21) tritt in die Fußstapfen ihrer Eltern und studiert in Berlin Jura. Vor Beginn ihres Studiums absolvierte sie ein freiwilliges Jahr in einem Kinderheim in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Die Eltern besuchten sie dort – und gewannen einen ganz neuen Blick auf Deutschland. Haas: „Seit ich in Afrika war, weiß ich, wie gut es uns in Europa und insbesondere in Kleve überhaupt geht.“

Dazu gehört natürlich auch ein funktionierendes Rechtssystem. Haas: „In den Gesetzbücher stehen viele gute Ideen, die aber nicht immer umgesetzt werden. Da bleiben einige Menschen mit ihrem Recht auf der Strecke. Und diesen Menschen muss man helfen.“ Das treibt ihn an.

Wer einen Großteil seines Arbeitstages mit dem Studium von Akten verbringen muss, braucht einen Ausgleich. Für Karl Haas ist es die Kunst. Aktuell liest er eine Biografie des bekannten Künstlers Mark Rothko. Zu seiner Schulzeit verkaufte er als Mitglied einer Kunstgruppe auch schon mal eigene Bilder. Spätestens, seit er kurz vor dem Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in einer Schulstunde Joseph Beuys persönlich begegnete, weiß Haas, wie wichtig Kunst für ihn ist. „Von Beuys habe ich gelernt, dass man auch über den eigenen Tellerrand blicken muss“, so Haas. „Das ist in der Kunst ebenso wichtig wie in der Juristerei – und auch auf jedem anderen Gebiet.“

EURE FAVORITEN