Rolf Zacher und die Senioren

Von links:  Joerg Schunkert, Alwine Diedenhofen, Rolf Zacher und Rolf Hoffmann. Foto: Heinz Holzbach
Von links: Joerg Schunkert, Alwine Diedenhofen, Rolf Zacher und Rolf Hoffmann. Foto: Heinz Holzbach
Foto: Kleve
Der Berliner Schauspieler las auf Einladung der Stadtwerke in einem Klever Altenheim. Ein skurriler Auftritt.

Kleve. Es war gut gemeint. Bestimmt. Die Stadtwerke Kleve spendierten einem ihrer Kunden, der Evangelischen Stiftung, gestern einen Nachmittag mit Rolf Zacher. Der Berliner Schauspieler, der seit drei Jahren Werbefigur für Strom aus Kleve ist, las aus seiner Autobiographie. Dazu muss man wissen, dass Zacher, mittlerweile 71, noch immer so schnoddrig daher kommt wie früher und sein Image des kauzigen Künstler-Lebemanns inklusive Knasterfahrung pflegt. Dazu muss man auch wissen, dass die Evangelische Stiftung ein Altenheim ist und das Publikum somit zu 95 Prozent aus Senioren bestand.

Lila Schal und Turnschuhe

Die alten Damen und Herren wurden von ihren Betreuern in die Mehrzweckhalle geführt. Um dort, wo sonst Sitztanz geübt oder Gottesdienst gefeiert wird, den Herrn mit der markanten Hornbrille zu empfangen, der nach eigenen Angaben in mehr als 240 Filmen mitgespielt und unter anderem Robert de Niro seine Synchronstimme geliehen hat.

„Kennen Sie Rolf Zacher?“ Die Seniorin im Publikum zuckt mit den Schultern und fragt: „Was singt der denn so?“ Ihre Sitznachbarin, deren Bluse exakt zum grünen Muster der Polsterstühle passt, ist ebenfalls ratlos: „Ich kann mich an den nicht erinnern. Man sieht so viel im Fernsehen und man vergisst so viel.“

Und dann kommt er, der Star des Nachmittags, mit 25 Minuten Verspätung. Lila Schal, grau meliertes Sakko, abgetragene, weiße Turnschuhe. Rolf Zacher schreitet durch die Mehrzweckhalle und herzt spontan eine Besucherin im Rollstuhl. „Es freut mich, dass Sie da sind.“

Bevor er auf dem Podium in eigener Sache loslegen darf, wird noch flugs vor Publikum ein Vertrag mit den Klever Stadtwerken unterschrieben, die ihrer prominenten Werbefigur künftig Ökostrom nach Berlin liefern.

Dann packt der 71-Jährige aus einem blauen Stoffbeutel seine Autobiographie (Endstation Freiheit, erschienen 2003) und die Lesebrille aus. Aber so wirklich zum Lesen kommt er nicht. Rolf Zacher plaudert lieber. Darüber, dass er jeden Tag vier Kilometer spaziert. Oder darüber, dass er schon lange nicht mehr flucht, sondern lieber lächelt. Und darüber, dass Filmproduzent Bernd Eichinger mal gesagt hat, der Zacher wird höchstens 50. „Ja denkste, ich hab’ überlebt“, posaunt Zacher ins Mikro und fragt: „Möchte jemand von euch so alt werden wie Jopi Heesters?“

Der alte Herr mit Rollator aus der vierten Stuhlreihe hat diese Frage nicht mehr mitbekommen. Er schob gleich zu Beginn von Zachers Plauderstunde aus dem Saal und maulte „Ich versteh’ kein einziges Wort.“ Die Seniorin mit Fensterplatz hat auch nichts gehört. Sie schlief bereits nach zehn Minuten tief und fest.

 
 

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