Ringen um Kleves Prachtstraße

Andreas Gebbink
Die Planer malen den Neubau an der Nassauer Allee hinter die Bäume, die stehen bleiben sollen.
Die Planer malen den Neubau an der Nassauer Allee hinter die Bäume, die stehen bleiben sollen.
Foto: NRZ
Ein geplanter Neubau an der Nassauer Allee sorgt für Widerstände in der Nachbarschaft. Der Investor stellt der NRZ seine Pläne vor

Kleve.  Mit solchen Widerständen hatten Christina Rüttger und Dieter Bachmann, Gesellschafter-Geschäftsführer der gleichnamigen Steuerberatungskanzlei, nicht gerechnet. Denn eigentlich waren sie davon ausgegangen, dass man ihr Neubauvorhaben an der Nassauer Allee mit offenen Armen empfangen wird – soll es doch das Entrée zur Klever Innenstadt architektonisch aufwerten.

Die Klever Steuerberater hatten vor einiger Zeit an der Nassauer Allee 81 ein Haus gekauft, mit der Vorstellung, an dieser Stelle eine neue, repräsentative Kanzlei errichten zu können. Ein Ingenieur soll das zweite Büro belegen und ein Staffelgeschoss, welches deutlich von der Straße zurück springt, für die private Nutzung errichtet werden. Man war sich sicher, dass dies keine großen Schwierigkeiten verursachen werde, da auch die Klever Stadtverwaltung für das Vorhaben lobende Worte fand.

Doch mittlerweile ist man skeptisch geworden. Nach der ersten Beratung im Bauausschuss am 20. August kamen kritische Anfragen bezüglich des vermeintlich dreigeschossigen Gebäudes. „Zu hoch“ war die erste Reaktion aus der Politik. Und auch einige Anwohner der Nassauer Allee legten Beschwerden ein. In der Tat möchten die Steuerberater nur ein Gebäude mit zwei Vollgeschossen errichten und ein kleines Staffelgeschoss noch oben drauf setzen: „Der Grundriss des Hauses wird sich zum heutigen Gebäude kaum verändern und auch die Gebäudehöhe wird sich an den bereits vorhandenen Gebäuden an der Nassauer Allee anpassen“, so die Steuerberater im Gespräch mit der NRZ. Da das Haus in einer Hanglage errichtet wird, werde auch die Höhe des Hauses nicht als so wuchtig wahrgenommen, zumal es noch deutlich von der Straßenkante entfernt liege.

Bäume bleiben stehen

Geplant ist ein umweltfreundliches „grünes Bürogebäude“. Die Bäume auf dem Grundstück bleiben stehen, somit ist das neue Gebäude von der Straße aus kaum wahrnehmbar, sagen die Bauherren.

Kleves Baudezernent Jürgen Rauer hat keine Bedenken gegen das Vorhaben. Es entspricht sogar den Zielen der Stadtentwicklung Innenbereiche, insbesondere direkt die Hauptzufahrtsstraßen intensiver zu bebauen. Andere Behörden, wie der Kreis, die Denkmalbehörde und der LVR haben ebenfalls keine Bedenken. Von privater Seite liegen allerdings 33 Unterschriften gegen eine Änderung des Bebauungsplanes vor, der den Bau des Hauses ermöglichen würde. Als Argumente werden u.a. eine Wertminderung der bestehenden eingeschossigen Gebäude angetragen und die Mutmaßung, dass sich ein mehrgeschossiges Haus nicht ins Straßenbild einfüge.

Elf Meter

Die Nassauer Allee weist bereits eine zweigeschossige Bebauung auf, zum Teil auf der betreffenden östlichen Seite und fast durchgängig an der westlichen Seite. Und zum Thema Wertminderung heißt es: „Aufgrund der einheitlichen Ausweisung von maximal zwei Vollgeschossen entlang der Nassauer Allee kann keine Wertminderung für einzelne Gebäude gesehen werden.“

Eher müsse von einer Wertsteigerung der Grundstückspreise ausgegangen werden. Die Verwaltung teilt ferner mit, dass die Gebäude entlang der Nassauer Allee mit ihren zwei Geschossen und dem Dachgeschoss Firsthöhen über elf Meter erreichen. Der Bebauungsplan setzt daher folgerichtig künftig eine Firsthöhe von elf Metern fest, sowie maximal zwei Vollgeschosse. „Wir orientieren uns mit der Gebäudehöhe an der Sternbuschklinik und an den Zevens-Häusern“, vergleichen die Berater und können nicht erkennen, warum das Objekt nun nicht genehmigt werden soll.

Die Steuerberater beschäftigen 17 Mitarbeiter. Es wird Parkplatzflächen in einer Tiefgarage geben und vor dem Haus. „Aber viele Mitarbeiter kommen aus Kleve und werden mit dem Fahrrad fahren“, sagen die Kanzleiinhaber aus Erfahrung. Das Grundstück umfasst insgesamt 1500 Quadratmeter. Die Abstände zu den umliegenden Häusern seien großzügig.

Berliner Prachtallee

Der oftmals zitierte Vergleich der Nassauer Allee als Vorbild zur Berliner Prachtallee Unter den Linden hinkt etwas, da die Berliner Prachtallee zeitlich vor der Nassauer Allee entstanden ist, aber der städtebauliche Vergleich lohnt.

Beide Straßen sind üppig mit Bäumen als Allee gestaltet, führen in die Stadt und weisen eine Bebauung auf, die deutlich von der Straße abgerückt ist. Zur Prachtallee wird das Berliner Beispiel allerdings erst durch die Wahrnehmung der großbürgerlichen Bebauung, die deutlich mehr als zwei Geschosse aufweist.