Rhein nähert sich Rekordtief

Sarah Eul
WAZ FotoPool
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Foto: Kleve

Kleve. Der Pegel liegt nur noch bei 55 Zentimetern in Emmerich. Bis Freitag wird er weiter sinken. Die Schifffahrt ist schon jetzt betroffen.

Der Rhein zieht sich immer weiter zurück. Gestern wurde in Emmerich nur noch ein Pegelstand von 55 Zentimetern gemessen. „Obwohl Niedrigwasser in den Monaten Oktober und November normal ist, ist das mittlerweile schon ein sehr niedriger Pegelstand“, sagt Jan Böhme, Gewässerkundler des Wasser- und Schifffahrtsamtes Duisburg (WSA).

Noch ist der Pegel vom Rekordwert von 28 Zentimetern aus 2003 noch weit entfernt. Die Prognose des Experten: „Bis Samstag wird der Pegel in Emmerich bis auf 40 Zentimeter fallen“, so Böhm.

Schon lange beobachten auch die Gewässerkenner vom Angelsportverein Kleve (ASV) den sinkenden Stand des Rheins und seiner Nebenflüsse und Gewässer. „Fahren sie mal in Griethausen über den Deich. Dort sind ganze Gewässerteile verschwunden“, berichtete Alfred Nabers, Vorsitzender des ASV, der NRZ. Zwar mache man sich noch keine Sorgen um den Fischbestand, aber Angeln sei bei extremen Niedrigwasser nicht möglich. Sorgen bereitet Nabers die Tatsache, dass der Rhein selbst ein immer tieferes Bett bekommt, sich quasi durch die Strömung selbst immer tiefer gräbt: „Das bedeutet immer weniger Wasser für die Seitenarme.“

„In Zeiten extremer Trockenheit wie jetzt sind die Auswirkungen dann für die Nebenarme um so härter“, ergänzte Nabers. Für die Fische bestünde in der Regel jedoch keine Gefahr, weil sie sich zeitig in tiefere Stellen zurück ziehen würden.

Extreme Trockenheit im Herbst

Hubert Reyers, Wetterfachmann aus Kellen, macht auch noch keine Hoffnung auf ein Ende der herbstlichen Dürre. So war gestern auf seiner Seite www.wetter-niederrhein.de zu lesen: „Ein Ende der ungewöhnlich langen Trockenheit am Niederrhein ist nicht in Sicht.“

Eine Nachricht, die vor allem auch all jene nicht gern hören, die tagtäglich mit der Binnenschifffahrt zu tun haben. So wie Guido Postulart. Postulart arbeitet bei der ADM Ölmühlen GmbH & Co.KG Ölwerke Spyck an der Rheinstraße in Kleve, das eine ganze Menge seiner Waren über das Wasser bekommt und wieder verschickt. Für das Unternehmen bringt der momentane Pegelstand vor allem eines: Nachteile – finanziell und logistisch.

Eine Warenladung, die das Klever Unternehmen etwa aus Rotterdam bekommt oder zu anderen Häfen schickt, kann nicht mehr nur mit einem Schiff versandt werden. Vielmehr werden aufgrund des niedrigen Pegelstand mittlerweile zwei benötigt. Damit das Schiff nämlich nicht zu tief im Wasser liegt, kann nur noch 50 Prozent der sonst üblichen Menge verladen und verschifft werden. „Ein weiteres Schiff muss daher von uns bestellt werden“, erklärt Postulart. Extra-Kosten und ein größerer logistischer Aufwand kommt daher in Zeiten des Niedrigwassers auf die Firmen zu, die auf die Binnenschifffahrt angewiesen sind. Alternative Transportwege seien für die Ölwerke Spyck ausgeschlossen.