Reich an Schutzgebieten

Es werde außerdem im Reichswald mehr Holz geschlagen als nachwachsen kann, so meint der Gastautor.
Es werde außerdem im Reichswald mehr Holz geschlagen als nachwachsen kann, so meint der Gastautor.
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Der Nabu im Kreis Kleve argumentiert gegen Windräder im Reichswald, weil er als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist.

Kreis Kleve..  Der Kreis Kleve ist reich an Schutzgebieten. Mit dem EU-Vogelschutzgebiet Unterer Niederrhein und den FFH-Gebieten, mit denen Flora und Fauna geschützt werden sollen, sind wertvolle Naturgebiete als Teil des europäischen Netzwerks „Natura 2000“ ausgewiesen. Dazu kommen Naturschutz- und Wasserschutzgebiete sowie Landschaftsschutzgebiete. Aber was nützen all die Ausweisungen, wenn sie bei Planungen nicht berücksichtigt und Schutzziele ignoriert werden? „Große Teile der Politik und Planungsbehörden scheint das einfach nicht zu interessieren. Anders ist kaum zu erklären, dass sowohl die Gemeinde Kranenburg als auch die Stadt Kleve mit unverhohlener Dreistigkeit den Reichswald mit Zonen für Windkraftanlagen zuplanen“, ist meine Position als Naturschützer und Gastkolumnist an dieser Stelle.

Die Gemeinde Kranenburg würde – wie berichtet – gerne zwölf Windkraftanlage entlang des Kartenspielerwegs bauen lassen und der Flächennutzungsplan der Stadt Kleve weist in seiner jetzigen Fassung um die zehn flächigen Zonen zur Anlage von Windkraftanlagen aus. Diese liegen oft nur einige hundert Meter von Ortschaften entfernt und zerstückeln flächig zusammenhängende Waldfläche. In Größe und Erscheinungsbild sind die geplanten Anlagen zurzeit mit keinem Bauwerk am Niederrhein auch nur annähernd zu vergleichen. Lärm, Schalldruck, Schlagschatten, Waldzerschneidung, Verkehr, Bodenverdichtung, Verlust an Vögeln und Fledermäusen durch Kollision und Schallwellen werden von den Naturschützern befürchtet. Außerdem lägen die Anlagen im Landschaftsschutzgebiet. In einem aktuellen Gutachten des Verwaltungsgerichts Arnsberg wurde gerade am 12. August dieses Jahres für eine ähnliche Planung im Außenbereich der Stadt Laasphe eine Ablehnung begründet, dass „die erhebliche Beeinträchtigung bzw. Zerstörung des Landschaftsbildes nicht kompensiert werden kann“. Neben dieser „bauplanungsrechtlichen Unzulässigkeit verstößt das Vorhaben“ auch dagegen, dass der „Charakter des Gebiets“ im Landschaftsschutzgebiet nicht verändert werden darf.

Ich für meinen Teil argumentiere, dass auch hier der Reichswald, neben dem Naturschutzgebiet Geldenberg, ansonsten als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist.

Bemerkenswert ist, dass sich aus dem Protest und der Empörung über die drohende Entwertung des Reichswaldes ein breites bürgerschaftliches Engagement entwickelt hat. Menschen gehen für den Erhalt der Natur vor der Haustür auf die Straße.

Bleibt zu wünschen, dass – falls die Windkraftanlagen verhindert sind – aus der „Gegenwind“-Aktion eine Rückenwind-Aktivität generell für mehr Naturschutz im Reichswald wird. Das hat der nämlich durchaus nötig.

Es wird zurzeit mehr Holz geschlagen als nachwachsen kann, weiß ich anhand aktueller Berichte. Der artenarme Nadelholz-Anteil ist immer noch sehr hoch und wichtige Waldvogelarten wie zum Beispiel der große Schwarzspecht gehen im Bestand deutlich zurück. Meine Position als Gastautor: Für den Reichswald wäre viel gewonnen, wenn mit der jetzigen Initiative nicht nur das Schlimmste verhindert, sondern womöglich noch Besseres angestrebt und erreicht werden würde.

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