Rathaus bekommt einen Klinker

Die Baugrube des Klever Rathauses. Gestern Abend wurde heftig über die Fassadengestaltung des neuen Gebäudes gestritten.
Die Baugrube des Klever Rathauses. Gestern Abend wurde heftig über die Fassadengestaltung des neuen Gebäudes gestritten.
Foto: WAZ FotoPool
Nach einer hitzigen Debatte beschloss der Stadtrat mit einer Stimme Mehrheit den CDU-Antrag. „Es ist beispiellos, wie die CDU mit ihrem Bürgermeister umgeht.“

Kleve.  Das künftige Klever Rathaus wird eine Klinkerfassade erhalten. Mit einer Stimme Mehrheit stimmte gestern Abend der Rat der Stadt Kleve für einen Antrag der CDU, dass neue Rathaus nicht mit einer Putzfassade, sondern mit einem Klinkerstein zu versehen. In einer nicht-öffentlichen Sitzung haben die Stadtverordneten leidenschaftlich gestritten. „Das war die heftigste Ratssitzung, die ich bisher erlebt habe“, sagte eine sichtlich deprimierter CDU-Stadtverbandsvorsitzender Jörg Cosar.

Obwohl die Christdemokraten ihren Vorschlag durchgesetzt haben, wirkte der CDU-Chef nicht wie ein Sieger: „Bei dieser Abstimmung konnte keiner gewinnen“, sagte der angeschlagene Jörg Cosar nach der Sitzung. Hinter verschlossenen Türen war zuvor heftigst gestritten worden. Wie berichtet, ist die Verwaltung von dem Vorhaben alles andere als begeistert und teilte der Politik auch ihre Bedenken mit. Bürgermeister Theodor Brauer kündigte an, den Beschluss des Rates zu bestanden. Das heißt, er lässt juristisch überprüfen, ob die Entscheidung rechtssicher ist.

„Das lässt mich nachdenken“

CDU-Fraktionschef Udo Janssen zeigte sich im öffentlichen Teil der Sitzung kampfbereit. Er forderte noch vor der offiziellen Darstellung der Verwaltung eine Abstimmung und zog damit den Zorn des Bürgermeisters zu: „Ich kann nicht mehr nachvollziehen, wie man mit einer gewissen Respektlosigkeit gegenüber dem eigenen Bürgermeister auftritt“, sagte Brauer im öffentlichen Teil der Ratssitzung. Nach der Abstimmung sagte er auf die NRZ-Frage, ob er sich von der CDU vorgeführt fühle: „Das ist keine angenehme Situation. Das lässt mich schon nachdenken“, so Theodor Brauer.

Die FDP stimmte für den CDU-Vorschlag. Für Fraktionschef Daniel Rütter haben sich inhaltlich keine neue Bedenken ergeben. Er kritisierte die Verwaltung, dass diese viele Vermutungen geäußert habe. Letztendlich müsse man aber festhalten, dass es nur einen Bieter im Vergabeverfahren für das Rathaus gegeben habe. Gründe für eine juristische Auseinandersetzung sieht er nicht.

Die Grünen-Fraktionschefin Hedwig Meyer-Wilmes sagte: „Ich bin total enttäuscht, dass die CDU so viel Zeit und Geld für diesen Klinkerbau aufwendet.“ Dies werde der Stadt nur zusätzliches Geld kosten. Artur Leenders ärgerte sich: „Es ist beispiellos, wie die CDU mit ihrem eigenen Bürgermeister umgeht.“

Ein spannender Krimi

Für SPD-Fraktionschef Alexander Frantz ist die Ratsentscheidung „bedauerlich“ und „inkonsequent“. Man hätte schon viel früher mit den Planungen für einen Klinker beginnen müssen. Sich jetzt für diese Varianten zu entscheiden sei rechtlich problematisch: „Risiken sind nicht auszuschließen.“

Der Abend entwickelte sich zu einem spannenden Krimi. Bereits um kurz vor 18 Uhr war die öffentliche Sitzung beendet. Ganze zwei Stunden Wortgefechte folgten nun hinter verschlossen Türen. Es war die Rede von einer vergifteten Stimmung. Immer wieder verließen Stadtverordnete den Ratssaal im Kolpinghaus, gingen genervt zur Toiletten, bliesen die Wangen auf, tippten sich an die Stirn oder entluden ihren Ärger direkt beim politischen Gegner: „Das ganze Dingen verzögert sich jetzt und dafür steht ihr gerade“, schleuderte ein SPD-Ratsherr einen CDU-Abgeordneten an den Kopf.

Josef Gietemann bestellte vor der geheimen Abstimmung telefonisch noch die bis dato abwesende Fraktionskollegen Petra Tekath ein. Ein Signal mit Wirkung: Es könnte knapp werden. Kurz darauf erschien auch der FDP-Mann Barend van Ackeren. Am Ende stimmten 24 Stadtverordnete für den CDU Antrag, 23 dagegen.

Eine Klinkerfassade führt nach Angaben des Unternehmens Tönnissen nicht zu Mehrkosten. Lediglich die zusätzlichen Planungskosten in Höhe von 25 000 Euro werden auf die Stadt Kleve zukommen.

 
 

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