„Ran an die Buletten“

Kreis Kleve.  Für Stefan Rouenhoff wird es ernst. Nachdem er sich bei der Aufstellungsversammlung der Kreis-CDU im Juni erfolgreich gegen seine Mitbewerber Matthias Reintjes (Emmerich) und Christoph Gerwers (Rees) durchsetzen konnte, gilt es nun für den frisch gebackenen Bundestagskandidaten, zunächst die Menschen im Kreis Kleve für seine politischen Ideen zu begeistern. Noch immer vollbringt der 37-jährige einen organisatorischen Spagat, pendelt als Stadtverbandsvorsitzender der CDU Goch hin und her zwischen dem Kreis Kleve und seiner jetzigen Wirkungsstätte Brüssel, wo er noch immer als Handels-Attaché der Ständigen Vertretung der Bundesregierung bei der Europäischen Union tätig ist. „Jetzt geht es ran an die Buletten“, bringt er den Anlass seines Besuches in der NRZ-Redaktion gemeinsam mit CDU-Kreisgeschäftsführer Manfred Lorenz auf den Punkt.

Kritische Haltung zum Windpark

War Rouenhoff vor seiner Karriere in Brüssel auch in der Gocher Ratspolitik aktiv, ist seine Reise zurück in den Kreis Kleve auch eine Reise zu seinen Wurzeln. Fast alle Städte und Gemeinden im Kreisgebiet hat er während seiner Vorstellungstour schon besucht und muss der Vollständigkeit halber noch einen Abstecher nach Kalkar, Kerken und Wachtendonk machen. So erhält er am besten einen Überblick, welche Probleme den Menschen vor Ort auf der Seele brennen.

Da wären zum Beispiel die umstrittenen Pläne der Gemeinde Kranenburg zur Errichtung eines Windparks im Reichswald, die auch Rouenhoff als ausdrücklicher Befürworter der erneuerbaren Energien äußerst kritisch sieht. „Wir möchten der Gemeinde Kranenburg in nichts reinreden“, betont er. „Allerdings ist der Reichswald das größte zusammenhängende Waldgebiet am linken unteren Niederrhein und ein wichtiges Naherholungsgebiet. Daher macht die aktuelle Diskussion auch nicht an den Gemeindegrenzen Kranenburgs halt“, so Rouenhoff und erlaubt sich einen Seitenhieb in Richtung der Grünen: „Vor wenigen Jahren haben die Grünen sich noch an die Bäume gekettet. Jetzt stehen zwölf Hektar Reichswald zur Diskussion.“

So hat der Gocher CDU-Vorstand in seiner letzten Sitzung beschlossen, die geplante Errichtung von Windkraftanlagen im Reichswald zum Thema einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des CDU-Stadtverbandes zu machen, wie die CDU jetzt auch in einer Pressemitteilung bekanntgab. Auch sonst will die CDU Goch mit Themen wie dem Breitbandausbau und dem Erhalt des Berufskolleg-Standortes Goch, der ja nunmehr bis 2020 gesichert ist, bei den Bürgern punkten und zu alter Stärke zurückfinden. Rouenhoff: „Sie sehen, wir liefern.“

Den Bürger mitnehmen

Trotz der harschen Verluste, die die Christdemokraten bei den vergangenen Bürgermeisterwahlen in vielen Kommunen im Kreis Kleve zu verschmerzen hatte, wertet Rouenhoff es als Erfolg, dass seine Partei immerhin mit drei potenziellen Bundestagskandidaten bei der Aufstellungsversammlung aufwarten konnte und bescheinigt dem CDU-Kreisvorsitzenden Dr. Günther Bergmann daran einen beträchtlichen Anteil. Ob mit oder ohne schwarzes Parteibuch will der Gocher nun alle Bürger mitnehmen und eine stärkere Diskussionskultur etablieren. Auch um nicht jenen kampflos das Feld zu überlassen, die vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme anbieten, wenn es etwa um die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung geht, sagt Rouenhoff mit einem sorgevollen Blick nach Mecklenburg-Vorpommern. „Wir müssen klar benennen, wo sich die AfD nicht auf demokratischem Boden bewegt.“