Räume öffnen

. Foto: Thorsten Lindekamp / WAZ FotoPool
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Foto: WAZ FotoPool
Die Aktion Schule – Kunst – Museum fand zum zehnten Mal im Museum Kurhaus statt.

Kleve. Es geschieht nicht gerade oft, dass man ein Museum betritt und gleich im ersten Raum ausgefragt wird. „Was ist ein Arbeitsraum?“, will Jannik Pouwels aus der Klasse 6e der Ganztagsrealschule Hoffmannallee wissen. Komplizierte Frage. Im Moment wohl das Museum, denn es gilt, einen Artikel über die inzwischen zehnte Folge der Aktion Schule – Kunst – Museum zu schreiben.

Alles andere als eine Eintagsfliege

Zahlreiche Kunstlehrer aus den verschiedensten Klever Schulen gehen im Laufe des Jahres mit ihren Schülerinnen und Schülern ins Museum Kurhaus, wo die Kinder und Jugendlichen sich zu eigenen Arbeiten inspirieren lassen. Die werden dann an einem Wochenende im Museum gezeigt. Die Werke jener Erwachsenen, die als ihren Beruf „Künstler“ angeben dürfen, ohne dabei rot zu werden, machen Schülerarbeiten Platz.

Das zieht Publikum, junges und altes, und wie der Zufall so will, steht plötzlich Angelika Paatz-Rürup im „Raum für Traumberufe“, den die Ganztagsrealschule Hoffmannallee gestaltet hat. Sie hat vor zwölf Jahren das ganze Projekt ins Leben gerufen. Inzwischen ist sie nicht mehr als Kunstlehrerin tätig, aber ihre Idee war alles andere als eine Eintagsfliege: „Toll, es geht weiter!“, jubelt sie. Mit Grausen erinnert sie sich an die Zeit, in der sie selbst Schülerin war und mit dem Kunstlehrer ins Museum musste.

Diese Erfahrung hat sie nicht vergessen und daraus die Lehre gezogen: „Es ist ganz wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler selbst etwas machen.“ Das haben sie. Es gibt eine Fülle von Originellem oder zumindest gut Ausgeführtem zu sehen. Sogar der japanische Atomunfall strahlt in Schriftbildern der Konrad-Adenauer-Hauptschule künstlerisch aus. Die Schülerinnen und Schüler der Schule Haus Freudenberg haben strahlend leuchtende Fabeltiere geformt. Im Konrad-Adenauer-Gymnasium ging es einerseits ganz traditionell um Ansichten von Stadtlandschaften, dann aber auch um Land Art. Auf dem Boden liegen Seerosenblätter und -blüten aus Ton. Ein paar Meter weiter ist ein Menschenbild halb als blaues Puzzle gestaltet – der Raum öffnet sich für weitläufige Interpretationen.

Schwarz-weiße Handgemälde, Fingerzeige, mitten in der Bewegung erstarrt, zeigt das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Verblüfft erkennt man die so unterschiedlichen „Hand“-Schriften der Schülerinnen und Schüler, das Persönliche, das sich zu einem Panorama der Identitäten verbindet. Aufgeschreckt durch Gregor Schneiders Installation „Total isoliertes Gästezimmer“ hat die Karl-Kisters-Realschule Fotos der seltsamsten Räumlichkeiten zusammengetragen und in einen Holzraum gehängt – Rumpelkammern, Dachböden, Verhörzellen, Schuppen. Es ist das Gegenteil von Schönheit, und doch reizen die Geschichten, die man in die Bilder hinein vermutet. So wird man als Betrachter der Schülerarbeiten ein ums andere Mal auf sich selbst zurückgeworfen. Dass die Jugendlichen das erkannt und selber umgesetzt haben, verdient unsere Hochachtung.

 
 

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