Radfahren in Goch

Kristin Dowe
Radeln hat in Goch  – hier am Steintor – Tradition. Warum  sollte m an sich das nicht gleich werbeträchtig schriftlich geben lassen?
Radeln hat in Goch – hier am Steintor – Tradition. Warum sollte m an sich das nicht gleich werbeträchtig schriftlich geben lassen?
Foto: WAZ FotoPool
Politiker der Stadt Goch bemühen sich erneut um Einstufung als „fahrradfreundlicher Stadt“. NRZ erfragte bei den Radel-Profis, wo die Weberstadt am dringendsten nachbessern sollte

Goch.  Saftige Wiesen, urige Bauerncafés und flaches Land – Goch hat, was es für eine attraktive Fahrradregion braucht. Es gibt einen innerstädtischen Fahrradverleih und viele landschaftlich reizvolle Routen, die Goch auch für Gäste aus den Niederlanden zum beliebten Ausflugsort machen. Die Radfahrer stärker als touristische Zielgruppe ins Visier nehmen und fahrradfreundliche Rahmenbedingungen schaffen – das will man eigentlich schon lange. Nach einem Antrag der Grünen im Haupt- und Finanzausschuss soll nun geprüft werden, ob Goch das Zeug zur „fahrradfreundlichen Stadt“ als Mitglied in der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW“ (AGFS) hat.

Das Projekt Fahrradfreundlichkeit hat in Goch Geschichte: Vor gut zwei Jahren hatte zuletzt die SPD einen Antrag im Rat gestellt, den Baurat zu beauftragen, eine Bestandsaufnahme des Radwegenetzes zu erarbeiten, der einstimmig beschlossen wurde. Das Vorhaben scheiterte schließlich an den personellen Kapazitäten der Verwaltung; die Besetzung dafür sei zu dünn, hatte Stadtbaurat Klaus Krantz dem Rat seinerzeit mitgeteilt. Somit wurde das Projekt „fahrradfreundliche Stadt“ vorerst zurückgestellt.

Bei der Arbeitsgemeinschaft „fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW“ (sind aus dem Kreis Kleve bislang nur Kleve und Rees vertreten. 1993 wurde die Arbeitsgemeinschaft gegründet, deren Mitglieder sich als „Modellstädte für eine moderne, ökologische und stadtverträgliche Mobilität“ verstehen.

Doch ist die Aufnahme an klare Bedingungen geknüpft. So müssen Bewerber ein fahrradfreundliches Gesamtkonzept vorlegen, das von einer unabhängigen Expertenkommission beurteilt wird, und kommunalpolitisch deutliche Prioritäten für den Radverkehr setzen. Die Mitgliedschaft kostet für die Kommunen 2500 Euro im Jahr; dafür dürfte das Label der „fahrradfreundlichen Stadt“ auch mit einem veritablen Imagegewinn verbunden sein und den Zugang zu Fördertöpfen des Landes erleichtern.

Fördergelder

„So eine Auszeichnung würde uns gut zu Gesicht stehen“, ist die Grüne Fraktionsvorsitzende Hilde Fielenbach-Hensel überzeugt. Nach Prüfung der Aufnahmekriterien soll das Thema auf die Tagesordnung im nächsten Bauausschuss gesetzt werden. Man solle dranbleiben.

„Wir haben ein hohes Potenzial an Radfahrern in Goch“, betont auch SPD-Chef Klaus-Dieter Nikutowski. „Allerdings gibt es sicherlich einige Schwachpunkte in der Stadt, wo die Bedingungen für Radler nicht optimal sind.“ In Stadtteilen wie Hülm und Pfalzdorf gebe es einige enge Straßenzüge, wo Radfahrer schnell in der Defensive seien.

Buchstäblich ausbaufähig finden auch die beiden ersten Radfahrer von Goch, Gertrud Brey und Rudi Kempkes, so manchen Radweg in der Stadt. Beide bieten seit Jahren geführte Radtouren an. Gertrud Brey ist dabei eher mit kleinen Gruppen an Sonntagen unterwegs und schafft damit auch ein Angebot für Berufstätige, wohingegen bei Rudi Kempkes’ Touren schon mal bis zu 100 Leute mittwochs in die Pedale treten. Viele ehrenamtliche Helfer sorgen dann dafür, dass alles glatt läuft.

„Entlang der alten B9 von Pfalzdorf in Richtung Kleve leben Fahrradfahrer eher gefährlich“, kritisiert Gertrud Brey. Der Radweg dort sei gezeichnet von Schlaglöchern und von Wurzeln überwuchert – dort herrsche dringend Handlungsbedarf. Nicht viel besser sehe es auf dem 300 Meter langen Radweg durch den Stadtpark aus, der durch Wildwuchs am Wegrand kaum noch zu erkennen sei. „Mit solchen Wegen kann die Stadt nicht gerade prahlen.“

Rudi Kempkes weist außerdem auf die schwierige Verkehrssituation für Radfahrer an der Kalkarer Straße hin: „Wenn man von Kalkar aus in Richtung Innenstadt fährt, kann es im Ampelbereich am Ostring für Fahrradfahrer sehr gefährlich werden“, mahnt der 70-Jährige. Radler, die stadteinwärts fahren möchten, solle man deshalb besser über die Gartenstraße umleiten und dies entsprechend ausschildern, so sein Vorschlag.

Grundsätzlich begrüßt er aber, dass die Stadt Goch in Sachen Fahrradfreundlichkeit weiter am Ball bleiben will: „Wir verfügen über ein gut ausgebautes Radwegenetz und man kann alle Ortsteile von Goch gut mit dem Fahrrad erreichen. Wir sollten unsere Vorteile nutzen und in diesem Bereich noch besser werden.“